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20070715

Pazifizierung Gewalt tz-23

Ein ganzes Hebelwerk von Verflechtungszwängen führt in vielen Jahrhunderten eine allmähliche Veränderung des Verhaltens über unseren Standard hinaus. Unsere Art des Verhaltens, unser Stand der Zwänge, Gebote und Ängste ist keineswegs etwas Endgültiges, geschweige denn ein Gipfelpunkt.

Da ist die stete Kriegsgefahr.
Kriege sind, um es noch einmal mit anderen Worten zu sagen, nicht nur das Gegenteil des Friedens.
Kriege gehören zu den unvermeidlichen Stufen und Instrumenten der Pazifizierung.

Die Empfindlichkeit des Gesellschaftsaufbaues und das Risiko und die Erschütterung für alle Beteiligten, die kriegerische Entladungen mit sich bringen, sind umso größer, je weiter die Funktionsteilung gedeiht, je größer die wechselseitige Abhängigkeit der Rivalen wird.
Daher spürt manfrau in unserer eigenen Zeit eine wachsende Neigung, die weiteren zwischenstaatlichen Ausscheidungskämpfe durch andere, weniger riskante und gefährliche Gewaltmittel auszutragen. (S. 452).

Hinter den Spannungen der Erdteile, sieht manfrau schon die Spannungen der nächsten Stufe auftauchen. Manfrau sieht die ersten Umrisse eines erdumfassenden Spannungssystems von Staatenbünden, von überstaatlichen Einheiten verschiedener Art, Vorspiele von Ausscheidungs- und Vormachtkämpfen über die ganze Erde hin, Voraussetzung für die Bildung eines irdischen Gewaltmonopols, eines politischen Zentralinstituts der Erde und damit auch für deren Pazifizierung (S. 452).

Nicht anders steht es mit den wirtschaftlichen Kämpfen. Auch die freie, wirtschaftliche Konkurrenz, ist nicht nur das Gegenteil einer monopolistischen Ordnung. Sie drängt ebenfalls ständig über sich hinaus zu diesem, ihrem Gegenteil hin.

Auch von dieser Seite her betrachtet ist unsere Zeit alles andere als ein totaler End- und Gipfelpunkt.

Unsere Zeit ist voll von unausgetragenen Spannungen, von unabgeschlossenen Verflechtungs-prozessen, deren Dauer kaum einsichtig, deren Gang im einzelnen nicht voraussehbar und nur deren Richtung bestimmt ist: die Tendenz zur Beschränkung und Aufhebung der freien Konkurrenz oder was das gleiche sagt, des unorganisierten Monopolbesitzes allmählich zu einer gesellschaftlichen und öffentlich kontrollierbaren Funktion wird (S: 453).

Hier kündigen sich bereits die Spannungen der nächsten Stufe an, die Spannungen zwischen den höheren und mittleren Funktionären der Monopolverwaltung, zwischen der 'Bürokratie' auf der einen Seite und der übrigen Gesellschaft auf der anderen Seite (S. 453).

Erst wenn sich diese zwischenstaatlichen und innerstaatlichen Spannungen ausgetragen haben und überwunden sind, werden wir mit besserem Recht von uns sagen können, dass wir zivilisiert sind (Anm.: Wenn wir überlebt haben).

Erst mit den Spannungen zwischen den Menschen, mit den Widersprüchen im Aufbau des Menschengeflechts können sich die Spannungen und Widersprüche in den Menschen mildern.
Dann erst kann es die Regel sein, dass der Mensch jenes optimale Gleichgewicht seiner Seele findet...Einklang zwischen seinen gesellschaftlichen Aufgaben, den gesamten Anforderungen seiner sozialen Existenz auf der einen Seite und seinen persönlichen Neigungen und Bedürfnissen auf der anderen...

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20070621

Ludwig XIV Adel Absolutismus Hof zt-64

Beim Aufstand der 'Fronde' ist Ludwig der XIV. noch minderjährig. Die Regentschaft der Königin wird ausgeübt durch den Kardinal Mazarin. Die Fronde ist eine Art von sozialem Experiment. Das Bild dieses Aufstandes zeigt, wie gespannt die Beziehungen zwischen allen diesen Gruppen waren.

Jede dieser Gruppen will die Königsmacht schmälern; aber jeder will es zu seinen Gunsten; jeder von ihnen fürchtet zugleich, die Macht eines anderen könne sich vergrößern. Schließlich stellt sich das- auch dank der Geschicklichkeit Mazarins- alte Gleichgewicht wieder her. Ludwig XIV. hat die Lehre dieser Tage nicht vergessen. Er sorgte für die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts (S. 265).}

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Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten, Gestaltung & Anmerkungen: Transitenator
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Die Könige setzen sich (nachdem der Adel genügend geschwächt war) wieder zugunsten des Adels ein. Sie sichern den Bestand des Adels, als einer gehobenen Schicht vor dem andrängenden Bürgertum, um das Spannungsgleichgewicht zu erhalten.

Der Adel hat Steuerfreiheit aber trotzdem ein eher beschränktes Leben. Die Gerichte sind mit Bürgerlichen besetzt. Die Könige halten an der Bestimmung fest, dass ein Adeliger der Kaufmann wird, seine Adelstitel ablegen und auf seine Adelsvorrechte verzichten muss.

Damit ist dem Adel der einzige unmittelbare Weg zu Wohlstand verschlossen. Allenfalls indirekt durch Heirat. Wenn er allerdings am Hofe eine neue Monopolstellung erlangt, ermöglicht ihm diese eine standesgemäße und repräsentative Lebensführung und bewahrt ihn vor bürgerlichen Tätigkeiten.

Die Hofämter, die vielen Ämter des königlichen Haushalts werden dem Adel vorbehalten. Damit finden viele bezahlte Stellen; auch die Nähe zum König gibt diesen Stellen ein hohes Prestige. Und so hebt sich aus dem Gros des ländlichen Adels eine Adelsschicht heraus, die den bürgerlichen Spitzenschichten an Glanz und Einfluss die Waage halten kann, der höfische Adel. Die Hofämter werden zu einem Monopol des Adels (S. 267).

Diese Besetzung der Hofämter ging genauso wenig nach dem Plan eines einzelnen Königs vor sich, wie die Besetzung der anderen Staatsämter mit Bürgerlichen.
Es sind zuerst käufliche Positionen (Eigentum des Inhabers), die der Inhaber eines Amtes nur mit der Einwilligung des Königs ausüben darf. Dann gewinnt die Besetzung der Ämter durch Gunst die Oberhand. Auch der dritte Stand dringt in diese Hofämter und in die militärischen Posten (S. 268).

Das Verhältnis der Königsfunktion zur Funktion des Adels ist ambivalent. Könige (z.B. Heinrich IV. , Richelieu und andere Nachfolger) müssen sich selbst sichern und zwar sie müssen den Adel von allen Stellen, die einen politischen Einfluss geben, nach Möglichkeit fernhalten und sie müssen zugleich den Adel als einen selbständigen, sozialen Faktor im gesellschaftlichen Gleichgewicht erhalten.

Das Doppelgesicht des absolutistischen Hofes entspricht genau diesem zwiespältigen Verhältnis von König und Adel. Dieser Hof ist ein Instrument zur Beherrschung des Adels und gleichzeitig ein Instrument zu seiner Versorgung (S. 268).


Ein Bild der sinkenden Schicht zeigt der Adel unter Ludwig XIII. 1627 in dem Gesuch: 'Requestes et articles pour la rétablissement de la Noblesse'.
Von einer Fülle von Forderungen erfüllt sich nur eine: Die Hofämter werden dem Bürgertum verschlossen und dem Adel vorbehalten (war auch eine Empfehlung in Richelieu's Testament). Alle anderen Forderungen bleiben unerfüllt.

{In den deutschen Territorien hingegen suchen und erhalten Adelige neben den militärischen immer auch Verwaltungs- und Gerichtsämter. Die meisten höheren Staatsämter bleiben hier geradezu ein Monopol des Adels. Hier halten sich gewöhnlich Adlige und Bürgerliche innerhalb vieler Staatsämter nach einem genauen Verteilungsschlüssel die Waage.}

Ludwig XIV. hat dann die Zugangsmöglichkeiten zu solchen Hofämtern auf äußerste verengt.
Der Hof als Versorgungsanstalt für Adlige auf der einen Seite, als Beherrschungs- und Zähmungsanstalt der alten Kriegerschicht auf der anderen.

Das ungebundene, ritterliche Leben ist endgültig vorbei. Für den Gros des Adels verknappt sich von nun an nicht nur die wirtschaftliche Grundlage, sondern auch sein Wirkraum und sein Lebenshorizont wird enger. Er bleibt mehr oder weniger auf seinen Landsitz beschränkt.
Auch im Kriege kämpft er nicht mehr für sich als freier Ritter, sondern in einer strenger geregelten Ordnung als Offizier. Es bedarf eines besonderen Glücksfalles oder besonderer Beziehungen dieses ländlichen Adels um in den Kreis des höfischen Adels zu gelangen (S. 272).

Der Aufbau Versailles entspricht den beiden in einander verschlungenen Tendenzen des Königtums, der Aufgabe, Teile des Adels zu versorgen und sichtbar herauszuheben, wie der anderen, ihn zu beherrschen und zu zähmen in vollkommener Weise.
Der König gibt, aber er verlangt Gehorsam. Er lässt den Adel seine Abhängigkeit von dem Geld und den anderen Chancen, die er zu verteilen hat, ständig fühlen.

Diese Neigung, alles, was vorgeht, ganz genau zu überwachen, ist nicht wenig charakteristisch für den Aufbau dieser Königsherrschaft. In ihr kommen die starken Spannungen zum Ausdruck, die der König beobachten und bewältigen muss, um seine Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Ludwig XIV.: Die Kunst der Regierung besteht darin, dass man die wirklichen Gedanken aller Prinzen Europas kennt, dass man alles weiß, was die Menschen vor uns verbergen wollen, ihre Geheimnisse, und sie genau überwacht (S. 273).

Das ist sehr charakteristisch für den eigentümlichen Aufbau der Gesellschaft, der eine Einherrschaft möglich macht, diese Notwendigkeit alles möglichst genau zu überwachen, was in dem Herrschaftsbereich des Zentralherrn vor sich geht.

Diese Notwendigkeit ist ein Ausdruck für die Spannungen und die große Labilität der sozialen Apparatur.

Das starke Spannungsgleichgewicht der zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen, die sich annähernd die Waage halten ist gewiss nicht von irgendeinem König geschaffen worden. Aber wenn sich diese Konstellation einmal hergestellt hat, dann ist es für den Zentralherrn lebenswichtig, sie in ihrer ganzen Labilität aufrechtzuerhalten.
Diese Aufgabe aber erfordert eine möglichst genaue Überwachung der Untertanen (S. 274).

Auch einer der Gründe für den Bau von Versailles: Gelegentliche Unruhe unter den Massen. Noch aber ist die Arbeitsteilung nicht so weit fortgeschritten, dass der Druck der Bevölkerung der größte Druck wäre. Die gefährlichsten Rivalen des Königs sind in seinem engsten Kreis (S. 275).

Diese gefährlichsten Rivalen sind die Mitglieder des Königshauses selbst.

Schon oben ist gezeigt worden, wie sich allmählich im Zuge der Monopolbildung der Kreis der Menschen, die miteinander um Herrschaftschancen konkurrieren können auf die Mitglieder des Königshauses selbst beschränkt (S. 275). Unter Ludwig XIII. sind zentrifugale Tendenzen noch spürbar. Richelieu hat schließlich alle diese Kämpfe gewonnen, nicht zuletzt mit Hilfe des Bürgertums und der überlegenen finanziellen Mittel, die es ihm liefert. Ludwig XIV. steckt das Gefühl der Bedrohung in Fleisch und Blut. Der Hof ist für ihn eine Überwachungsanstalt. Fernbleiben macht misstrauisch

Damit haben die Herrschaftsmonopole, zentriert um die Monopole der Steuern und der körperlichen Gewalt, für eine bestimmte Stufe, nämlich als Monopole eines Einzelnen, ihre vollendete Form gefunden.

Aus dem Boden besitzenden und Boden oder Naturalrenten vergebenden König ist ein Geld besitzender und Geldrenten vergebender König geworden: Das gibt der Zentralisierung eine bisher unerreichte Stärke und Festigkeit.

Die Kraft der zentrifugalen, gesellschaftlichen Kräfte ist endgültig gebrochen. Alle möglichen Konkurrenten des Monopolherrn sind in eine institutionell gesicherte Abhängigkeit von ihm gebracht. In monopolistisch gebundener Konkurrenz kämpft nun der höfische Adel miteinander um Chancen, die der Monopolherr zu vergeben hat und dieser höfische Adel steht dabei unter dem Druck einer Reservearmee von ländlichen Adligen und von aufsteigenden bürgerlichen Elementen. Der Hof ist die Organisationsform dieses gebundenen Konkurrenzkampfes (S. 277).

Aber trotz der Größe der persönlichen Verfügungsgewalt über die monopolisierten Chancen, sie ist alles andere als unumschränkt. Es zeichnen sich bereits die Strukturelemente ab, die schließlich dazu führen, dass aus dieser persönlichen Verfügung eines Einzelnen über die Monopole, mehr und mehr eine öffentliche Verfügung, eine Verfügung unter der Kontrolle immer weiterer Teile des arbeitsteiligen Ganzen wird.

Für Ludwig XIV. gilt noch: "L'Etât c'est moi". Der Staat bin ich.

Institutionell hat die Monopolorganisation noch in beträchtlichem Maße den Charakter eines persönlichen Besitztums. Funktionell aber ist die Abhängigkeit des Monopolherrns von anderen Schichten außerordentlich stark und diese funktionelle Abhängigkeit wächst je weiter die Handels- und Geldverflechtung der Gesellschaft fortschreitet.
Nur durch das Spannungsgleichgewicht (aufsteigende Bürgerliche-schwächer werdender Adel) behält der Zentralherr seinen Entscheidungsspielraum. Das gewaltige Menschengeflecht über das Ludwig XIV. herrscht, hat seine eigene Gesetzlichkeit und sein eigenes Schwergewicht, denen er sich fügen muss.

Die Möglichkeit des Zentralfunktionärs, das ganze Menschengeflecht in seinem persönlichen Interesse zu steuern beschränkt sich erst dann, wenn das Spannungsgleichgewicht auf dem er balanciert, zugunsten des Bürgertums umkippt und sich eine neue Gesellschaftsbalance mit neuen Spannungsachsen herstellt.
Erst damit beginnen auch institutionell aus den persönlichen Monopolen öffentliche Monopole zu werden. In einer allmählichen Zentralisierung der physischen Gewaltmittel und der Steuerabgaben, im Zusammenhang mit einer immer stärkeren Funktionsteilung und mit dem Aufstieg berufsbürgerlicher Schichten organisiert sich die französische Gesellschaft Schritt für Schritt in der Form eines Staates (S. 279).

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20070601

Konkurrenzkampf Monopolbildung zt-53

Was Menschen des 20. Jahrhunderts beim Rückblick im Auge behalten müssen ist die Tatsache, dass gesellschaftliche Funktionen, die sich in der neueren Zeit differenziert haben, in dieser früheren Phase noch mehr oder weniger ungesondert sind.

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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In der gesellschaftlichen Position des großen Feudalherren, des Fürsten vereinigte sich die Funktion des reichsten Mannes, des Besitzers der größten Produktionsmittel seines Gebietes, mit der Funktion des Herrschenden, des Besitzers der militärischen Verfügungsgewalt und der Jurisdiktion. Funktionen, die heute arbeitsteiligen Gruppen repräsentieren, wie etwa die Funktion eines Großgrundbesitzers und die Funktion eines Regierungsoberhauptes bilden hier noch untrennbar verbunden eine Art von Privatbesitz.

Das hängt damit zusammen, dass in dieser natural-wirtschaftenden Gesellschaft der Boden, in der späteren Gesellschaft hingegen das Geld (als Inkarnation der Funktionsteilung) das wichtigste Produktionsmittel bildet.

Es hängt aber nicht weniger damit zusammen, dass in der späteren Phase das Schlüsselstück jedes Herrschaftsmonopols, das Monopol der körperlichen, der militärischen Gewaltausübung, über größere Gebiete hin eine feste und stabile gesellschaftliche Institution bildet, während es sich in der vorangehenden Phase durch jahrhundertelange Kämpfe hindurch erst langsam entwickelt und zwar zunächst in der Form eines privaten, eines Familienmonopols.

Wir sind gewohnt zwei Sphären, Wirtschaft und Politik und zwei Arten von gesellschaftlichen Funktionen, wirtschaftliche und politische Funktionen voneinander zu unterscheiden.
Nichts ist weniger selbstverständlich.

Für alle naturalwirtschaftlichen Kriegergesellschaften (nicht nur für sie) ist das Schwert ein sehr nahe liegendes, ein unentbehrliches Mittel zum Erwerb von Produktionsmitteln und die Gewaltandrohung ein unentbehrliches Mittel der Produktion.

Erst wenn die Funktionsteilung sehr weit vorangetrieben ist, erst wenn sich als Resultat langer Kämpfe eine spezialisierte Monopolverwaltung heran gebildet hat, erst dann können sich Konkurrenzkämpfe um Konsumtions- und Produktionsmittel unter weitgehender Ausschaltung von körperlicher Gewaltandrohung vollziehen und erst dann existiert eine 'Wirtschaft' und 'Politik'.

Eine Konkurrenzsituation, bzw. Konkurrenzbeziehung stellt sich überall dort her, wo sich mehrere Menschen um dieselben Chancen bemühen, wo mehr Nachfragende vorhanden sind, als Chancen zur Befriedigung der Nachfrage, die Verfügung über diese Chancen mag in der Hand von Monopolisten sein oder nicht.

Die 'freie Konkurrenz' ist dadurch charakterisiert, dass sich hier die Nachfrage Mehrerer auf Chancen richtet über die noch nicht jemand verfügt, der außerhalb des Konkurrenzspielraums der Rivalisierenden steht.

Ein freier Konkurrenzkampf entsteht beispielsweise dann auch, wenn sich unter mehreren, die interdependent sind, Böden und kriegerische Chancen so gleich verteilen, dass niemand von ihnen unzweideutig der Chancenreichste, der gesellschaftlich Stärkste ist, also in jener Phase der Beziehungen zwischen feudalen Kriegerhäusern oder zwischen Staaten, in der keiner dem Rivalitätsspielraum der anderen entwachsen ist, also noch kein zentralisiertes Herrschaftsmonopol besteht.

Ein freier Konkurrenzkampf entsteht ebenso, wenn sich Geldchancen unter viele, interdependent Verbundene in dieser Weise relativ gleichmäßig verteilen; und hier wie dort wird der Kampf um so intensiver, je mehr die Bevölkerung, je mehr die Nachfrage nach solchen Chancen wächst, wenn nicht zugleich auch diese Chancen selbst wachsen (S. 207).

In den Kämpfen der feudalen Kriegerhäuser wirken beide Arten der Kampfmittel, beide Formen der Gewalt (körperlich-kriegerische und wirtschaftliche) noch, ziemlich ungetrennt voneinander, zusammen. Freie Konkurrenzkämpfe einer größeren Anzahl von Rivalen führen zu einer immer kleineren Anzahl von Rivalen.

Das gesellschaftliche Phänomen der Monopolbildung ist nicht auf Prozesse beschränkt, an die man heute denkt, wenn von Monopolbildung die Rede ist.

Die Akkumulation von Besitzchancen stellt nur einen historischen Schub von Monopolbildungen unter vielen anderen dar.

Funktionsgleiche Prozesse, also Tendenzen zu einem Aufbau des menschlichen Beziehungsgeflechts, bei dem einzelne Menschen oder Menschengruppen durch mittelbare oder unmittelbare Gewaltandrohung den Zugang anderer zu bestimmten, umworbene Chancen beschränken und regeln können.
Solche Prozesse treten in mannigfacher Gestalt und an verschiedenen Stellen der Menschheitsgeschichte auf (S. 208).

Für alle Beteiligten steht ihre soziale Existenz auf dem Spiel und das ist das Zwingende an diesen Kämpfen.
Das macht diese Kämpfe unvermeidlich und unentrinnbar.

Ist eine Gesellschaft in eine Bewegung dieser Art geraten, dann steht in der noch monopolfreien Sphäre jede soziale Einheit immer vor der gleichen Alternative: entweder:
besiegt zu werden (Gefangenschaft, Not, materielle Not, soziales Absinken, Verlust der gesellschaftlichen Selbständigkeit, Übergang in abhängige Positionen, Aufgehen in einem größeren gesellschaftlichen Komplex und damit Zerstörung dessen was zunächst einmal für ihr Bewusstsein ihrem Leben Sinn, Wert und Dauer gab)
oder sie können siegen.

Aber dieser Sieg bedeutet über kurz oder lang die Gegenüberstellung und Auseinandersetzung mit einem Rivalen der neuen Größenordnung. Die bloße Erhaltung der sozialen Existenz erfordert in der Situation der freien Konkurrenz immer zugleich deren Vergrößerung.

Der Gewinn des Einen ist hier notwendigerweise der Verlust des Anderen. (S. 208).

Wird eine bestehende soziale Existenz zerstört, so wird all das was in ihren Augen ihrem Leben Sinn und Glanz gibt, die Selbständigkeit ihrer Herrschaft, die unabhängige Verfügungsgewalt über ihren Hausbesitz, ihre Ehre, ihr Rang ihr gesellschaftliches Ansehen vernichtet.

Die Rivalitäten treiben langsamer oder schneller auf eine neue gesellschaftliche Ordnung, auf eine Monopolordnung voran und an die Stelle der monopolfreien Konkurrenzkämpfe treten monopolistisch gebundene Konkurrenzkämpfe.

Erst mit der Bildung solcher Monopole stellt sich schließlich auch die Möglichkeit zur Lenkung der Chancenverteilung unter den aneinander gebundenen Menschen ein. Diese Vormachtbildung bedeutet den sozialen Untergang als selbständige, soziale Einheiten (S. 211).

In der kapitalistischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und vor allem des 20. Jahrhunderts tritt der allgemeine Drang zu einer wirtschaftlichen Monopolbildung deutlich in Erscheinung, gleichzeitig eine analoge Tendenz zur Vormachtbildung im Wettstreit der Staaten (S. 211).

Anfangs des 16. Jahrhunderts stehen einander das Habsburger Kaiserhaus und das Haus der französischen Könige gegenüber, jetzt als Rivalen einer ganz neuen Größenordnung.

Sie ringen miteinander um die Chancen und die Vormacht in einem noch größeren Gebiet, für das noch kein Herrschaftsmonopol besteht, also als freie Konkurrenten.
Und die Rivalität zwischen ihnen wird für geraume Zeit zu einer Hauptachse des werdenden europäischen Spannungssystems.

Das französische Herrschaftsgebiet ist beträchtlich kleiner als das Hausgebiet der Habsburger, aber es ist erheblich stärker zentralisiert und es ist vor allem geschlossener, nämlich militärisch durch 'natürliche Grenzen' besser geschützt (S. 218).

Hegemonie Monopol Staatenbildung zt-51

Wichtig der Unterschied zwischen den beiden Fragestellungen zu unterscheiden, einmal dem allgemeinen Problem der Monopol- und Staatenbildung und andererseits der spezielleren Frage, warum gerade ein bestimmtes Kriegerhaus die Hegemonie gewann. Dieser Unterschied ist im Auge zu behalten.

Es ist immer ein Haus, eine Familie als gesellschaftliche Einheit, die sich durchsetzt, nicht ein Einzelner. Um 1032 war das Gebiet 'Frankreichs' in größere und kleiner Territorialherrschaften aufgespalten. Aber die Chancen der kleineren Feudalhäuser sind nicht sehr groß. Das tritt im Laufe des 11. Jahrhunderts zutage.

Es gibt Kämpfe zwischen den Fürstenhäusern um die Vormacht innerhalb eines größeren Gebietes. Der Verflechtungsmechanismus des freien Konkurrenzkampfes treibt sein Spiel von nun ab innerhalb eines beschränkteren Kreises, nämlich unter denjenigen Kriegerfamilien, die zu Zentralhäusern eines Territoriums geworden sind (S. 163).

Elias beschreibt nun die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft auf den Gebieten Frankreichs und Englands. In Frankreich das Haus der Herzöge von Francien, die Kapetinger. England: Wilhelm der Eroberer,.sein Haus sind die Plantagenets. Anfangs des 12. Jahrhunderts unter Ludwig VI. Eroberungen und Gegeneroberungen.

Überall versuchen die Einheiten zweiter Stärke einen Block gegenüber jener Einheit zu bilden, die durch Zusammenschluss vieler Gebiete der Vormachtstellung am nächsten ist; eine Blockierung provoziert die andere; wie lange das Spiel auch hin und her geht, das System als Ganzes tendiert zum festeren Zusammenschluss immer größerer Gebiete um ein Zentrum zur Konzentrierung der wirklichen Entscheidungsgewalt bei immer weniger Einheiten und schließlich in einem einzigen Zentrum (S. 169).

Die einzelnen Herrschaftsgebilde hatten noch keine sehr große Festigkeit; sie waren Privatunternehmungen und wie diese unterworfen den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten des Konkurrenzkampfes.

In dieser Zeit (Ende des 12. Jahrhunderts) handelt es sich noch nicht um Kämpfe zwischen Staaten oder Nationen (es gibt unverständlich bleibende Bildungsgeschichten von 'Staaten' oder 'Nationen'). Vielmehr handelt es sich hier um einen Kampf konkurrierender oder rivalisierender Fürstenhäuser, die zunächst als kleine dann als immer größere Einheiten zur Expansion treiben (S. 172).

In diesem beständigen Ringen verschwindet ein Fürstenhaus nach dem anderen. Die Integrierung oder der Zusammenschluss von Gebieten, bedeutet in erster Linie die Besiegung eines Kriegerhauses durch ein anderes, also das Aufgehen des einen im anderen oder bestenfalls seine Unterwerfung, seine Abhängigkeit von dem Sieger (S. 178).

Am Anfang des 14. Jahrhunderts Aussterben der Kapetinger. Im 14. Jahrhundert stellen die vielen Kriegerhäuser einzeln keine Macht mehr dar die zählt. Die eigentliche Initiative liegt bei ganz wenigen Kriegerhäusern, die als vorläufige Sieger aus den bisherigen Ausscheidungskämpfen hervorgegangen sind, und die soviel Boden akkumuliert haben, dass alle andere Kriegerhäuser sich nicht mehr mit ihnen zu messen vermögen, sondern nur in Abhängigkeit von ihnen handeln können.

Dem Gros der Krieger bleibt nun der soziale Aufstieg im großen und ganzen verschlossen. Die Zahl derer, die konkurrieren können ist immer geringer geworden. Im westfränkischen Gebiet zählen neben dem Haus von Francien nur noch 4 andere Häuser und zwischen ihnen muss sich entscheiden wer über das Herrschaftsmonopol verfügen und wo das Zentrum und Grenzen des Monopolgebietes liegen wird.

Aus einer Kriegergesellschaft mit relativ freier Konkurrenz ist eine Gesellschaft mit monopolartig beschränkter Konkurrenz geworden (S. 179).

20070531

Konkurrenz Monopolmechanismus Monopolbildung Staat zt-50

Die Gesellschaft der neueren Zeit ist durch einen ganz bestimmten Stand der Monopolbildung charakterisiert.
1. Die freie Verfügung über militärische Machtmittel ist dem Einzelnen genommen und einer Zentralgewalt vorbehalten.
2. Die Erhebung der Steuerabgaben ist in den Händen einer gesellschaftlichen Zentralgewalt konzentriert.

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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Die finanziellen Mittel die der gesellschaftlichen Zentralgewalt zufließen halten das Gewaltmonopol aufrecht, das Gewaltmonopol hält das Abgabenmonopol aufrecht. Es handelt sich um zwei Seiten der gleichen Monopolstellung.
Kurz: Steuermittel erhalten (unterstützen) das Gewaltmonopol und Gewaltmittel erhalten das Steuermonopol.

In einer sehr fortgeschrittenen Funktionsteilung der Gesellschaft bildet sich eine spezialisierte Verwaltungsapparatur dieser Monopole heraus. Und erst mit der Herausbildung dieses differenzierten Herrschaftsapparats bekommt die Verfügung über Heer und Abgaben ihren vollen Monopolcharakter.

Die sozialen Kämpfe gehen nun nicht mehr um die Beseitigung des Herrschaftsmonopols, sondern nur mehr um die Frage, wer über die Monopolapparatur verfügen soll, woher sich rekrutieren, wie Last und Nutzen verteilt werden soll.

Erst mit der Herausbildung dieses beständigen Monopols der Zentralgewalt und dieser spezialisierten Herrschaftsapparatur nehmen die Herrschaftseinheiten den Charakter von 'Staaten' an (S. 143).

Wenn diese 'Schlüsselmonopole' verfallen, verfällt der Staat.

Wie und warum kommt es zu dieser Monopolbildung?

In der Gesellschaft des 9. 10. u. 11. Jahrhunderts ist der kriegerische Erwerb von Boden der 'Privatinitiative' überlassen.
Starke Nachfrage nach Böden.
Konkurrenzkampf mit kriegerischer und wirtschaftlicher Gewalt.
(Im 19. Jahrhundert wird die Kraft der staatlichen Monopole mit den Mitteln wirtschaftlicher Gewalt geführt S. 144).

Zentrum der Bewegungen ist hier wie dort die Akkumulation des jeweils wichtigsten Produktionsmittel, hier (19. Jahrhundert) Geld, dort (9. 10. u. 11. Jahrhundert) Böden.

Mechanismus der Monopolbildung:

"Wenn in einer größeren, gesellschaftlichen Einheit viele der kleineren, gesellschaftlichen Einheiten, die die größere durch ihre Interdependenz bilden, relativ gleiche, gesellschaftliche Stärke haben und dementsprechend frei - ungehindert durch schon vorhandene Monopole- miteinander um Chancen der gesellschaftlichen Stärke konkurrieren können (also vor allem um Subsistenz- und Produktionsmittel), dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit dafür, dass einige siegen, andere unterliegen und dass als Folge davon, nach und nach immer weniger über immer mehr Chancen verfügen, dass immer mehr aus dem Konkurrenzkampf ausscheiden müssen und in direkte oder indirekte Abhängigkeit von einer immer kleineren Anzahl geraten" (S. 144).

Das Menschengeflecht nähert sich als einem Zustand, bei dem die faktische Verfügungsgewalt über die umkämpften Chancen in einer Hand liegt; es ist aus einem System mit offeneren Chancen zu einem System mit geschlosseneren Chancen geworden (S. 145).

Experiment: Bestimmte Anzahl von Menschen und bestimmte Anzahl von Chancen. Im Optimalfall verfügt dann ein Einzelner über alle Chancen und alle Anderen sind von ihm abhängig (S. 145). Es muss sich aber um einen freien, von keiner Monopolmacht beeinflussten Wettkampf handeln.

Gang und Tempo ist in hohem Maße von dem Verhältnis abhängig, in dem Nachfrage und Angebot von Chancen stehen.

Wenn an die Stelle relativ unabhängiger, gesellschaftlicher Funktionen abhängige hervortreten (z.B. statt freie Ritter höfische Ritter, dann Höflinge), (z.B. an Stelle unabhängiger Kaufleute, abhängige) dann verändert sich notwendigerweise zugleich die Affektmodellierung, der Aufbau des Triebhaushaltes und des Denkens, der ganze soziogene Habitus und die sozialen Attituden der Menschen. Sowohl bei denen, die sich einer Monopolstellung nähern als auch denen die in direkter oder indirekter Abhängigkeit sind.

Der Prozess ist keineswegs so zu verstehen als ob manche immer weniger frei und mehr gebunden werden, und andere immer freier. Es ist vielmehr eine gegenseitige Abhängigkeit, die gewachsen ist.

Das folgende gilt auch als ein Beispiel dafür, wie aus privatem Besitz eine öffentliche Funktion wird, und wie sich das Monopol eines Einzelnen schließlich vergesellschaftet (wie später dann nach der franz. Rev.).

Je mehr Menschen durch das Spiel des Monopolmechanismus in Abhängigkeit geraten, desto größer wird die gesellschaftliche Stärke zwar nicht der einzelnen Abhängigen, aber der Abhängigen als eines Ganzen im Verhältnis zu den wenigen oder dem einen Monopolisten.

Und zwar durch ihre Anzahl, dann durch die Angewiesenheit der Wenigen (die sich der Monopolstellung nähern) auf immer mehr Abhängige zur Bewahrung und Bewirtschaftung der monopolisierten Chancen. Je mehr sich in einer Hand akkumuliert, desto stärker wird er von dem Geflecht seiner Abhängigen abhängig (S. 147).

Je umfassender und je arbeitsteiliger ein Monopolbesitz wird, desto sicherer und desto ausgeprägter strebt er einem Punkt zu, bei dem der oder die Monopolherren zu Zentralfunktionären eines funktionsteiligen Apparates werden, mächtiger vielleicht als andere Funktionäre, aber kaum weniger abhängig und gebunden als sie.

Die Verfügungsgewalt (der durch Privatinitiative in Ausscheidungskämpfen akkumulierten Chancen) tendiert dazu, von einem optimalen Punkt der Besitzgröße ab den Händen der Monopolherren zu entgleiten und in die Hände der Abhängigen als eines Ganzen (oder einiger Gruppen von Abhängigen) überzugehen.
Etwa in die Verfügungsgewalt der bisherigen Monopolverwaltung. Das Privatmonopol Einzelner vergesellschaftet sich; es wird zu einem Monopol ganzer Gesellschaftsschichten, zu einem öffentlichen Monopol, zum Zentralorgan eines Staates (S. 148).

Der Staatshaushalt entwickelt sich aus dem Privathaushalt feudaler Herrschaftshäuser. Es gab da noch keine Trennung zwischen 'öffentlichen' und 'privaten' Einnahmen oder Ausgaben.

Die Einnahmen kamen zuerst aus dem Haus- oder Domanialbesitz; die Verwaltung und Verteidigung des Besitzes wird für den Einzelnen immer unübersehbarer; zunehmende Kommerzialisierung; aus dem Monopol über den Boden wird ein Abgaben- oder Steuermonopol. Darüber wird wie über persönliches Einkommen verfügt.

Dann beschränkt sich der Entscheidungsspielraum des Monopolbesitzers durch das riesige Menschengeflecht, zu dem sein Besitz geworden ist.

Die fixen Kosten des Monopolapparates werden ständig größer. Und am Ende steht er bereits unter dem Druck, unter dem Gesetz und in funktionaler Abhängigkeit von der Gesellschaft, die er beherrscht.
Seine Unumschränktheit ist jetzt nicht mehr einfach eine Konsequenz seiner monopolistischen Verfügung über Chancen, sondern die Funktion einer besonderen Aufbaueigentümlichkeit der Gesellschaft in dieser Phase. Er bekommt dann Geld des Budgets für seine Funktion.

So gut wie alle Organe der staatlichen Herrschaftsapparatur entstehen durch Differenzierung von Funktionen des fürstlichen Haushalts.
Wenn schließlich diese Herrschaftsapparatur staatlich oder öffentlich geworden ist, dann bildet der Haushalt ihrer Zentralherren bestenfalls ein Organ unter anderen darin und schließlich kaum noch das.

Das Monopol tendiert also von einem bestimmten Grad der Akkumulation dazu, der Verfügungsgewalt eines Einzelnen zu entgleiten und in die Verfügungen ganzer Gesellschaftsgruppen überzugehen.

Oft zunächst in die Gewalt der früheren Herrschaftsfunktionäre, der ersten Diener des Monopolisten.

In Gesellschaften mit geringer Interdependenz der gesellschaftlichen Funktionen führt dieser Vergesellschaftungsschub notwendiger weise zu einer Art von 'Anarchie', zu einem Zerfall des Monopols oder zu dessen Aneignung durch eine Oligarchie.

Erst im Zuge der wachsenden gesellschaftlichen Interdependenz aller Funktionen wird es möglich, Monopole auch ohne sie aufzulösen, der willkürlichen Nutzung durch einige Wenige ganz zu entziehen.

Wo immer die Funktionsteilung stark und überdies im Wachsen ist, da kommen die Wenigen in Schwierigkeiten und in Nachteil gegenüber den Vielen. Das immer reicher funktionsteiligere Menschengeflecht als ein Ganzes hat ein Eigengesetz, das sich jeder privaten Monopolisierung von Chancen immer stärker entgegen stemmt.

Die Tendenz der Monopole (z.B. Gewalt- und Steuermonopol) aus privaten zu öffentlichen (staatlichen) Monopolen zu werden, ist nichts anderes als eine Funktion der gesellschaftlichen Interdependenz. Eine Hemmung für diesen Prozess wäre z.B. die Größe des deutschen Imperiums.

Der Prozess der Monopolbildung hat also einen klaren Aufbau. Der freie Konkurrenzkampf hat in diesem Prozess eine bestimmte Stelle und Funktion. Der Konkurrenzkampf ist ein Kampf relativ Vieler um Chancen, über die noch kein Monopol besteht.
Jeder gesellschaftlichen Monopolbildung geht ein solcher freier Ausscheidungskampf voraus. Jeder freie gesellschaftliche Ausscheidungs- oder Konkurrenzkampf tendiert zur Monopolbildung.

Gegenüber dieser Phase, der freien Konkurrenz bedeutet die Monopolbildung eine Schließung des direkten Zuganges zu bestimmten Chancen für immer mehr Menschen und bedeutet weiters eine immer stärkere Zentralisierung der Verfügungsgewalt über diese Chancen.

Aber, der Monopolist, ist nie in der Lage, die Erträge seines Monopols allein für sich zu verbrauchen; er ist ganz besonders nicht dazu in der Lage, innerhalb einer stark funktionsteiligen Gesellschaft. Er muss vielmehr einen großen Teil der Chancen, über die er verfügt, an andere verteilen, und zwar einen umso größeren Teil, je größer der akkumulierte Besitz wird und umso größer seine Angewiesenheit auf andere und damit deren gesellschaftliche Stärke wird.

Um die Verteilung dieser Chancen erhebt sich von neuem ein Konkurrenzkampf, aber während in der vorangegangenen Phase dieser 'frei' war, ist er jetzt davon abhängig, für welche Funktionen oder zu welchem Zweck der Monopolist den Einzelnen aus seiner Übersicht über das Ganze seines Herrschaftsbereichs braucht.

An die Stelle des freien Konkurrenzkampfes ist ein gebundener, von einer Zentralstelle gelenkter oder lenkbarer Konkurrenzkampf getreten.
Die Eigenschaften die in diesem gebundenen Konkurrenzkampf Erfolg versprechen sind anders als im vorigen. Die Selektion die er vornimmt ist anders. Die Menschen die er produziert sind anders (S. 154).

Das Gewalt- und Steuermonopol wird durch das Bürgertum übernommen. Sie besitzen wirtschaftliche Chancen in der Form eines unorganisierten Monopols. Sie sind gleich verteilt und können relativ frei konkurrieren. Diese Schicht kämpft nicht um die Zerstörung des Herrschaftsmonopols, weil der Bestand eines Gewalt- und Steuermonopols die Grundlage ihrer gesellschaftlichen Existenz ist.

Es beschränkt den Konkurrenzkampf auf das Mittel der wirtschaftlichen Gewalt. Es geht um eine andere Verteilung der Lasten und Erträge des Monopols.
Die Chancen, die das Monopol gibt sollen weniger nach der persönlichen Gunst und dem persönlichen Interesse Einzelner, sondern nach einem Plan im Interesse vieler interdependent Verbundener und schließlich im Interesse eines ganzen interdependenten Menschengeflechts sein (S. 156).

Durch Zentralisierung, durch Monopolisierung werden, mit anderen Worten, Chancen, die zuvor durch kriegerische oder wirtschaftliche Gewalt von Einzelnen erstritten werden mussten, einer Planung unterwerfbar und manipulierbar.

Der Kampf um die Monopole richtet sich von einem bestimmten Punkt der Entwicklung ab nicht mehr auf ihre Zerstörung, sondern er geht um die Verfügungsgewalt über ihre Erträge, um den Plan, nach dem Last und Nutzen verteilt werden sollen, um den Verteilungsschlüssel.

Die Verteilung selbst, die Aufgabe des Monopolherrn und der Monopolverwaltung wird aus einer privaten zu einer öffentlichen Funktion.

Die Zentralfunktionäre sind in diesem ganzen Geflecht nun Abhängige wie alle anderen.
Es bilden sich Institutionen zur Kontrolle. Und die Verfügung über das Monopol (Besetzung der Schlüsselposition) selbst, entscheidet sich nicht durch einen monopol-freien Konkurrenzkampf sondern durch regelmäßig wiederkehrende Ausscheidungskämpfe ohne Waffengewalt, die von dem Monopolapparat geregelt werden, durch monopolistisch 'gebundene' Konkurrenzkämpfe.

Es bildet sich das, was wir ein 'demokratisches Regime' nennen. Dieses ist nicht mit dem Vorhandensein von Monopolen schlechthin unvereinbar, sondern es hat selbst geradezu den Bestand von hoch organisierten Monopolen zur Voraussetzung.

Es kann nur entstehen unter bestimmten Voraussetzungen, bei einem bestimmten Aufbau des gesamten gesellschaftlichen Feldes und erst in einer sehr fortgeschrittenen Phase der Monopolbildung dauerhaft funktionieren (S. 157).


Die zwei Phasen im Ablauf eines Monopolmechanismus:

Erstens die Phase der freien Konkurrenz, Ausscheidungskämpfe mit der Tendenz zur Akkumulation von Chancen in immer weniger und schließlich in einer Hand, die Phase der Bildung des Monopols.

Zweitens die Phase in der die Verfügungsgewalt über die zentralisierten und monopolisierten Chancen dazu tendiert aus den Händen Einzelner in die einer immer größeren Anzahl überzugehen und schließlich zu einer Funktion des ganzen Menschengeflechts als einem Ganzen zu werden, die Phase, in der aus einem relativ 'privaten' ein 'öffentliches' Monopol wird (S. 157). In diese zweite Phase können nur Gesellschaften mit sehr reicher und steigender Funktionsteilung kommen.

Zusammenfassung:

Ausgang ist eine Situation in der eine ganze Schicht über unorganisierte Monopolchancen verfügt. Die Verteilung wird hier durch freien Kampf und offene Gewalt entschieden. Sie strebt einer Situation zu, in der Monopolchancen zentral organisiert und durch Kontrollinstitutionen gesichert ist und die Verteilung der Monopolerträge nach einem Plan erfolgt, der nicht am Interesse Einzelner sondern am Kreislauf der arbeitsteiligen Prozesse selbst, am Ineinanderarbeiten aller funktionsteilig verbundener Menschen orientiert ist (S. 158).

Die wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe unserer Tage, haben selbst den bereits festen Bestand von weit fortgeschrittenen Monopolbildungen zur Voraussetzung. Der Kampf um wirtschaftliche Chancen ist auf Mittel der 'wirtschaftlichen' Gewalt beschränkt.
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2007: Oder ? Was geschieht im (mit dem) Irak?
Ach ja. Demokratisierung!

Konkurrenzdruck Monopol Staaten Bildung zt-49

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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Die erste Station des aufsteigenden Königshauses sind Konkurrenzkämpfe und Monopolbildung im Rahmen eines Territoriums.

(Frage:) Es bleibt zu zeigen, welche gesellschaftlichen Prozesse die Ausbildung eines stabilen Herrschaftsapparates und damit zugleich die Bändigung des Einzelnen möglich machen (S. 119).

Bleibt also die Aufgabe die Grundzüge jenes Triebwerkes von Prozessen aufzuzeigen, kraft deren einem der großen Feudal- oder Territorialherrn, dem König, ein Übergewicht über die anderen gegeben wurde und die Chance, eine stabilere Herrschaftsapparatur über ein Gebiet, das viele Territorien umfasst, einen 'Staat' zu lenken.

Das ist zugleich der Weg, der vom Verhaltensstandard der 'Courtoisie' zum Standard der 'Civilité' führt.

Die Königskrone bedeutet in verschiedenen Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung etwas sehr verschiedenes.

Am Beginn des 12. Jahruhunderts ist das ehemalige westfränkische Reich in eine Reihe verschiedener Herrschaftseinheiten zerfallen.
Zunächst ist der der Träger der Königskrone nichts anderes als ein großer Feudalherr. (Ludwig VI. 1108-1137 König). Er ist im wesentlichen Großgrundbesitzer.

Schwache ökonomische Entwicklung, geringe Entwicklung der Transportwege. Verbindungsprobleme.
Die Beziehungen der großen Feudalherren zu den Trägern der Krone sind auf ein Mindestmaß beschränkt.
Später wird dann der kapetingische Domänenbesitz so groß, und kraft der wirtschaftlichen und militärischen Chancen, so dass sie dem Konkurrenzbereich der anderen Krieger entwachsen und eine Art von Monopolstellung in diesem Territorium einnahmen.

In jedem Territorium gelingt es früher oder später durch die Akkumulation von Landbesitz eine Vormachtstellung, Hegemonie oder Monopolstellung zu gewinnen, zuungunsten der vielen kleinen und mittleren Ritterfamilien.

Das Hausgut und die Herrschaft im engeren Stammesgebiet bildet bei dem Aufbau dieser Gesellschaft das wichtigste, militärische und finanzielle Fundament, auch der Königsmacht.

Ludwig VI legt den Grund für die folgende Expansion seines Hauses. Er schafft ein potentielles Kristallisationszentrum für das größere Gebiet Frankreichs.
Keine prophetischen Visionen sondern er handelt unter den unmittelbaren Zwängen seiner aktuellen Situation (S. 128).

Der Mechanismus der Vormachtbildung ist immer der gleiche. Durch Akkumulation des Besitzes, wachsen einzelne Unternehmungen aus dem Konkurrenzbereich heraus und kämpfen miteinander bis nur mehr eines oder zwei einen bestimmten Zweig der Wirtschaft kontrollieren und beherrschen.
Ist die Vorherrschaft eines Kriegerhauses in einem kleinere Gebiet gefestigt, dann tritt der Kampf um die Hegemonie in einem weiteren Gebiet in den Vordergrund.

Die Größe des 'deutschen Imperiums' gab den lokalen, zentrifugalen Tendenzen eine andere Stärke; machte die Zentralisierung schwerer.

Die Größenordnung in der sich gesellschaftliche Prozesse abspielen, bildet ein wichtiges Element ihrer Struktur.

Hier weit größere Spannungen und Interessengegensätze als im westfränkischen Gebiet. Ein Haus nach dem anderen verbrauchte hier im Kampf um die Hegemonie seinen Stammes- oder Domanialbesitz (S. 131).

Der Mechanismus der Staatenbildung ist im europäischen Raum (die naturalwirtschaftliche Phase gelangt kontinuierlich in eine geldwirtschaftliche) immer der gleiche.
In der Geschichte der europäischen Staaten gibt es immer eine frühe Phase, bei der territoriale Herrschaftseinheiten die entscheidende Rolle spielen (z.B. feudale Territorialherrschaften).
Aus den Institutionen eines feudalen Territoriums werden dann kontinuierlich Institutionen eines Staates und eines Imperiums.

Schematisch gezeichnet verläuft der Prozess zwischen den verschiedenen benachbarten Territorialherrschaften ganz analog zu jenem, der sich zuvor innerhalb eines festen Territoriums zwischen den einzelnen Gutsherren der Rittern bis zum Erwerb der Vormachtstellung, eines über die anderen, abspielt.

In der folgenden Phase konkurrieren die nächstgrößeren Herrschaftseinheiten miteinander. Es besteht die ständige Notwendigkeit zu expandieren, wenn sie nicht besiegt oder abhängig werden wollen (S. 133).

Die Konkurrenz um den Boden im Inneren verstärkt sich. Wer bei solchem Konkurrenzdruck nicht 'mehr' erwirbt, wird automatisch 'weniger'.
Ein Druck durchzieht die ganze Gesellschaft. Er treibt auch die Territorialherren gegeneinander und setzt eben damit den Monopolmechanismus in Gang.

Einige werden stärker, andere steigen aus. Der Ausscheidungsprozess wiederholt sich bis die Entscheidung schließlich nur mehr zwischen zwei Territorialherrschaften steht.
In diesen gesellschaftlichen 'Ausscheidungskämpfen', spielen sicherlich persönliche Qualifikationen Einzelner, sowie andere 'Zufälle' eine Rolle, aber der gesellschaftliche Prozess, die Tatsache, dass eine Gesellschaft mit relativ gleich großen Macht- und Besitzeinheiten bei starkem Konkurrenzdruck zur Vergrößerung einiger weniger und schließlich zu einer Monopolbildung tendiert, ist von solchen Zufällen weitgehend unabhängig.

Früher oder später kommt es zu einer solchen Monopolbildung -unter den bisherigen Aufbaubedingungen- mit einer hohen Wahrscheinlichkeit. Ist dieser einfache gesellschaftliche Mechanismus einmal in Gang gesetzt, arbeitet er weiter, wie ein Uhrwerk.

"Ein Menschengeflecht, in dem kraft der Größe ihrer Machtmittel relativ viele Einheiten miteinander konkurrieren, neigt dazu, diese Gleichgewichtslage (Balance vieler durch viele, relativ freie Konkurrenz) zu verlassen und sich einer anderen zu nähern, bei der immer weniger Einheiten miteinander konkurrieren können; sie nähert sich mit anderen Worten einer Lage, bei der eine gesellschaftliche Einheit durch Akkumulation ein Monopol über die umstrittenen Machtchancen erlangt" (S. 135).

Ein Mechanismus dieser Art ist auch bei der Staatenbildung am Werk.
Deutschland: Bei der Größe dieses Gebietes war die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung eines 'Kristallisationszentrums' geringer.
Die Ausscheidungskämpfe nahmen mehr Zeit in Anspruch. Schließlich dann doch: die Territorialmacht der Hohenzollern. Sie erlangte die Vormacht unter den deutschen Territorialherrschaften.

Dann beim nächsten Kampf (mit den Habsburgern), der die stärkere Integration einleitete, die Staatenbildung. Die Habsburger schieden aus.

Deutschland zerbröckelte, es zerfiel relativ spät und wurde immer kleiner.

In England und Frankreich ist der Trend der Bewegung annähernd umgekehrt.
Langsames Wachstum vom kleinen zum größeren hin.

In England war gerade wegen der Beschränktheit des Gebietes eine Einigung der verschiedenen Stände und vor allem der Krieger des ganzen Gebietes gegen den Zentralherren leichter möglich.

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