Posts mit dem Label Kampf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kampf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20070714

Monopolbildung Monopolzentralen tz-11

Das Ringen um die Vormacht und damit um die Bildung von Monopolzentralen über Gebiete einer noch höheren Größenordnung ist in vollem Gange.

Und wenn es auch zunächst noch in erster Linie um die Vormacht über Erdteile geht, so kündigen sich dahinter bereits recht unzweideutig die Vormachtkämpfe in einem Verflechtungssystem an, das die ganze bewohnte Erde umfasst.

Der Verflechtungsmechanismus drängt zur Veränderung der Institutionen und der gesamten, menschlichen Beziehungen.

Auch diese Erfahrungen widerlegen die Vorstellung, die nun mehr als ein Jahrhundert das Denken der Menschen beherrscht hat, die Vorstellung, dass sich ein Balancesystem frei konkurrierender Einheiten- Staaten, Konzerne, Handwerker oder was immer es sein mag- unendlich lange in diesem Zustand labilen Gleichgewichts erhalten könne.

Heute wie ehemals drängt diese Gleichgewichtslage der monopolfreien Konkurrenz über sich hinaus zu Monopolbildungen (S. 436).

-o-o-o-

20070616

Monetarisierung Kommerzialisierung Privilegien Königsmechanismus zt-61

Der Antagonismus hat gewiss nicht die Form eines bewussten Kampfes. Was den Ausschlag gibt, was die Spannungen produziert, sind auch hier weit weniger Pläne und bewusst gesetzte Kampfziele, als anonyme Verflechtungsmechanismen.

Es sind weit mehr die Mechanismen der vordringenden Monetarisierung und Kommerzialisierung, als bewusste Anschläge bürgerlich-städtischer Kreise, die am Ausgang des Mittelalters das Gros der ritterlichen Feudalherren bergab drängen (S. 242).
(Anm: Also hier: Sein bestimmt Bewusstsein :-).

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-
Die Frage war: Wie war es möglich, dass sich eine absolutistische Zentralgewalt heran bildete, obwohl die Zentralherren nicht weniger abhängig waren von der ganzen funktionsteiligen Maschinerie, wie die Inhaber andere Stellen?

Das Schema des Königsmechanismus gibt die Antwort: Nicht mehr die militärische Stärke, nicht mehr die Größe der Besitztümer und Einnahmen allein können die gesellschaftliche Stärke des Zentralherren in dieser Phase erklären, sondern es bedarf überdies noch einer besonderen Kräfteverteilung im Inneren der Gesellschaft (S. 243).

Die gesellschaftliche Institution des Königtums erlangt ihre größte gesellschaftliche Stärke in jener Phase der Gesellschaftsgeschichte, in der ein schwächer werdender Adel mit aufsteigenden bürgerlichen Gruppen rivalisieren muss.
Die rascher fortschreitende Monetarisierung und Kommerzialisierung des 16. Jahrhunderts gibt bürgerlichen Gruppen einen mächtigen Auftrieb und drückt den Adel beträchtlich herab.
Am Ende der sozialen Kämpfe ist die Interdependenz zwischen Teilen des Adels und Teilen des Bürgerstandes beträchtlich größer geworden (S. 244).

Das Ziel des Bürgerstande war nicht die Beseitigung des Adels (wie dann 1789) als gesellschaftliche Institution, sondern es war selbst Adelstitel mit seinen Privilegien zu erlangen. Sie wollen den Adel nicht als solches beseitigen sondern bestenfalls als neuer Adel an die Stelle oder neben den alten Adel treten.
Die Spitzengruppe 'Noblesse de robe' betont während des 17. u. 18. Jahrhunderts, dass ihr Adel ein ebenso guter, wichtiger und echter Adel ist wie der des Schwertadels (S. 244).

Das Bürgertum war in jener Phase nicht die gleiche Formation wie heute, so eine Art selbstständiger Kaufleute.
Der sozial einflussreichste repräsentative Vertreter des Bürgertums im 17. u. 18. Jahrhundert war der bürgerliche Fürsten- oder Königsdiener, dessen Vorfahren gewiss Kaufleute waren, der aber selbst nun eine amtsähnliche Stellung innerhalb des Herrschaftsapparates bekleidet.

Bevor kaufmännische Schichten selbst die Spitzengruppe des Bürgertums bildeten, stehen hier zunächst an der Spitze des dritten Standes Beamte, Männer der Robe, die das Bürgertum in den Ständeversammlungen vertreten.

In Frankreich ist dieser Bürger eine Mischung von Rentier und Beamter, der seine Stelle im Staatsapparat als Besitztum gekauft oder von seinem Vater ererbt hat. Auf Grund dieser Amtsstellung genießt er eine Reihe von Privilegien z.B. Steuerfreiheit (S. 245).

Gemeinsam ist dem dritten Stand (1.= Klerus, 2. = Adel) vor allem ein Interesse: Das Interesse an der Aufrechterhaltung ihrer verschiedenen Privilegien. Denn durch Sonderrechte, durch Privilegien ist nicht nur die soziale Existenz des Adligen oder des Amtsinhabers ausgezeichnet; auf Privilegien ruht auch die Existenz des Kaufmanns in dieser Zeit ab; von Privilegien hängt der Bestand des Zunfthandwerks ab.

Bis in die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein ist das Bürgertum, wie der Adel selbst, eine ständische, durch Sonderrechte charakterisierte und aufrecht erhaltene Formation.

Hier stößt man jetzt auf jene Verflechtungsmaschinerie, kraft derer dieses Bürgertum niemals zu einem entscheidenden Schlag gegen den Adel (den Gegenspieler) ausholen kann. Es kann und will auch niemals die gesellschaftliche Institution der Privilegien selbst beseitigen, denn seine eigene soziale Existenz, an deren Erhaltung ihm alles liegt, wird ebenfalls durch Privilegien aufrecht erhalten und geschützt (S. 246).

Erst, wenn immer stärker im Zellenaufbau der Gesellschaft bürgerliche Existenzen hervortreten, deren gesellschaftliche Basis nicht mehr ständische Privilegien sind, dann erst sind die sozialen Kräfte vorhanden, die den Adel entschieden bekämpfen können, die nicht nur einzelne Adelsprivilegien sondern das gesellschaftliche Institut der Adelsprivilegien selbst beseitigen wollen (S. 246, 247).

In der Tat ist die Revolution von 1789 nicht einfach ein Kampf des Bürgertums gegen den Adel. Durch sie wird die soziale Existenz des ständischen Bürgertums, voran die der Robe, der privilegierten Amtsinhaber des dritten Standes und auch die des alten, ständischen Zunfthandwerkes ganz ebenso vernichtet, wie die des Adelsstandes.

Vorher sind im Zeitalter des Absolutismus die politisch relevanten Teile des Bürgertums bis zum Hervortreten eines neuen, nicht ständischen Bürgertums völlig an den Bestand und die spezifische Balance einer ständischen Ordnung gebunden (S. 247).

Die gewichtigste Spannungsachse zwischen Adel und Bürgertum ist noch in eine Fülle von anderen, nicht weniger ambivalenten eingebettet.

Weltliche Ämterhierarchie via kirchlicher Ämterhierarchie.

Ein multipolares Balancesystem.

Der König oder sein Stellvertreter lenkt und steuert dieses Getriebe, indem er sein Gewicht bald in der einen, bald in der anderen Richtung einsetzt (Bild des Tauziehens).

Und seine gesellschaftliche Stärke ist eben deswegen so groß, weil die strukturelle Spannung zwischen den Hauptgruppen dieses Gesellschaftsgeflechts zu stark ist, um ein zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den König zu gelangen. Alle Versuche dieser Art scheitern im 16. u. im frühen 17. Jahrhundert (S. 249).

Jede der Richtungen möchte vielmehr das Königtum zu ihren Gunsten beschränken und jede von ihnen ist gerade stark genug, um zu verhindern, dass das einer anderen gelingt.
Sie halten sich gegenseitig in Schach und finden sich dementsprechend am Ende wieder resigniert in gemeinsamer Abhängigkeit von einem starken König (S. 250).

Die Gegensätze zwischen den beiden Hauptgruppen sind zu groß, um einen entscheidenden Kompromiss zwischen ihnen wahrscheinlich zu machen. So, unfähig sich zu einigen, unfähig, sich mit voller Kraft zu bekämpfen und zu besiegen, müssen sie einem Zentralherrn alle jene Entscheidungen überlassen, die sie selbst nicht herbeiführen können (S. 250).

-o-o-o-

20070601

Geschichtsbetrachtung Verflechtung zt-54

Im Rückblick erscheint der Zusammenschluss eines Gebietes von der Größe Frankreichs als etwas Selbstverständliches und Zweckmäßiges, dass man es unwillkürlich als etwas bewusst Geplantes betrachtet.

Dementsprechend werden dann auch einzelne Aktionen auf ihre Sinnhaltigkeit oder Zweckmäßigkeit bewertet. Aber durch solche Zensuren verdeckt manfrau sich den Zugang zu den elementaren Bildungsgesetzlichkeiten und Mechanismen, zur wirklichen Strukturgeschichte und Soziogenese der historischen Gebilde.

Diese Gebilde entwickeln sich immer im Kampf, in der Auseinandersetzung ambivalenter Interessen (S. 219).
So ist die vollendete Integration des westfränkischen Gebietes das Resultat einer Reihe von Ausscheidungskämpfen und nicht Resultat einer prophetischen Vision (oder Verschwörung).

Bei den Risiken aller Kämpfe war es ungewiss wo die Zentren und ihre Grenzen lagen. Man könnte von den französischen Königen sagen: "He didn't want all the land; he just wanted the land next to his" (amerik. Pionier). Auch die Könige sahen klar immer nur die nächsten Schritte.

Aus der Verflechtung von unzähligen individuellen Interessen und Absichten entsteht etwas, das so wie es ist, von keinem Einzelnen geplant oder beabsichtigt worden ist, und das doch zugleich aus Absichten und Aktionen vieler Einzelner hervorging.

Und das ist eigentlich das ganze Geheimnis der gesellschaftlichen Verflechtung, ihrer Zwangsläufigkeit, ihrer Aufbaugesetzlichkeit, ihrer Struktur, ihres Prozesscharakters und ihrer Entwicklung; dies ist das Geheimnis der Soziogenese und der Beziehungsdynamik (S. 221).

Nochmals: Aus der Verflechtung vieler, individueller Interessen, Pläne und Aktionen ergab sich eine Entwicklungsrichtung, eine Gesetzmäßigkeit des Ganzen der verflochtenen Menschen, die kein Einzelner bezweckt hatte, und ein Gebilde das keiner der Agierenden eigentlich geplant hatte, ein Staat: Frankreich.

Gerade darum bedarf ein Gebilde dieser Art zu seinem Verständnis des Durchbruchs in eine noch wenig bekannte Wirklichkeitsebene; in die Ebene der eigen gesetzlichen Beziehungen, ins Feld der Beziehungsdynamik (S. 221).

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-

Konkurrenzkampf Monopolbildung zt-53

Was Menschen des 20. Jahrhunderts beim Rückblick im Auge behalten müssen ist die Tatsache, dass gesellschaftliche Funktionen, die sich in der neueren Zeit differenziert haben, in dieser früheren Phase noch mehr oder weniger ungesondert sind.

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-

In der gesellschaftlichen Position des großen Feudalherren, des Fürsten vereinigte sich die Funktion des reichsten Mannes, des Besitzers der größten Produktionsmittel seines Gebietes, mit der Funktion des Herrschenden, des Besitzers der militärischen Verfügungsgewalt und der Jurisdiktion. Funktionen, die heute arbeitsteiligen Gruppen repräsentieren, wie etwa die Funktion eines Großgrundbesitzers und die Funktion eines Regierungsoberhauptes bilden hier noch untrennbar verbunden eine Art von Privatbesitz.

Das hängt damit zusammen, dass in dieser natural-wirtschaftenden Gesellschaft der Boden, in der späteren Gesellschaft hingegen das Geld (als Inkarnation der Funktionsteilung) das wichtigste Produktionsmittel bildet.

Es hängt aber nicht weniger damit zusammen, dass in der späteren Phase das Schlüsselstück jedes Herrschaftsmonopols, das Monopol der körperlichen, der militärischen Gewaltausübung, über größere Gebiete hin eine feste und stabile gesellschaftliche Institution bildet, während es sich in der vorangehenden Phase durch jahrhundertelange Kämpfe hindurch erst langsam entwickelt und zwar zunächst in der Form eines privaten, eines Familienmonopols.

Wir sind gewohnt zwei Sphären, Wirtschaft und Politik und zwei Arten von gesellschaftlichen Funktionen, wirtschaftliche und politische Funktionen voneinander zu unterscheiden.
Nichts ist weniger selbstverständlich.

Für alle naturalwirtschaftlichen Kriegergesellschaften (nicht nur für sie) ist das Schwert ein sehr nahe liegendes, ein unentbehrliches Mittel zum Erwerb von Produktionsmitteln und die Gewaltandrohung ein unentbehrliches Mittel der Produktion.

Erst wenn die Funktionsteilung sehr weit vorangetrieben ist, erst wenn sich als Resultat langer Kämpfe eine spezialisierte Monopolverwaltung heran gebildet hat, erst dann können sich Konkurrenzkämpfe um Konsumtions- und Produktionsmittel unter weitgehender Ausschaltung von körperlicher Gewaltandrohung vollziehen und erst dann existiert eine 'Wirtschaft' und 'Politik'.

Eine Konkurrenzsituation, bzw. Konkurrenzbeziehung stellt sich überall dort her, wo sich mehrere Menschen um dieselben Chancen bemühen, wo mehr Nachfragende vorhanden sind, als Chancen zur Befriedigung der Nachfrage, die Verfügung über diese Chancen mag in der Hand von Monopolisten sein oder nicht.

Die 'freie Konkurrenz' ist dadurch charakterisiert, dass sich hier die Nachfrage Mehrerer auf Chancen richtet über die noch nicht jemand verfügt, der außerhalb des Konkurrenzspielraums der Rivalisierenden steht.

Ein freier Konkurrenzkampf entsteht beispielsweise dann auch, wenn sich unter mehreren, die interdependent sind, Böden und kriegerische Chancen so gleich verteilen, dass niemand von ihnen unzweideutig der Chancenreichste, der gesellschaftlich Stärkste ist, also in jener Phase der Beziehungen zwischen feudalen Kriegerhäusern oder zwischen Staaten, in der keiner dem Rivalitätsspielraum der anderen entwachsen ist, also noch kein zentralisiertes Herrschaftsmonopol besteht.

Ein freier Konkurrenzkampf entsteht ebenso, wenn sich Geldchancen unter viele, interdependent Verbundene in dieser Weise relativ gleichmäßig verteilen; und hier wie dort wird der Kampf um so intensiver, je mehr die Bevölkerung, je mehr die Nachfrage nach solchen Chancen wächst, wenn nicht zugleich auch diese Chancen selbst wachsen (S. 207).

In den Kämpfen der feudalen Kriegerhäuser wirken beide Arten der Kampfmittel, beide Formen der Gewalt (körperlich-kriegerische und wirtschaftliche) noch, ziemlich ungetrennt voneinander, zusammen. Freie Konkurrenzkämpfe einer größeren Anzahl von Rivalen führen zu einer immer kleineren Anzahl von Rivalen.

Das gesellschaftliche Phänomen der Monopolbildung ist nicht auf Prozesse beschränkt, an die man heute denkt, wenn von Monopolbildung die Rede ist.

Die Akkumulation von Besitzchancen stellt nur einen historischen Schub von Monopolbildungen unter vielen anderen dar.

Funktionsgleiche Prozesse, also Tendenzen zu einem Aufbau des menschlichen Beziehungsgeflechts, bei dem einzelne Menschen oder Menschengruppen durch mittelbare oder unmittelbare Gewaltandrohung den Zugang anderer zu bestimmten, umworbene Chancen beschränken und regeln können.
Solche Prozesse treten in mannigfacher Gestalt und an verschiedenen Stellen der Menschheitsgeschichte auf (S. 208).

Für alle Beteiligten steht ihre soziale Existenz auf dem Spiel und das ist das Zwingende an diesen Kämpfen.
Das macht diese Kämpfe unvermeidlich und unentrinnbar.

Ist eine Gesellschaft in eine Bewegung dieser Art geraten, dann steht in der noch monopolfreien Sphäre jede soziale Einheit immer vor der gleichen Alternative: entweder:
besiegt zu werden (Gefangenschaft, Not, materielle Not, soziales Absinken, Verlust der gesellschaftlichen Selbständigkeit, Übergang in abhängige Positionen, Aufgehen in einem größeren gesellschaftlichen Komplex und damit Zerstörung dessen was zunächst einmal für ihr Bewusstsein ihrem Leben Sinn, Wert und Dauer gab)
oder sie können siegen.

Aber dieser Sieg bedeutet über kurz oder lang die Gegenüberstellung und Auseinandersetzung mit einem Rivalen der neuen Größenordnung. Die bloße Erhaltung der sozialen Existenz erfordert in der Situation der freien Konkurrenz immer zugleich deren Vergrößerung.

Der Gewinn des Einen ist hier notwendigerweise der Verlust des Anderen. (S. 208).

Wird eine bestehende soziale Existenz zerstört, so wird all das was in ihren Augen ihrem Leben Sinn und Glanz gibt, die Selbständigkeit ihrer Herrschaft, die unabhängige Verfügungsgewalt über ihren Hausbesitz, ihre Ehre, ihr Rang ihr gesellschaftliches Ansehen vernichtet.

Die Rivalitäten treiben langsamer oder schneller auf eine neue gesellschaftliche Ordnung, auf eine Monopolordnung voran und an die Stelle der monopolfreien Konkurrenzkämpfe treten monopolistisch gebundene Konkurrenzkämpfe.

Erst mit der Bildung solcher Monopole stellt sich schließlich auch die Möglichkeit zur Lenkung der Chancenverteilung unter den aneinander gebundenen Menschen ein. Diese Vormachtbildung bedeutet den sozialen Untergang als selbständige, soziale Einheiten (S. 211).

In der kapitalistischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und vor allem des 20. Jahrhunderts tritt der allgemeine Drang zu einer wirtschaftlichen Monopolbildung deutlich in Erscheinung, gleichzeitig eine analoge Tendenz zur Vormachtbildung im Wettstreit der Staaten (S. 211).

Anfangs des 16. Jahrhunderts stehen einander das Habsburger Kaiserhaus und das Haus der französischen Könige gegenüber, jetzt als Rivalen einer ganz neuen Größenordnung.

Sie ringen miteinander um die Chancen und die Vormacht in einem noch größeren Gebiet, für das noch kein Herrschaftsmonopol besteht, also als freie Konkurrenten.
Und die Rivalität zwischen ihnen wird für geraume Zeit zu einer Hauptachse des werdenden europäischen Spannungssystems.

Das französische Herrschaftsgebiet ist beträchtlich kleiner als das Hausgebiet der Habsburger, aber es ist erheblich stärker zentralisiert und es ist vor allem geschlossener, nämlich militärisch durch 'natürliche Grenzen' besser geschützt (S. 218).

20070531

Konkurrenz Monopolmechanismus Monopolbildung Staat zt-50

Die Gesellschaft der neueren Zeit ist durch einen ganz bestimmten Stand der Monopolbildung charakterisiert.
1. Die freie Verfügung über militärische Machtmittel ist dem Einzelnen genommen und einer Zentralgewalt vorbehalten.
2. Die Erhebung der Steuerabgaben ist in den Händen einer gesellschaftlichen Zentralgewalt konzentriert.

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-

Die finanziellen Mittel die der gesellschaftlichen Zentralgewalt zufließen halten das Gewaltmonopol aufrecht, das Gewaltmonopol hält das Abgabenmonopol aufrecht. Es handelt sich um zwei Seiten der gleichen Monopolstellung.
Kurz: Steuermittel erhalten (unterstützen) das Gewaltmonopol und Gewaltmittel erhalten das Steuermonopol.

In einer sehr fortgeschrittenen Funktionsteilung der Gesellschaft bildet sich eine spezialisierte Verwaltungsapparatur dieser Monopole heraus. Und erst mit der Herausbildung dieses differenzierten Herrschaftsapparats bekommt die Verfügung über Heer und Abgaben ihren vollen Monopolcharakter.

Die sozialen Kämpfe gehen nun nicht mehr um die Beseitigung des Herrschaftsmonopols, sondern nur mehr um die Frage, wer über die Monopolapparatur verfügen soll, woher sich rekrutieren, wie Last und Nutzen verteilt werden soll.

Erst mit der Herausbildung dieses beständigen Monopols der Zentralgewalt und dieser spezialisierten Herrschaftsapparatur nehmen die Herrschaftseinheiten den Charakter von 'Staaten' an (S. 143).

Wenn diese 'Schlüsselmonopole' verfallen, verfällt der Staat.

Wie und warum kommt es zu dieser Monopolbildung?

In der Gesellschaft des 9. 10. u. 11. Jahrhunderts ist der kriegerische Erwerb von Boden der 'Privatinitiative' überlassen.
Starke Nachfrage nach Böden.
Konkurrenzkampf mit kriegerischer und wirtschaftlicher Gewalt.
(Im 19. Jahrhundert wird die Kraft der staatlichen Monopole mit den Mitteln wirtschaftlicher Gewalt geführt S. 144).

Zentrum der Bewegungen ist hier wie dort die Akkumulation des jeweils wichtigsten Produktionsmittel, hier (19. Jahrhundert) Geld, dort (9. 10. u. 11. Jahrhundert) Böden.

Mechanismus der Monopolbildung:

"Wenn in einer größeren, gesellschaftlichen Einheit viele der kleineren, gesellschaftlichen Einheiten, die die größere durch ihre Interdependenz bilden, relativ gleiche, gesellschaftliche Stärke haben und dementsprechend frei - ungehindert durch schon vorhandene Monopole- miteinander um Chancen der gesellschaftlichen Stärke konkurrieren können (also vor allem um Subsistenz- und Produktionsmittel), dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit dafür, dass einige siegen, andere unterliegen und dass als Folge davon, nach und nach immer weniger über immer mehr Chancen verfügen, dass immer mehr aus dem Konkurrenzkampf ausscheiden müssen und in direkte oder indirekte Abhängigkeit von einer immer kleineren Anzahl geraten" (S. 144).

Das Menschengeflecht nähert sich als einem Zustand, bei dem die faktische Verfügungsgewalt über die umkämpften Chancen in einer Hand liegt; es ist aus einem System mit offeneren Chancen zu einem System mit geschlosseneren Chancen geworden (S. 145).

Experiment: Bestimmte Anzahl von Menschen und bestimmte Anzahl von Chancen. Im Optimalfall verfügt dann ein Einzelner über alle Chancen und alle Anderen sind von ihm abhängig (S. 145). Es muss sich aber um einen freien, von keiner Monopolmacht beeinflussten Wettkampf handeln.

Gang und Tempo ist in hohem Maße von dem Verhältnis abhängig, in dem Nachfrage und Angebot von Chancen stehen.

Wenn an die Stelle relativ unabhängiger, gesellschaftlicher Funktionen abhängige hervortreten (z.B. statt freie Ritter höfische Ritter, dann Höflinge), (z.B. an Stelle unabhängiger Kaufleute, abhängige) dann verändert sich notwendigerweise zugleich die Affektmodellierung, der Aufbau des Triebhaushaltes und des Denkens, der ganze soziogene Habitus und die sozialen Attituden der Menschen. Sowohl bei denen, die sich einer Monopolstellung nähern als auch denen die in direkter oder indirekter Abhängigkeit sind.

Der Prozess ist keineswegs so zu verstehen als ob manche immer weniger frei und mehr gebunden werden, und andere immer freier. Es ist vielmehr eine gegenseitige Abhängigkeit, die gewachsen ist.

Das folgende gilt auch als ein Beispiel dafür, wie aus privatem Besitz eine öffentliche Funktion wird, und wie sich das Monopol eines Einzelnen schließlich vergesellschaftet (wie später dann nach der franz. Rev.).

Je mehr Menschen durch das Spiel des Monopolmechanismus in Abhängigkeit geraten, desto größer wird die gesellschaftliche Stärke zwar nicht der einzelnen Abhängigen, aber der Abhängigen als eines Ganzen im Verhältnis zu den wenigen oder dem einen Monopolisten.

Und zwar durch ihre Anzahl, dann durch die Angewiesenheit der Wenigen (die sich der Monopolstellung nähern) auf immer mehr Abhängige zur Bewahrung und Bewirtschaftung der monopolisierten Chancen. Je mehr sich in einer Hand akkumuliert, desto stärker wird er von dem Geflecht seiner Abhängigen abhängig (S. 147).

Je umfassender und je arbeitsteiliger ein Monopolbesitz wird, desto sicherer und desto ausgeprägter strebt er einem Punkt zu, bei dem der oder die Monopolherren zu Zentralfunktionären eines funktionsteiligen Apparates werden, mächtiger vielleicht als andere Funktionäre, aber kaum weniger abhängig und gebunden als sie.

Die Verfügungsgewalt (der durch Privatinitiative in Ausscheidungskämpfen akkumulierten Chancen) tendiert dazu, von einem optimalen Punkt der Besitzgröße ab den Händen der Monopolherren zu entgleiten und in die Hände der Abhängigen als eines Ganzen (oder einiger Gruppen von Abhängigen) überzugehen.
Etwa in die Verfügungsgewalt der bisherigen Monopolverwaltung. Das Privatmonopol Einzelner vergesellschaftet sich; es wird zu einem Monopol ganzer Gesellschaftsschichten, zu einem öffentlichen Monopol, zum Zentralorgan eines Staates (S. 148).

Der Staatshaushalt entwickelt sich aus dem Privathaushalt feudaler Herrschaftshäuser. Es gab da noch keine Trennung zwischen 'öffentlichen' und 'privaten' Einnahmen oder Ausgaben.

Die Einnahmen kamen zuerst aus dem Haus- oder Domanialbesitz; die Verwaltung und Verteidigung des Besitzes wird für den Einzelnen immer unübersehbarer; zunehmende Kommerzialisierung; aus dem Monopol über den Boden wird ein Abgaben- oder Steuermonopol. Darüber wird wie über persönliches Einkommen verfügt.

Dann beschränkt sich der Entscheidungsspielraum des Monopolbesitzers durch das riesige Menschengeflecht, zu dem sein Besitz geworden ist.

Die fixen Kosten des Monopolapparates werden ständig größer. Und am Ende steht er bereits unter dem Druck, unter dem Gesetz und in funktionaler Abhängigkeit von der Gesellschaft, die er beherrscht.
Seine Unumschränktheit ist jetzt nicht mehr einfach eine Konsequenz seiner monopolistischen Verfügung über Chancen, sondern die Funktion einer besonderen Aufbaueigentümlichkeit der Gesellschaft in dieser Phase. Er bekommt dann Geld des Budgets für seine Funktion.

So gut wie alle Organe der staatlichen Herrschaftsapparatur entstehen durch Differenzierung von Funktionen des fürstlichen Haushalts.
Wenn schließlich diese Herrschaftsapparatur staatlich oder öffentlich geworden ist, dann bildet der Haushalt ihrer Zentralherren bestenfalls ein Organ unter anderen darin und schließlich kaum noch das.

Das Monopol tendiert also von einem bestimmten Grad der Akkumulation dazu, der Verfügungsgewalt eines Einzelnen zu entgleiten und in die Verfügungen ganzer Gesellschaftsgruppen überzugehen.

Oft zunächst in die Gewalt der früheren Herrschaftsfunktionäre, der ersten Diener des Monopolisten.

In Gesellschaften mit geringer Interdependenz der gesellschaftlichen Funktionen führt dieser Vergesellschaftungsschub notwendiger weise zu einer Art von 'Anarchie', zu einem Zerfall des Monopols oder zu dessen Aneignung durch eine Oligarchie.

Erst im Zuge der wachsenden gesellschaftlichen Interdependenz aller Funktionen wird es möglich, Monopole auch ohne sie aufzulösen, der willkürlichen Nutzung durch einige Wenige ganz zu entziehen.

Wo immer die Funktionsteilung stark und überdies im Wachsen ist, da kommen die Wenigen in Schwierigkeiten und in Nachteil gegenüber den Vielen. Das immer reicher funktionsteiligere Menschengeflecht als ein Ganzes hat ein Eigengesetz, das sich jeder privaten Monopolisierung von Chancen immer stärker entgegen stemmt.

Die Tendenz der Monopole (z.B. Gewalt- und Steuermonopol) aus privaten zu öffentlichen (staatlichen) Monopolen zu werden, ist nichts anderes als eine Funktion der gesellschaftlichen Interdependenz. Eine Hemmung für diesen Prozess wäre z.B. die Größe des deutschen Imperiums.

Der Prozess der Monopolbildung hat also einen klaren Aufbau. Der freie Konkurrenzkampf hat in diesem Prozess eine bestimmte Stelle und Funktion. Der Konkurrenzkampf ist ein Kampf relativ Vieler um Chancen, über die noch kein Monopol besteht.
Jeder gesellschaftlichen Monopolbildung geht ein solcher freier Ausscheidungskampf voraus. Jeder freie gesellschaftliche Ausscheidungs- oder Konkurrenzkampf tendiert zur Monopolbildung.

Gegenüber dieser Phase, der freien Konkurrenz bedeutet die Monopolbildung eine Schließung des direkten Zuganges zu bestimmten Chancen für immer mehr Menschen und bedeutet weiters eine immer stärkere Zentralisierung der Verfügungsgewalt über diese Chancen.

Aber, der Monopolist, ist nie in der Lage, die Erträge seines Monopols allein für sich zu verbrauchen; er ist ganz besonders nicht dazu in der Lage, innerhalb einer stark funktionsteiligen Gesellschaft. Er muss vielmehr einen großen Teil der Chancen, über die er verfügt, an andere verteilen, und zwar einen umso größeren Teil, je größer der akkumulierte Besitz wird und umso größer seine Angewiesenheit auf andere und damit deren gesellschaftliche Stärke wird.

Um die Verteilung dieser Chancen erhebt sich von neuem ein Konkurrenzkampf, aber während in der vorangegangenen Phase dieser 'frei' war, ist er jetzt davon abhängig, für welche Funktionen oder zu welchem Zweck der Monopolist den Einzelnen aus seiner Übersicht über das Ganze seines Herrschaftsbereichs braucht.

An die Stelle des freien Konkurrenzkampfes ist ein gebundener, von einer Zentralstelle gelenkter oder lenkbarer Konkurrenzkampf getreten.
Die Eigenschaften die in diesem gebundenen Konkurrenzkampf Erfolg versprechen sind anders als im vorigen. Die Selektion die er vornimmt ist anders. Die Menschen die er produziert sind anders (S. 154).

Das Gewalt- und Steuermonopol wird durch das Bürgertum übernommen. Sie besitzen wirtschaftliche Chancen in der Form eines unorganisierten Monopols. Sie sind gleich verteilt und können relativ frei konkurrieren. Diese Schicht kämpft nicht um die Zerstörung des Herrschaftsmonopols, weil der Bestand eines Gewalt- und Steuermonopols die Grundlage ihrer gesellschaftlichen Existenz ist.

Es beschränkt den Konkurrenzkampf auf das Mittel der wirtschaftlichen Gewalt. Es geht um eine andere Verteilung der Lasten und Erträge des Monopols.
Die Chancen, die das Monopol gibt sollen weniger nach der persönlichen Gunst und dem persönlichen Interesse Einzelner, sondern nach einem Plan im Interesse vieler interdependent Verbundener und schließlich im Interesse eines ganzen interdependenten Menschengeflechts sein (S. 156).

Durch Zentralisierung, durch Monopolisierung werden, mit anderen Worten, Chancen, die zuvor durch kriegerische oder wirtschaftliche Gewalt von Einzelnen erstritten werden mussten, einer Planung unterwerfbar und manipulierbar.

Der Kampf um die Monopole richtet sich von einem bestimmten Punkt der Entwicklung ab nicht mehr auf ihre Zerstörung, sondern er geht um die Verfügungsgewalt über ihre Erträge, um den Plan, nach dem Last und Nutzen verteilt werden sollen, um den Verteilungsschlüssel.

Die Verteilung selbst, die Aufgabe des Monopolherrn und der Monopolverwaltung wird aus einer privaten zu einer öffentlichen Funktion.

Die Zentralfunktionäre sind in diesem ganzen Geflecht nun Abhängige wie alle anderen.
Es bilden sich Institutionen zur Kontrolle. Und die Verfügung über das Monopol (Besetzung der Schlüsselposition) selbst, entscheidet sich nicht durch einen monopol-freien Konkurrenzkampf sondern durch regelmäßig wiederkehrende Ausscheidungskämpfe ohne Waffengewalt, die von dem Monopolapparat geregelt werden, durch monopolistisch 'gebundene' Konkurrenzkämpfe.

Es bildet sich das, was wir ein 'demokratisches Regime' nennen. Dieses ist nicht mit dem Vorhandensein von Monopolen schlechthin unvereinbar, sondern es hat selbst geradezu den Bestand von hoch organisierten Monopolen zur Voraussetzung.

Es kann nur entstehen unter bestimmten Voraussetzungen, bei einem bestimmten Aufbau des gesamten gesellschaftlichen Feldes und erst in einer sehr fortgeschrittenen Phase der Monopolbildung dauerhaft funktionieren (S. 157).


Die zwei Phasen im Ablauf eines Monopolmechanismus:

Erstens die Phase der freien Konkurrenz, Ausscheidungskämpfe mit der Tendenz zur Akkumulation von Chancen in immer weniger und schließlich in einer Hand, die Phase der Bildung des Monopols.

Zweitens die Phase in der die Verfügungsgewalt über die zentralisierten und monopolisierten Chancen dazu tendiert aus den Händen Einzelner in die einer immer größeren Anzahl überzugehen und schließlich zu einer Funktion des ganzen Menschengeflechts als einem Ganzen zu werden, die Phase, in der aus einem relativ 'privaten' ein 'öffentliches' Monopol wird (S. 157). In diese zweite Phase können nur Gesellschaften mit sehr reicher und steigender Funktionsteilung kommen.

Zusammenfassung:

Ausgang ist eine Situation in der eine ganze Schicht über unorganisierte Monopolchancen verfügt. Die Verteilung wird hier durch freien Kampf und offene Gewalt entschieden. Sie strebt einer Situation zu, in der Monopolchancen zentral organisiert und durch Kontrollinstitutionen gesichert ist und die Verteilung der Monopolerträge nach einem Plan erfolgt, der nicht am Interesse Einzelner sondern am Kreislauf der arbeitsteiligen Prozesse selbst, am Ineinanderarbeiten aller funktionsteilig verbundener Menschen orientiert ist (S. 158).

Die wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe unserer Tage, haben selbst den bereits festen Bestand von weit fortgeschrittenen Monopolbildungen zur Voraussetzung. Der Kampf um wirtschaftliche Chancen ist auf Mittel der 'wirtschaftlichen' Gewalt beschränkt.
-o-o-o-
2007: Oder ? Was geschieht im (mit dem) Irak?
Ach ja. Demokratisierung!

20070505

Klassenkampf Korporatismus Institutionalisierung sk-24

Der moderne soziale Konflikt hat es mit Bürgerrechten für alle in einer Welt zunehmender vielfältiger und reicher Wahlchancen zu tun.

Der Konflikt ist in sozialen Zugehörigkeiten begründet, erscheint in einer Vielfalt von Gestalten (kulturelle Bindungen, historische Situationen) und wird in der politischen Arena ausgetragen.
-o-o-o
Quelle: Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf, Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch, Exzerpt: transitenator
-o-o-o
Lipset übernahm den Begriff des 'demokratischen Klassenkampfes'(1959) von Anderson und Davidson (1943). "In jeder modernen Demokratie findet der Konflikt zwischen verschiedenen Gruppen Ausdruck in politischen Parteien, die grundsätzlich eine demokratische Übersetzung des Klassenkampfes repräsentieren..." und verallgemeinert, dass Parteien entweder auf den unteren oder den mittleren und oberen Klassen beruhen. Politische Parteien, Wahlen und Parlamente machen Konflikte ohne Revolution möglich.

Raymond Aron sprach nicht von Klassenkampf sondern von gesunder Rivalität und betonte, dass Demokratie bedeutet "Konflikte zu akzeptieren, nicht um sie zu befrieden, sondern um ihren gewaltsamen Ausbruch zu vermeiden".

Dahrendorf: Es hat seinen guten Sinn zu unterscheiden zwischen den großen Kämpfen für Anrechte, insbesondere für Bürgerrechte, und der Forderung nach einer schrittweisen Umverteilung für diejenigen, die bereits den Status voller Bürger genießen. Es bleibt sinnvoll, am Klassenbegriff festzuhalten.

Theodor Geiger ging in seiner 'Klassengesellschaft im Schmelztiegel' vom Fortschritt der Wirtschaftsdemokratie aus. Kapital und Arbeit standen einander ursprünglich unversöhnlich gegenüber; dann aber Organisation der Wechselbeziehungen. Verhandlungen über Löhne, Arbeitsbedingungen, Schlichtung von Gegensätzen.

Die Spannung zwischen Kapital und Arbeit wurde als legitimes Prinzip des Arbeitsmarktes anerkannt. Geiger nennt diesen Prozess die 'Institutionalisierung des Klassengegensatzes'.

Für die Nachkriegsgeneration ist das vertraut: zwei politische Gruppierungen die um die Mehrheit ringen. Die eine Partei ist eher reformerisch, die andere eher konservativ, die eine eher Anrechtspartei, die andere eher eine Angebotspartei. Varianten des demokratischen Klassenkampfes in den verschiedenen europäischen Ländern.

Diese Entwicklungen führten zu theoretischen Extrapolationen. In den USA hat Joseph Schumpeters Anwendung der ökonomischen Theorie auf die Politik Anhänger gefunden. Mit Hilfe von Kenneth Arrows Theorien sozialer Wahlentscheidungen (social choice) wurde eine ökonomische Theorie der Demokratie entwickelt, die vom nahezu totalen Opportunismus politischer Parteien ausgeht.

Politische Führer und ihre Organisationen sind demnach nur Unternehmer und Unternehmen, die in einem besonderen Markt operieren, und deren Erfolg in Stimmen gemessen wird.

Meinungsforschung tritt dann hier an die Stelle von Ideologien. Politik reduziert sich auf die Konkurrenz um Stimmen. Wo die Einbindung in Gruppensolidaritäten - in Klassen - fehlt, gibt es nur noch Einzelthemen.

Deren Verbindung ist dann nur eine Frage des praktischen Nutzens (möglichst viele Stimmen zu bekommen).

Diese Theorie ist eine Überzeichnung als Beschreibung wirklicher Prozesse. Sogar in den USA wo die Politik seit langem von ökonomischen Themen beherrscht wird. Diese Theorie bekommt wichtige Nebenwirkungen der Bändigung des alten Klassenkonflikts nicht in den Griff und übertreibt die Stabilität der neuen Situation.

In Theodor Geigers Analyse kündigt sich eine dieser Nebenwirkungen an. Er beschrieb die Institutionalisierung des Klassengegensatzes und formuliert die These, dass diejenigen, die ihre Gegensatzbeziehung institutionalisiert haben, dieser damit nicht nur den Stachel genommen, sondern zugleich ein Kartell gebildet haben, um ihre gemeinsamen Interessen zu verteidigen.

Die Kontrahenten streiten zwar um die Verteilung des Kuchens, aber sie sind sicher, dass es ihr Kuchen ist, den sie verteilen. Daher sind diejenigen, die dem Kartell nicht angehören die eigentlichen Opfer.

Geiger hatte Schwierigkeiten diese Opfer zu identifizieren (Elend wächst bei Distanz von Einkommensbeziehern zur Güterproduktion). Dahrendorf meint es hätte Geiger geholfen den Gedanken der 'Disparitäten der Lebensbereiche' schon gekannt zu haben. Hier wird argumentiert, dass wichtige neue Konflikte nicht so sehr ganze soziale Gruppen oder Kategorien wie Aspekte des Lebens aller betreffen.

Umweltverschmutzung z.B. führt zur Forderung nach Aktion bei Menschen, die in anderen Hinsichten unterschiedliche Meinungen haben. Das ist die Basis einer themen- und nicht klassenbezogenen Politik.

Geigers Analyse verweist andererseits auf den Korporatismus als einer Entwicklung der Institutionalisierung oder Demokratisierung des Klassenkampfes.

Die Grundlage des demokratischen Klassenkampfes heißt Organisation und die Methode heißt Konsens.

Menschen handeln nicht als einzelne (auch in dieser Hinsicht reicht die ökonomische Theorie der Demokratie nicht zu) sondern als Mitglieder von Parteien, Gewerkschaften, Verbänden von mancherlei Art.

Der Kampf ist in Wirklichkeit kein Kampf. Es ist hier ein vielfach verschachteltes Kartell von Organisationen. Diese entwickeln immer neue Verfahren, um ihre Sonderinteressen in den politischen Prozess einzubringen.

Sie haben ein gemeinsames Interesse den Kuchen unter Kontrolle zu halten. Das ist ein Angebotskuchen, dahinter liegt die Kontrolle der Macht durch Arrangements zwischen allen Anrechtsträgern.

Das Risiko der korporatistischen Perversion des demokratischen Klassenkampfes liegt darin, dass sie Starre an Stelle von Bewegung hervorbringt.

Der Korporatismus geht nur allzu leicht eine Verbindung mit der Bürokratie ein, und beide rauben der Verfassung der Freiheit ihren Lebenskern, nämlich die Fähigkeit Wandel ohne Revolution hervorzubringen.

Der Korporatismus nimmt das Leben aus dem demokratischen Prozess, Arrangements treten an die Stelle von Debatten, Konsens nimmt den Platz des Konflikts ein. Ein breiter Konsens über Spielregeln und Inhalte herrscht vor. Für die überwiegende Mehrheit ist es im Grunde genommen nicht mehr sehr wichtig, welche der Parteien des großen Konsens' regiert.

Dahrendorf: Klassen sind Kategorien, deren Mitglieder eine gleichartige Stellung in Herrschaftsstrukturen haben. Sie sind entweder am Ruder oder nicht und stehen in einer Konfliktbeziehung zueinander. Solche Konflikte werden politisch virulent, wenn es bei ihnen um Anrechte geht. Die Geschichte des Bürgerstatus ist zugleich die Geschichte des Klassenkonflikts.

Gleichheit vor dem Gesetz durch Kampf der Bourgeoisie. Soziale Bürgerrechte? Diese Rechte sind nirgendwo in der OECD-Welt wirklich allgemein garantiert. Vielmehr gibt es neue Anrechtsfragen. In den 60er und 70er Jahren hat eine große historische Kraft des Wandels ihre Energie verloren, weil das Prinzip, das sie etablieren wollte, weithin akzeptiert worden ist (S. 168).
-o-o-o
Quelle: Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf, Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch, Exzerpt: transitenator
-o-o-o
Der Bürgerstatus ist der Schlüssel zu diesem Prozess. In dem Augenblick, in dem die große Mehrheit der Menschen in den OECD-Gesellschaften zu Bürgern im vollen Sinn des Begriffs geworden war, nahmen soziale Ungleichheiten und politische Gegensätze eine neue Gestalt an. Eine neue Solidarität entstand, die vier Fünftel der Mitglieder der Gesellschaft umfasst.

Die neue Klasse ist die Mehrheitsklasse (S. 169).

misterlinker

backlinksite

stats

BlogCatalog News

twittercounter

TwitterCounter for @transitenator

twitter updates

BC Neighbors

Blogger:

Mein Bild
Bad Goisern @ HallstaetterSee, Upper Austria, Austria
Austrian Blogger Stumbler Digger Social Networker Promoter etc-
Powered By Blogger

  © Blogger template Brooklyn by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP