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20070616

Vergesellschaftung Monopol Feudalismus Königsmechanismus zt-55

Die Gewichtsverteilung im Innern der Herrschaftseinheit und ihre Bedeutung für die Zentralgewalt.
Die Bildung des 'Königsmechanismus'.

In der Entwicklung von Monopolen sind zwei Phasen unterschieden worden:
1. Die Phase der freien Konkurrenz mit dem Drang zur Bildung von mehr oder weniger privaten Monopolen und
2. die allmähliche Verwandlung der 'privaten' in 'öffentliche' Monopole.
Es handelt sich hier aber nicht um ein einfaches Hintereinander der Tendenzen.

Die französische Revolution bedeutet einen gewaltigen und besonders spürbaren Schub auf dem Weg der Vergesellschaftung des Steuer- oder des Gewaltmonopols im Bereich Frankreichs.

Hier gehen diese Herrschaftsmonopole nun tatsächlich in die Verfügungsgewalt oder mindestens in die institutionell gesicherte Kontrolle breiterer Gesellschaftsschichten über; der Zentralherr wird ein Funktionär unter anderen innerhalb des ganzen Geflechts einer funktionsteiligen Gesellschaft.

Die funktionelle Abhängigkeit der Zentralherren von den Repräsentanten anderer gesellschaftlicher Funktionen ist so groß geworden, dass sie in der Gesellschafts Organisation deutlich zum Ausdruck kommt. Diese Abhängigkeit war aber schon vorher da, nur nicht so stark (S. 222).

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator

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Tendenzen zu einer Art von 'Vergesellschaftung' zeigen sich, wenn der Besitz oder der Verfügungsbereich von Zentralherren sehr groß zu werden beginnt (in vorwiegend natural wirtschaftenden Gesellschaften).

Was wir 'Feudalismus' nennen und was oben als das Wirken der zentrifugalen Kräfte beschrieben wurde, ist nichts anderes als der Ausdruck solcher Tendenzen; sie zeigen an, dass die funktionelle Abhängigkeit eines Herrn von seinen Dienern, also von breiteren Schichten, im Wachsen ist; sie führt zum Übergang der Verfügungsgewalt über Böden und (kriegerische) Machtinstrumente aus der Hand des Zentralherrn in die der nächsten Diener und dann unter Umständen in die der (Krieger)-Gesellschaft.

Vergesellschaftung bedeutet eine Auflösung des zentralisierten Monopols. Sie führt zur Umwandlung eines großen Monopolbesitzes in kleine Monopolbesitzungen, also in eine dezentralisierte und weniger organisierte Form des Monopols (S. 223).

Überall in der Geschichte zeigt sich die gleiche Gesetzmäßigkeit. In der Entwicklung Frankreichs vollzieht sich diese Bewegung relativ geradlinig.

Durchbrochen und modifiziert wird dieser Rhytmus von Zentralisierungs- und Dezentralisierungsschüben erst in dem Maße, in dem mit der zunehmenden Funktionsteilung in einer Gesellschaft statt der Verfügungsgewalt über Böden die Verfügung über Geldmittel zur dominanten Besitzform wird.

Erst dann löst sich das große, zentralisierte Monopol nicht mehr in viele kleine Bezirke auf (wie bei jedem Feudalisierungsschub), sondern es wird, zentralisiert wie es ist, langsam zu einem Instrument der funktionsteiligen Gesellschaft als eines Ganzen, also zunächst zu einem Zentralorgan dessen, was wir den Staat nennen (S. 224).

Die Entwicklung des Tausch- und Geldverkehrs samt der diese tragenden Formationen steht mit der Entwicklung des Herrschaftsmonopols in unablässiger Wechselbeziehung.

Beide Entwicklungsreihen greifen ständig ineinander und schrauben sich gegenseitig hoch.

Die Gestalt und der Entwicklungsstand der Herrschaftsmonopole werden durch diese Differenzierung der Gesellschaft, durch das Fortschreiten des Geldverkehrs und die Bildung von Geld erwerbenden und besitzenden Schichten beeinflusst.

Andererseits ist auch das Gedeihen der Arbeitsteilung selbst, die Sicherung von Wegen und Märkten, die Regelung der Münzprägung, des Geldverkehrs, der Schutz der friedlichen Produktion und andere Koordinations- und Regulierungsaufgaben in hohem Maße von der Ausbildung größerer Monopol- und Zentralinstitute abhängig.

In anderen Worten: Je mehr sich die Arbeitsgänge, die gesamten Funktionen in einem Gesellschaftsverband differenzieren, je länger und komplizierter die Ketten der individuellen Aktionen werden, die ineinander greifen müssen, damit die einzelne Aktion ihren gesellschaftlichen Zweck erfüllt, desto ausgeprägter tritt an dem Zentralorgan ein ganz spezifischer Charakter hervor:
Der Charakter des obersten Koordinations- und Regulationsorgans für das Gesamte der funktionsteiligen Prozesse.

Ohne entsprechend hoch organisierte Organe mit dieser Funktion können von einer bestimmten Höhe der Differenzierung an die funktionsteiligen Prozesse innerhalb einer Gesellschaft weder vorankommen, noch aktuell funktionieren (S. 225).

Auch die locker organisierten Gesellschaften des 9. u. 10. Jahrhunderts brauchten unter Umständen einen obersten Koordinator (Heerführer). Jeder Einzelne war bedroht, wenn die Zusammenarbeit des ganzen Heeres versagte. Erfüllte der König diese Aufgabe (seine gesellschaftliche Funktion) wuchs auch seine gesellschaftliche Stärke.

Wenn ein Gesellschaftsverband sich als Ganzes reicher differenziert dann erst werden regulierende und koordinierende Zentralorgane für die Aufrechterhaltung des ganzen gesellschaftlichen Getriebes so unentbehrlich, dass sie nicht mehr aufgelöst werden können (S. 226).

Die Bildung von besonders stabilen und spezialisierten Zentralorganen für größere Gebiete ist eine der hervor stechendsten Erscheinungen der abendländischen Geschichte.

Die Differenzierung und Spezialisierung der gesellschaftlichen Funktionen hat im Abendland einen höheren Stand erreicht als in irgendeinem anderen Gesellschaftsverband der Erde. So gewinnen auch zuerst im Abendland spezialisierte Zentralorgane ein sonst unbekanntes Maß von Stabilität.

Dabei gewinnen die Zentralorgane, die Zentralfunktionäre mit ihrer steigenden Bedeutung als oberste gesellschaftliche Koordinatoren und Regulatoren durchaus nicht notwendig zugleich an herrschaftlicher Verfügungsgewalt.
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20070531

Konkurrenz Monopolmechanismus Monopolbildung Staat zt-50

Die Gesellschaft der neueren Zeit ist durch einen ganz bestimmten Stand der Monopolbildung charakterisiert.
1. Die freie Verfügung über militärische Machtmittel ist dem Einzelnen genommen und einer Zentralgewalt vorbehalten.
2. Die Erhebung der Steuerabgaben ist in den Händen einer gesellschaftlichen Zentralgewalt konzentriert.

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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Die finanziellen Mittel die der gesellschaftlichen Zentralgewalt zufließen halten das Gewaltmonopol aufrecht, das Gewaltmonopol hält das Abgabenmonopol aufrecht. Es handelt sich um zwei Seiten der gleichen Monopolstellung.
Kurz: Steuermittel erhalten (unterstützen) das Gewaltmonopol und Gewaltmittel erhalten das Steuermonopol.

In einer sehr fortgeschrittenen Funktionsteilung der Gesellschaft bildet sich eine spezialisierte Verwaltungsapparatur dieser Monopole heraus. Und erst mit der Herausbildung dieses differenzierten Herrschaftsapparats bekommt die Verfügung über Heer und Abgaben ihren vollen Monopolcharakter.

Die sozialen Kämpfe gehen nun nicht mehr um die Beseitigung des Herrschaftsmonopols, sondern nur mehr um die Frage, wer über die Monopolapparatur verfügen soll, woher sich rekrutieren, wie Last und Nutzen verteilt werden soll.

Erst mit der Herausbildung dieses beständigen Monopols der Zentralgewalt und dieser spezialisierten Herrschaftsapparatur nehmen die Herrschaftseinheiten den Charakter von 'Staaten' an (S. 143).

Wenn diese 'Schlüsselmonopole' verfallen, verfällt der Staat.

Wie und warum kommt es zu dieser Monopolbildung?

In der Gesellschaft des 9. 10. u. 11. Jahrhunderts ist der kriegerische Erwerb von Boden der 'Privatinitiative' überlassen.
Starke Nachfrage nach Böden.
Konkurrenzkampf mit kriegerischer und wirtschaftlicher Gewalt.
(Im 19. Jahrhundert wird die Kraft der staatlichen Monopole mit den Mitteln wirtschaftlicher Gewalt geführt S. 144).

Zentrum der Bewegungen ist hier wie dort die Akkumulation des jeweils wichtigsten Produktionsmittel, hier (19. Jahrhundert) Geld, dort (9. 10. u. 11. Jahrhundert) Böden.

Mechanismus der Monopolbildung:

"Wenn in einer größeren, gesellschaftlichen Einheit viele der kleineren, gesellschaftlichen Einheiten, die die größere durch ihre Interdependenz bilden, relativ gleiche, gesellschaftliche Stärke haben und dementsprechend frei - ungehindert durch schon vorhandene Monopole- miteinander um Chancen der gesellschaftlichen Stärke konkurrieren können (also vor allem um Subsistenz- und Produktionsmittel), dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit dafür, dass einige siegen, andere unterliegen und dass als Folge davon, nach und nach immer weniger über immer mehr Chancen verfügen, dass immer mehr aus dem Konkurrenzkampf ausscheiden müssen und in direkte oder indirekte Abhängigkeit von einer immer kleineren Anzahl geraten" (S. 144).

Das Menschengeflecht nähert sich als einem Zustand, bei dem die faktische Verfügungsgewalt über die umkämpften Chancen in einer Hand liegt; es ist aus einem System mit offeneren Chancen zu einem System mit geschlosseneren Chancen geworden (S. 145).

Experiment: Bestimmte Anzahl von Menschen und bestimmte Anzahl von Chancen. Im Optimalfall verfügt dann ein Einzelner über alle Chancen und alle Anderen sind von ihm abhängig (S. 145). Es muss sich aber um einen freien, von keiner Monopolmacht beeinflussten Wettkampf handeln.

Gang und Tempo ist in hohem Maße von dem Verhältnis abhängig, in dem Nachfrage und Angebot von Chancen stehen.

Wenn an die Stelle relativ unabhängiger, gesellschaftlicher Funktionen abhängige hervortreten (z.B. statt freie Ritter höfische Ritter, dann Höflinge), (z.B. an Stelle unabhängiger Kaufleute, abhängige) dann verändert sich notwendigerweise zugleich die Affektmodellierung, der Aufbau des Triebhaushaltes und des Denkens, der ganze soziogene Habitus und die sozialen Attituden der Menschen. Sowohl bei denen, die sich einer Monopolstellung nähern als auch denen die in direkter oder indirekter Abhängigkeit sind.

Der Prozess ist keineswegs so zu verstehen als ob manche immer weniger frei und mehr gebunden werden, und andere immer freier. Es ist vielmehr eine gegenseitige Abhängigkeit, die gewachsen ist.

Das folgende gilt auch als ein Beispiel dafür, wie aus privatem Besitz eine öffentliche Funktion wird, und wie sich das Monopol eines Einzelnen schließlich vergesellschaftet (wie später dann nach der franz. Rev.).

Je mehr Menschen durch das Spiel des Monopolmechanismus in Abhängigkeit geraten, desto größer wird die gesellschaftliche Stärke zwar nicht der einzelnen Abhängigen, aber der Abhängigen als eines Ganzen im Verhältnis zu den wenigen oder dem einen Monopolisten.

Und zwar durch ihre Anzahl, dann durch die Angewiesenheit der Wenigen (die sich der Monopolstellung nähern) auf immer mehr Abhängige zur Bewahrung und Bewirtschaftung der monopolisierten Chancen. Je mehr sich in einer Hand akkumuliert, desto stärker wird er von dem Geflecht seiner Abhängigen abhängig (S. 147).

Je umfassender und je arbeitsteiliger ein Monopolbesitz wird, desto sicherer und desto ausgeprägter strebt er einem Punkt zu, bei dem der oder die Monopolherren zu Zentralfunktionären eines funktionsteiligen Apparates werden, mächtiger vielleicht als andere Funktionäre, aber kaum weniger abhängig und gebunden als sie.

Die Verfügungsgewalt (der durch Privatinitiative in Ausscheidungskämpfen akkumulierten Chancen) tendiert dazu, von einem optimalen Punkt der Besitzgröße ab den Händen der Monopolherren zu entgleiten und in die Hände der Abhängigen als eines Ganzen (oder einiger Gruppen von Abhängigen) überzugehen.
Etwa in die Verfügungsgewalt der bisherigen Monopolverwaltung. Das Privatmonopol Einzelner vergesellschaftet sich; es wird zu einem Monopol ganzer Gesellschaftsschichten, zu einem öffentlichen Monopol, zum Zentralorgan eines Staates (S. 148).

Der Staatshaushalt entwickelt sich aus dem Privathaushalt feudaler Herrschaftshäuser. Es gab da noch keine Trennung zwischen 'öffentlichen' und 'privaten' Einnahmen oder Ausgaben.

Die Einnahmen kamen zuerst aus dem Haus- oder Domanialbesitz; die Verwaltung und Verteidigung des Besitzes wird für den Einzelnen immer unübersehbarer; zunehmende Kommerzialisierung; aus dem Monopol über den Boden wird ein Abgaben- oder Steuermonopol. Darüber wird wie über persönliches Einkommen verfügt.

Dann beschränkt sich der Entscheidungsspielraum des Monopolbesitzers durch das riesige Menschengeflecht, zu dem sein Besitz geworden ist.

Die fixen Kosten des Monopolapparates werden ständig größer. Und am Ende steht er bereits unter dem Druck, unter dem Gesetz und in funktionaler Abhängigkeit von der Gesellschaft, die er beherrscht.
Seine Unumschränktheit ist jetzt nicht mehr einfach eine Konsequenz seiner monopolistischen Verfügung über Chancen, sondern die Funktion einer besonderen Aufbaueigentümlichkeit der Gesellschaft in dieser Phase. Er bekommt dann Geld des Budgets für seine Funktion.

So gut wie alle Organe der staatlichen Herrschaftsapparatur entstehen durch Differenzierung von Funktionen des fürstlichen Haushalts.
Wenn schließlich diese Herrschaftsapparatur staatlich oder öffentlich geworden ist, dann bildet der Haushalt ihrer Zentralherren bestenfalls ein Organ unter anderen darin und schließlich kaum noch das.

Das Monopol tendiert also von einem bestimmten Grad der Akkumulation dazu, der Verfügungsgewalt eines Einzelnen zu entgleiten und in die Verfügungen ganzer Gesellschaftsgruppen überzugehen.

Oft zunächst in die Gewalt der früheren Herrschaftsfunktionäre, der ersten Diener des Monopolisten.

In Gesellschaften mit geringer Interdependenz der gesellschaftlichen Funktionen führt dieser Vergesellschaftungsschub notwendiger weise zu einer Art von 'Anarchie', zu einem Zerfall des Monopols oder zu dessen Aneignung durch eine Oligarchie.

Erst im Zuge der wachsenden gesellschaftlichen Interdependenz aller Funktionen wird es möglich, Monopole auch ohne sie aufzulösen, der willkürlichen Nutzung durch einige Wenige ganz zu entziehen.

Wo immer die Funktionsteilung stark und überdies im Wachsen ist, da kommen die Wenigen in Schwierigkeiten und in Nachteil gegenüber den Vielen. Das immer reicher funktionsteiligere Menschengeflecht als ein Ganzes hat ein Eigengesetz, das sich jeder privaten Monopolisierung von Chancen immer stärker entgegen stemmt.

Die Tendenz der Monopole (z.B. Gewalt- und Steuermonopol) aus privaten zu öffentlichen (staatlichen) Monopolen zu werden, ist nichts anderes als eine Funktion der gesellschaftlichen Interdependenz. Eine Hemmung für diesen Prozess wäre z.B. die Größe des deutschen Imperiums.

Der Prozess der Monopolbildung hat also einen klaren Aufbau. Der freie Konkurrenzkampf hat in diesem Prozess eine bestimmte Stelle und Funktion. Der Konkurrenzkampf ist ein Kampf relativ Vieler um Chancen, über die noch kein Monopol besteht.
Jeder gesellschaftlichen Monopolbildung geht ein solcher freier Ausscheidungskampf voraus. Jeder freie gesellschaftliche Ausscheidungs- oder Konkurrenzkampf tendiert zur Monopolbildung.

Gegenüber dieser Phase, der freien Konkurrenz bedeutet die Monopolbildung eine Schließung des direkten Zuganges zu bestimmten Chancen für immer mehr Menschen und bedeutet weiters eine immer stärkere Zentralisierung der Verfügungsgewalt über diese Chancen.

Aber, der Monopolist, ist nie in der Lage, die Erträge seines Monopols allein für sich zu verbrauchen; er ist ganz besonders nicht dazu in der Lage, innerhalb einer stark funktionsteiligen Gesellschaft. Er muss vielmehr einen großen Teil der Chancen, über die er verfügt, an andere verteilen, und zwar einen umso größeren Teil, je größer der akkumulierte Besitz wird und umso größer seine Angewiesenheit auf andere und damit deren gesellschaftliche Stärke wird.

Um die Verteilung dieser Chancen erhebt sich von neuem ein Konkurrenzkampf, aber während in der vorangegangenen Phase dieser 'frei' war, ist er jetzt davon abhängig, für welche Funktionen oder zu welchem Zweck der Monopolist den Einzelnen aus seiner Übersicht über das Ganze seines Herrschaftsbereichs braucht.

An die Stelle des freien Konkurrenzkampfes ist ein gebundener, von einer Zentralstelle gelenkter oder lenkbarer Konkurrenzkampf getreten.
Die Eigenschaften die in diesem gebundenen Konkurrenzkampf Erfolg versprechen sind anders als im vorigen. Die Selektion die er vornimmt ist anders. Die Menschen die er produziert sind anders (S. 154).

Das Gewalt- und Steuermonopol wird durch das Bürgertum übernommen. Sie besitzen wirtschaftliche Chancen in der Form eines unorganisierten Monopols. Sie sind gleich verteilt und können relativ frei konkurrieren. Diese Schicht kämpft nicht um die Zerstörung des Herrschaftsmonopols, weil der Bestand eines Gewalt- und Steuermonopols die Grundlage ihrer gesellschaftlichen Existenz ist.

Es beschränkt den Konkurrenzkampf auf das Mittel der wirtschaftlichen Gewalt. Es geht um eine andere Verteilung der Lasten und Erträge des Monopols.
Die Chancen, die das Monopol gibt sollen weniger nach der persönlichen Gunst und dem persönlichen Interesse Einzelner, sondern nach einem Plan im Interesse vieler interdependent Verbundener und schließlich im Interesse eines ganzen interdependenten Menschengeflechts sein (S. 156).

Durch Zentralisierung, durch Monopolisierung werden, mit anderen Worten, Chancen, die zuvor durch kriegerische oder wirtschaftliche Gewalt von Einzelnen erstritten werden mussten, einer Planung unterwerfbar und manipulierbar.

Der Kampf um die Monopole richtet sich von einem bestimmten Punkt der Entwicklung ab nicht mehr auf ihre Zerstörung, sondern er geht um die Verfügungsgewalt über ihre Erträge, um den Plan, nach dem Last und Nutzen verteilt werden sollen, um den Verteilungsschlüssel.

Die Verteilung selbst, die Aufgabe des Monopolherrn und der Monopolverwaltung wird aus einer privaten zu einer öffentlichen Funktion.

Die Zentralfunktionäre sind in diesem ganzen Geflecht nun Abhängige wie alle anderen.
Es bilden sich Institutionen zur Kontrolle. Und die Verfügung über das Monopol (Besetzung der Schlüsselposition) selbst, entscheidet sich nicht durch einen monopol-freien Konkurrenzkampf sondern durch regelmäßig wiederkehrende Ausscheidungskämpfe ohne Waffengewalt, die von dem Monopolapparat geregelt werden, durch monopolistisch 'gebundene' Konkurrenzkämpfe.

Es bildet sich das, was wir ein 'demokratisches Regime' nennen. Dieses ist nicht mit dem Vorhandensein von Monopolen schlechthin unvereinbar, sondern es hat selbst geradezu den Bestand von hoch organisierten Monopolen zur Voraussetzung.

Es kann nur entstehen unter bestimmten Voraussetzungen, bei einem bestimmten Aufbau des gesamten gesellschaftlichen Feldes und erst in einer sehr fortgeschrittenen Phase der Monopolbildung dauerhaft funktionieren (S. 157).


Die zwei Phasen im Ablauf eines Monopolmechanismus:

Erstens die Phase der freien Konkurrenz, Ausscheidungskämpfe mit der Tendenz zur Akkumulation von Chancen in immer weniger und schließlich in einer Hand, die Phase der Bildung des Monopols.

Zweitens die Phase in der die Verfügungsgewalt über die zentralisierten und monopolisierten Chancen dazu tendiert aus den Händen Einzelner in die einer immer größeren Anzahl überzugehen und schließlich zu einer Funktion des ganzen Menschengeflechts als einem Ganzen zu werden, die Phase, in der aus einem relativ 'privaten' ein 'öffentliches' Monopol wird (S. 157). In diese zweite Phase können nur Gesellschaften mit sehr reicher und steigender Funktionsteilung kommen.

Zusammenfassung:

Ausgang ist eine Situation in der eine ganze Schicht über unorganisierte Monopolchancen verfügt. Die Verteilung wird hier durch freien Kampf und offene Gewalt entschieden. Sie strebt einer Situation zu, in der Monopolchancen zentral organisiert und durch Kontrollinstitutionen gesichert ist und die Verteilung der Monopolerträge nach einem Plan erfolgt, der nicht am Interesse Einzelner sondern am Kreislauf der arbeitsteiligen Prozesse selbst, am Ineinanderarbeiten aller funktionsteilig verbundener Menschen orientiert ist (S. 158).

Die wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe unserer Tage, haben selbst den bereits festen Bestand von weit fortgeschrittenen Monopolbildungen zur Voraussetzung. Der Kampf um wirtschaftliche Chancen ist auf Mittel der 'wirtschaftlichen' Gewalt beschränkt.
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2007: Oder ? Was geschieht im (mit dem) Irak?
Ach ja. Demokratisierung!

20070518

Geschichtsforschung Völkerwanderung Übervölkerung zt-44

Elias kritisiert die ältere Geschichtsforschung, sie habe zur Feudalisierung keinen rechten Zugang gefunden.

Die Neigung, von einzelnen Urhebern her zu denken, die Denkgewohnheiten, nach den individuellen Schöpfern gesellschaftlicher Transformationen zu fragen oder allenfalls in den gesellschaftlichen nur die juristischen Institutionen zu sehen und die Vorbilder (Antezedentien) zu suchen, nach denen sie von Diesem oder Jenem geschaffen wurden, alles das machte diese Prozesse und Institutionen so unangreifbar für das nachdenkende Bewusstsein, wie es ehemals für die scholastischen Denker die Naturprozesse waren (S. 37).

Aber es handelte sich dabei (z.B. Lehnswesen) nicht um irgendwelche planmäßigen Schöpfungen einzelner Menschen oder um Institutionen, die manfrau aus irgendwelchen älteren Institutionen erklären könne.

Bei der Feudalisierung, sagt Dopsch, handelt es sich um Einrichtungen, die nicht von Staaten oder Trägern der Staatsgewalt planmäßig und aus bewusster Absicht ins Leben gerufen wurden, um bestimmte politische Ziele verwirklichen zu können.

Calmette: So verschieden das Feudalsystem von dem vorangehenden ist, es geht direkt aus ihm hervor. Kein individueller Wille hat es erzeugt. Es ist gewissermaßen ein Naturgeschehen, oder Naturtatsache der Geschichte. Ihre Formation war gewissermaßen durch mechanische Kräfte bedingt und ging Schritt für Schritt voran.

Antezedentien, also ähnliche vorausgehende Phänomene, sind nicht die einzigen Faktoren.

Es kommt nicht darauf an zu wissen, woher es kommt, sondern warum dieses Element diesen speziellen Charakter bekommen hat und nach diesem Geheimnis kann manfrau weder Römer noch Germanen fragen.

Die entscheidende, geschichtliche Frage ist hier, warum sich Institutionen oder etwa auch das Verhalten und die Affektlage ändern, und warum sie sich gerade in dieser Weise ändern.

Die Frage geht auf die strenge Ordnung der geschichtlich-gesellschaftlichen Wandlungen (Anmerkung: siehe I-Ging :-).

Diese Wandlungen sind nicht aus etwas zu erklären, das sich gleich bleibt.

In der Geschichte wirkt nie ein isolierbares Faktum für sich allein gestaltend und umgestaltend, sondern immer in seiner Verflechtung mit anderen.

Und unaufschließbar bleiben diese Wandlungen auch, solange man sich zu ihrer Erklärung auf die Ideen Einzelner beschränkt. Wenn manfrau nach den gesellschaftlichen Prozessen fragt, muss manfrau unmittelbar im Geflecht der menschlichen Beziehungen in der Gesellschaft selbst die Zwänge suchen die sie in Bewegung halten.

Das gilt beispielsweise von der Feudalisierung und Arbeitsteilung (oft wird mit dem Haarnadelbeispiel von Adam Smith so getan als hätte er die Sache erfunden).

Einzelprozesse, werden in unserer Begriffsapparatur nur durch Worte ohne Prozesscharakter, durch im Prozess gebildeter Institutionen (Absolutismus, Kapitalismus, Naturalwirtschaft..) repräsentiert.

Diese Einzelprozesse weisen auf Veränderungen im Aufbau der menschlichen Beziehungen, die offensichtlich nicht von Einzelnen geplant waren, denen die Einzelnen sich unterwerfen mussten, ob es ihnen lieb war oder nicht.

Einer der wichtigste Motoren der Veränderung im Aufbau der menschlichen Beziehungen und der Institutionen, die ihm entsprechen, ist die Vermehrung oder die Verringerung der Bevölkerung. Sie bildet im Wechselspiel der veränderten Faktoren ein wichtiges, nie außer acht zu lassendes Element.


Was geschah in der Völkerwanderungszeit?

Neue Schübe von Osten, Norden und Süden. Hellenische, italische, germanische, slawische Barbaren bzw. Stämme dringen in die Binnenräume Europas. Resultat: Es gibt keine freien Räume mehr. Damit eine neue Lage. Dann gerät die Bevölkerung ins Wachstum (ab etwa 9. Jahrhundert).

Damit verändert sich das Spannungssystem. (Siehe kurzen Rückblick auf die Antike S. 42 u. 43). Was hat manfrau unter dieser Übervölkerung zu verstehen? Nicht die absolute Anzahl der Menschen ist dafür verantwortlich.

Übervölkerung nennen wir zunächst ein solches Wachstum der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes, dass bei dem bestehenden Gesellschaftsaufbau für immer weniger Menschen die Befriedigung ihrer Standardbedürfnisse möglich ist.

Die Symptome einer solchen gesellschaftlichen Übervölkerung sind:

1. Abschließung derer, die haben, von jenen die nicht haben weiters

2. stärkerer und betonterer Zusammenschluss der Menschen in gleicher, sozialer Lage zur Abwehr der an drängenden Außen stehenden oder zur Eroberung der von anderen monopolierten Chancen.

3. Weiters verstärkter Druck auf Nachbargebiete, Antrieb zur Eroberung und


4. verstärkte Auswanderungstendenzen, oder Besiedelung neuer Böden.

Diese Symptome sind besonders deutlich im westfränkischen Reich. Geringe Möglichkeiten einer Expansion. Neue Böden im Inneren werden gesucht. Rodungen. Sümpfe trockengelegt.

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Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Exzerpt und Gestaltung: Transitenator
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20070503

Wirtschaft Wachstum Verteilung sk-22

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es in den 30 darauf folgenden Jahren zunehmend um Konsum und um sozialen Aufstieg. Die Angebotsseite des Lebens trat in den Vordergrund.

Raymond Aron (geb. 1897?) war Franzose und Jude und widerstand den Versuchungen des Totalitarismus. Er schrieb ein einflussreiches Buch über 'Max Weber und die deutsche Soziologie'.

Aron erlebte die beiden 30-Jahres Perioden (Anmerkung: 1915-1945, 1945-1975) des Jahrhunderts und beschrieb sie für die Zeitgenossen. Er sprach von einer Ära der Tyrannei, wobei er das Band des Totalitarismus betonte (im Hitler-Stalin-Pakt) Sein Biograph unterscheidet zwischen dem 'Philosophen in der Geschichte' (1905-1955, seine Bücher schildern Ereignisse der Geschichte) und dem 'Soziologen in der Gesellschaft' (1955-1983, seine Bücher schildern sein Leben in der Geschichte) (S. 145). -o-o-o
Quelle: Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf, Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch, Exzerpt: transitenator
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Arons erste 40 Jahre sind von der Zeit geprägt worden und er hat nachhaltig über die Ereignisse um ihn nachgedacht. Erst nach dem zweiten Weltkrieg konzentrierte er sich auf die Gesellschaft als Prozess, der rationales Verstehen erlaubt.
1955/56 in seinen '18 Vorlesungen über die industrielle Gesellschaft' spiegelt er die Stimmung seiner Zeit und erzählt die Geschichte eines ständig wachsenden Angebots durch jene wirtschaftliche Expansion, die das beherrschende Merkmal der Zeit von den späten 1940ern bis zur Mitte der 1970er Jahre war.

Wachstum war keine neue Erfahrung. Die Geschichte der Modernität ist durchweg die Geschichte eines immer zunehmenden Angebots.

Schon Erasmus stellte das im 16. Jahrhundert fest: "Heutzutage hat die Besitzgier sich so gesteigert, dass es nichts mehr im Reich der Natur gibt, sei es heilig oder profan, aus dem sich nicht Gewinn schlagen lässt " (S. 145).

Auch das Zeitalter der Entdeckungen war eines der Ausweitung des Handels die wiederum zur frühen Blüte des Bankwesens führte. Leonardo da Vinci als Vorreiter der Erfindungen und Innovationen. Neue Unternehmensarten wurden begründet, mit Besitzanteilen für viele. Die Produktivität der Landwirtschaft nahm zu.

Die industrielle Revolution bezeichnet den Anfang einer Phase des demokratischen Wachstums. Sie ist daher ein Beispiel für die Konflikte und Konfigurationen von Angebot und Anrechten.

Üblicherweise wird die Geschichte nur als eine des Angebots erzählt. Walt Rostow fügte Zahlen zusammen: Der Handel hat sich seit 1720 um das 500fache vermehrt. Die Quantität der Welt-Industrieproduktion hat sich in der Zeit von 1820 bis 1971 um das 1740-fache vermehrt (jährliche Wachstumsrate von 2,84%).

Diese Zahlen sind niedrig im Vergleich zu den Entwicklungen nach dem zweiten Weltkrieg. Dies war die Zeit in der Wachstum alle Fragen zu beantworten schien. Wachstum wurde nicht nur ein universelles Glaubensbekenntnis, sondern auch eine in Individuen und Institutionen verwurzelte Annahme.

Die erste Antwort war 'mehr' und nicht 'anders'. Dabei die Annahme, dass mehr zumindest prinzipiell mehr für alle hieß.

Simon Kuznets erkundete als erster die Gesetzmäßigkeiten des Verhältnisses von Wirtschaftswachstum und Ungleichheit: im Verlauf des modernen Wirtschaftswachstums steigen Ungleichheiten in der Verteilung zuerst an, dann Nivellierungseffekt, dann Umkehr der Entwicklung.
Manfrau sprach von U-förmiger Beziehung (Indizes der Gleichheit fallen um wieder anzusteigen).
Peter Berger fand das bestätigt und meinte, dass die Hauptursachen dieses Prozesses technologisch und demographisch, aber nicht sozial und politisch bedingt sind. Das sind Thesen von Ökonomen die Ungleichheiten des Einkommens messen und nicht Anrechtsschwellen.

Dahrendorf meint, dass das U eher wie ein Z aussehe. Eine Voraussetzung des modernen Wirtschaftswachstums ist das Vorhandensein von elementaren Bürgerrechten. Die Kraft des Bürgerstatus muss wirksam sein, damit der Kapitalismus aufglühen kann (moderner Arbeitsvertrag setzt Gleichheit vor dem Gesetz voraus). Der Grundstrich des Z bezeichnet das gemeinsame Niveau der wirtschaftlichen Teilnahme und damit den Fundamentalunterschied zu Systemen hierarchischer Vorrechte.

Bürgerrechte können aber mit massiven Ungleichheiten einhergehen.
1. Die Rechte waren selbst unvollständig, bürgerliche Gleichheit war Fiktion.
2. Bei Einbezug in industriellen Wachstumsprozess erfolgreich, sonst im Niemandsland (wie heute am Rande der großen Städte in den Wellblechhütten).

In den heutigen OECD Ländern sind zwei Dinge geschehen:
1. Der Virus des Bürgerstatus wurde virulent (Ausweitung der Bürgerrechte).
2. Der zweite Prozess lag im Wachstum des Angebots. Es gab mehr zu verteilen. Das ist der Strich hinauf im Z.

Peter Bergers Erklärung dieses Nivellierungsprozesses durch Technologie und Demographie bedeutet vor allem, dass im Verlauf der Entwicklung industrieller Gesellschaften die Arbeit zugleich knapper und qualifizierter wird.

Dahrendorf betont eine zentrale These seines Essays:
"Hier wird nicht angenommen, dass zwischen Anrechten und Angebot eine notwendige Wechselbeziehung der Kausalität oder auch des trade-off besteht. Im Gegenteil liegen die Triumphe der Freiheit in strategischen Veränderungen, die beide verbinden" (S. 148).

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist nicht sehr liberal. Kriege, Wirtschaftskrisen und Totalitarismen waren die Instrumente der Nivellierung.

Einkommensunterschiede, gemessen am Verhältnis des obersten Fünfteils zum untersten, haben sich nicht wesentlich verringert.

Was bedeutet diese Unveränderlichkeit der sozialen Unterschiede?

Ein Fortdauern tiefer sozialer Gegensätze? Erträglichkeit der Einkommensunterschiede? Einen notwendigen Anreiz für den Fortschritt?

Die in Dahrendorfs Essay verwendeten Begriffe liefern ein Kriterium der Entscheidung über solche Meinungsverschiedenheiten.

Die Schlüsselfrage ist also ob Schwellen bloße statistische Werte sind, wie 'obere 20 Prozent', oder reale Hindernisse für die Mobilität.

Ein Lehrer ist in seiner Bewegungsfreiheit (Aufstieg) durch stärkere Kräfte gehindert, als der kleine Unternehmer der die Chance hat ein reicher Mann zu werden.
Quantitative Unterschiede (Ungleichheiten) (T. H. Marshall) führen nicht zu qualitativen Klassenkonflikten.

Der amerikanische Traum lässt Möglichkeiten als real erscheinen, die vielleicht tatsächlich wegen unsichtbarer Anrechtsschwellen unerreichbar bleiben, während andernorts ein verbreitetes Klassendenken (England) Menschen daran hindern kann, ihre tatsächlichen Chancen wahrzunehmen.

Marshalls These besagt, dass es in modernen Gesellschaften einen Wandel von qualitativen zu quantitativen Unterschieden gegeben hat.
Ob dieser Wandel real ist wird uns noch beschäftigen. Auch Marshall schrieb wie Aron über die industrielle Gesellschaft der 50er Jahre. Aron definierte sie als Gesellschaft in der die Großindustrie die charakteristische Form der Produktion ist.
Daraus folgen Trennung von Betrieb und Familie, fortgeschrittene Arbeitsteilung, Akkumulation von Kapital, rationale Buchführung und Wachstum als zentrales Problem der Ökonomie denn moderne Volkswirtschaften sind 'im Kern fortschrittlich'.
Aron fügt hinzu, dass "in den meisten Fällen Wirtschaftswachstum von einer besseren Verteilung begleitet wird".

Dahrendorf sagt aber klar dazu, dass Wachstum als solches keine 'bessere', also fairere oder gerechtere Verteilung hervorbringt. Aron sieht wirtschaftliches Wachstum als selbstverständlich an.
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Quelle: Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf, Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch, Exzerpt: transitenator
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Im 19. Jahrhundert war der Optimismus liberal, der Pessimismus bei den Sozialisten. Heute ist der Optimismus weder liberal noch sozialistisch, er ist im wesentlichen technisch.

Der Schlüssel zur modernen Wirtschaftsgeschichte ist der technische Fortschritt (Fourastié).
Daniel Bells 'postindustrielle Gesellschaft' ist auch ein Ergebnis technisch-wissenschaftlicher Veränderungen, und bis auf den heutigen Tag glauben viele, dass wissenschaftliche Entdeckungen und ihre technische Anwendung der gemeinsame Grund für Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit sind.

Dahrendorf hat dazu eine gewisse Skepsis denn:
Der technische Fortschritt ist kein Selbstläufer, kein Prozess, der isoliert und nur für sich abläuft. Zumindest das E in F & E, also die Entwicklung der Forschung, ist immer eine Antwort auf reale Fragen, und Erfindungen müssen angewendet werden, um etwas zu bewirken.

Wenn Technokraten herrschen (wie Bürokraten), dann können sie nur extrapolieren, nicht dagegen die Richtung verändern. Wenn es um Richtungsänderungen geht, muss manfrau die sozialen Kräfte und die Akteure finden, die für den Gebrauch von Wissenschaft und Technologie, oder auch von Bürokratie, verantwortlich sind, indem sie die Zwecke bestimmen, für die solche Instrumente verwendet werden.

Rationalität alleine reicht nicht aus
, um den Weg der Freiheit zu entwerfen (S.151).

Aron hatte also nicht nur seinen Weber sondern auch seinen Schumpeter gelesen: "Damit eine Wirtschaft auf die Dauer vorankommen kann, müssen Bedingungen vorhanden sein, in denen die Wirtschaftssubjekte die für das Wachstum nötigen Entscheidungen treffen". Unternehmer sind ebenso erforderlich wie der technische Fortschritt, Politiker ebenso wie die Umsetzung von Politik durch Verwaltungen.

Wirtschaftswachstum ist nicht alles.

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