20070319

UNWIRKLICHE VERNUNFT? sk-13

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Haben wir das 'Ende der Geschichte' (Francis Fukuyama) erreicht nach der Verwirklichung des Bürgerstatus, wenn die Angebotsmaschine gut läuft, und wenn eine Bürgergesellschaft vorhanden ist mit Bürgersinn? Bleibt da noch etwas zu tun?

In seinen Vorlesungen um 1950 hatte Marshall darin recht, dass der moderne soziale Konflikt seine absolute Qualität zu verlieren begann. Wenn die grundlegenden Anrechte aller Bürger erst garantiert sind, reichen die verbleibenden Ungleichheiten der Angebotslage nicht mehr aus, um im alten Sinn ('klassenkämpferisch') Geschichte zu machen.

Ungleichheiten geben Anlass zum Neid, aber nicht zum Klassenkampf.
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Quelle: Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf, Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch
Exzerpt: transitenator
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Der moderne soziale Konflikt hat mit dem Bürgerstatus, dem Wirtschaftswachstum und der Bürgergesellschaft den Rahmen geschaffen, innerhalb dessen sich fast alle bekannten Probleme anpacken lassen (S.76).

Allerdings mit zwei Ausnahmen:

1. Manfrau muss erkennen, dass das Vernünftige (!) weder wirklich ist noch nur notwendig wirklich wird. Die Freiheit bleibt immer bedroht.

2. Die Bürgergesellschaft ist von Anomie bedroht. Menschen verlieren den Halt, den ihnen nur tiefe kulturelle Bindungen vermitteln können; am Ende geht nichts mehr, alles wird gleichgültig. Zeiten der Anomie sind Zeiten äußerster Unsicherheit im täglichen Leben.

Menschen suchen Halt wo sie ihn finden können. Die Rattenfänger von Hammeln erleben Hochkonjunktur (S. 77). Erinnerungen tauchen aus dem Schoß der Geschichte auf, an verlorene Nestwärme in alten sozialen Zusammenhängen.

Nationalismus und Fundamentalismus sind zwei der großen Anfechtungen der Modernität und sie sind jetzt mit Händen zu greifen. Die Extreme tolerieren weder die Vielfalt noch die Autonomie der Bürgergesellschaft, geschweige denn ihre Zivilität.

Sie lösen alle Anrechte in einen religiösen oder ideologischen Wahn auf. Vor allem und für viele überraschend, kümmern sie sich nicht um die wirtschaftlichen Folgen ihres Tuns.

Manfrau muss im eigenen Haus beginnen eine zivilisierte Bürgergesellschaft zu bauen. Die historische Aufgabe der Schaffung der Bürgergesellschaft wird erst vollendet sein, wenn es für alle Menschen gleiche Bürgerrechte gibt.

Wir brauchen die Weltbürgerschaft. Bürgerrechte müssen überall geschaffen werden wo Menschen leben. Die Weltarmut verwandelt die Lebenschancen der Reichen in Privilegien. Auch aus diesem Grunde ist die Weltbürgerschaft nötig. Die Existenz der dritten Welt ist unvereinbar mit den Werten einer zivilisierten Welt der Bürgerrechte und des Wachstums.

Immanuel Kant sah ein Ziel einer 'allgemein das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft'. Der Prozess dahin braucht Zeit und strategisches Handeln. Wir müssen ihn beginnen, wenn wir nicht die Errungenschaften der Bürgergesellschaft aufs Spiel setzen wollen (S. 79).

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