20070423

Fleisch Esser, Tier-Leichen hinter die Kulisse, Hamburger, Seelen-Aufbau zt-32

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Was immer wir auch an menschlichen Erscheinungen, losgelöst vom gesellschaftlichen Leben der Menschen betrachten, es ist Substanzialisierung der menschlichen Beziehungen und des menschlichen Verhaltens, es ist Gesellschafts- und Seeleninkarnat.

Das gilt von der Sprache, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik für hochrangige Erscheinungen unseres Lebens etc.

Scheinbar unbeträchtliche Erscheinungen geben über Aufbau und Entwicklung der 'Seelen' und ihrer Beziehungen oft klare und einfache Aufschlüsse. Zum Beispiel das Verhältnis der Menschen zur Fleischnahrung.

Im Mittelalter gibt es drei verschiedene Verhaltensweisen zur Fleischkost. Extreme Uneinheitlichkeiten des Verhaltens sind charakteristisch für diese Zeit.
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Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995 Exzerpt: transitenator.
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Bestimmte Verhaltensweisen in einer Schicht oft über das ganze Abendland hin, während andere Verhaltensweisen in anderer Schicht. Daher sind die Unterschiede im Verhalten zwischen verschiedenen Ständen der gleichen Region oft größer, als die zwischen regional getrennten Vertretern der gleichen Schicht. Abgeschlossenheit der Stände (S. 158).

Das Verhältnis zur Fleischnahrung zwischen den Polen des außerordentlichen Verbrauchs in der Oberschicht und des Verzichts z.B in Klöstern oder der Unterschicht. Vieh ist wertvoll und für die Herrentafel bestimmt. Arme Ritter mit ähnlichem Standard wie Bauern. Gewürze spielen eine große, Gemüse eine verhältnismäßig geringe Rolle.

Genauer belegbar ist die Art, wie das Fleisch aufgetragen wird. Die ändert sich vom Mittelalter zur Neuzeit hin beträchtlich. Im Mittelalter kommt bei der Oberschicht das tote Tier als Ganzes auf den Tisch und das Tier wird auf der Tafel zerlegt.

Das Zerlegen und das Austeilen bei Tisch ist eine besondere Ehre. Allmählich hört im 17. Jahrhundert das Zerlegen des Tieres bei der Tafel auf. Faktoren dafür die allmähliche Verkleinerung des Haushaltes, die Aussonderung von Erzeugungs- und Verarbeitungsaufgaben (Weben, Spinnen, Schlachten..) aus dem Haushalt und deren Übergang an Spezialisten (Handwerker, Kaufleute, Fabrikanten). Der Haushalt wird im wesentlichen zu einer Verbrauchseinheit.

Dem Zuge des großen Gesellschaftsprozesses entspricht auch hierin der Zug des Seelischen. Heute ist der Anblick von ganzen toten Tieren in Fleischerläden in den U.S.A. und West-Europa peinlich.

Vorschübe der Peinlichkeitsschwelle. Schübe dieser Art führten in der Vergangenheit zu Standardveränderungen.

Die Richtung ist ganz klar. Von jenem Standard des Empfindens, bei dem der Anblick der erschlagenen Tiere auf der Tafel und sein Zerlegen unmittelbar als lustvoll, jedenfalls ganz und gar nicht als unangenehm empfunden wird, führt die Entwicklung zu einem anderen Standard, bei dem manfrau die Erinnerung daran, dass das Fleischgericht etwas mit einem getöteten Tier zu tun hat, möglichst vermeidet.

Bei unseren Fleischgerichten wird durch die Kunst der Zubereitung die tierische Form verdeckt. (Chicken Mc Nuggets).

Es wird noch gezeigt werden, wie die Menschen im Laufe der Zivilisationsbewegung alles das zurück zu drängen suchen, was sie an sich selbst als 'tierische Charaktere' empfinden (S. 162).

Das stärkere Verlegen des Peinlichen aus der Sicht der Gesellschaft gilt auch für das Zerlegen des ganzen Tieres. Dieses Zerlegen gehörte im Mittelalter zum gesellschaftlichen Leben der Oberschicht.

Dann wird der Anblick mehr und mehr als peinlich empfunden. Das Peinliche wird hinter die Kulissen des gesellschaftlichen Lebens verlegt.

Charakteristisch diese Figur des Aussondern, dieses 'Hinter die Kulisse Verlegen' des peinlich Gewordenen für den ganzen Vorgang dessen, was wir 'Zivilisation' nennen.

Die Kurve: Zerlegen großer Tiere an der Tafel, Vorrücken der Peinlichkeitsschwelle gegenüber dem Anblick toter Tiere, Verlagerung des Zerlegens hinter die Kulissen in spezialisierte Enklaven ist typisch für okzidentelle Zivilisation. (In China geschah das schon viel früher).

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