20070310

REVOLUTIONEN & LEBENSCHANCEN sk-02

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Revolutionen werden von Menschen gemacht, aber Menschen handeln immer unter Umständen, die sie nur höchst bedingt unter Kontrolle haben (S. 15).

Zuerst geht Dahrendorf auf Karl Marx ein mit einer kurzen Schilderung von dessen Theorie und einer Kritik selbiger als einer irrigen Erklärung von Revolution.

Die Marxsche Theorie habe zwei Teile, einen sozialpolitischen und einen sozioökonomischen. Die Teile bleiben ein Schlüssel zum Verständnis des moderen sozialen Konfliktes, obwohl die Art und Weise, in der Marx sie verknüpft hat, zu allerlei Zweifeln Anlaß gibt.

Diese Elemente einer Theorie des Wandels haben es mit dem Doppelgesicht des Bürgers als bourgeois und als citoyen (Staatsbürger)zu tun. Der Burgeois ist Herold des Wirtschaftswachstums, der Andere der der gleichen Teilnahmechancen.

Das deutsche Wort 'bürgerliche Gesellschaft' vermischt und verwirrt. Es war ursprünglich die Übersetzung der societas civilis bzw. civil society.

Eine Betrachtung der Marx'schen Theorie (durch Marx'sche Augen) zeigt: In den geschichtlichen Epochen stehen zwei Klassen einander gegenüber.Die herrschende Klasse gegenüber der unterdrückten Klasse.

Diverse Phasen der Formierung müssen durchlaufen werden, bevor die unterdrückte Klasse den Kampf aufnimmt. Ein Prozess der Organisation muss geschehen und latente Interessen müssen
manifest werden.

Die 'Klasse an sich' wird zur 'Klasse für sich'. Der Konflikt nimmt zu. Ein Endkampf und eine revolutionäre Umwälzung bringen die Epoche zum Abschluß. Die alte unterdrückte Klasse etabliert sich als neue herrschende Klasse.

Herrschende Klassen repräsentieren die für eine Epoche charakteristischen Produktionsverhältnisse. Sie haben ein Interesse Sachen zu belassen wie sie sind also eben Sachen wie die Methoden der Schaffung von Wohlstand, die Gesetze die diesen Methoden Stabilität verleihen und die Machtverhältnisse, die hinter den Gesetzen stehen.

Unterdrückte Klassen andererseits ziehen ihre Stärke aus neuen 'Produktivkräften'. Zu diesen gehören alles was Zukunft hat, neue Technologien, neue Organisationsformen, neue Spielregeln, neue Spielleiter. Es kommt die Zeit da das Potential der Produktivkräfte der Realität über den Kopf wächst.

Reale Eigentums- und Produktionsverhältnisse halten vielmehr das Potential zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse nieder. In dem Maße, in dem die Vereinbarkeit von Potential und Realität abnimmt, wächst die Intensität des Klassenkonflikts.

Revolutionen versprechen neue Weisen der gesellschaftlichen Organisation. Sie öffnen das Tor für Chancen, die ein altes Regime unterdrückt hat.

Dahrendorf bewundert das als eine schöne Theorie aber leider, leider ... widersetzen sich die Ereignisse, die die Theorie erklären soll, ihrem Anspruch, und die von ihr prognostizierten Entwicklungen sind nirgends eingetreten.

Welcher Faden löst das Gewebe auf?

Marx: der Moment der größten Not der Armen, ist zugleich der Moment der höchsten Notwendigkeit (der Veränderung).

Aber:

In Wirklichkeit ist das nicht der Fall.

Die am stärksten Not Leidenden werden eher letharigisch als aktiv.

Hoffnungslose Unterdrückung schafft das große Schweigen der Tyrannis.

Explosionen brauchen einen Funken der Hoffnung oder einen Funken der Erregung oder ein Zeichen der Schwäche der Mächtigen, ein Signal.

Die Schwäche dieser Theorie liegt also darin, daß sie nicht aus der Annahme von Epochen und Systemen auszubrechen vermag.

Kapitalismus bleibt bei Marx immer Kapitalismus, trotz der Veränderungen der Produktionsverhältnisse. Die Theorie wird zur Binsenwahrheit zu einer bloßen Definition.

'Wirkliche' Veränderung muß nach Marx revolutionäre Veränderung sein und bis dahin behalten die alten Begriffe ihre Wirkung.

Dies hat Karl Popper Historizismus genannt. Analytische Begriffe werden hypostasiert. Sie werden nicht benutzt, um Aspekte und Elemente wirklicher Gesellschaften mit dem Scheinwerfer der Theorie zu erhellen; sie werden vielmehr mit der Wirklichkeit selbst verwechselt (S. 18).

Das Elend des Historizismus liegt darin, daß er seine Anhänger blind macht für die Phantasie der wirklichen Welt.

Marxisten haben sich selbst quälende Kopfschmerzen verursacht bei dem Versuch, mit dem Verschwinden des revolutionären Proletariats fertigzuwerden. Die Theorie von Marx ist nach Dahrendorf zu schön um brauchbar zu sein; sie ist ein Denkmodell, das mit den Erfahrungen der Geschichte wenig zu tun hat.

Ursprünge der Theorie von Marx liegen in Hegels Dialektik und seinem dogmatischen Denken auch wenn er "vom Kopf auf die Füße" gestellt wurde. Also eine gewisse Zwangsjacke.

Die Hinwendung von Marx von der Philosophie hin zur politischen Ökonomie geschah auch durch indirekte Erfahrungen (Nachwehen der französischen Revolution, Entdeckung der industriellen Revolution als dramatische Umwälzung).

-o-o-o-

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