Posts mit dem Label Staatenbildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Staatenbildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20070714

Konkurrenz Gleichgewicht Machtposition tz-10

Heute bilden diese Staaten analoge Gleichgewichtssysteme frei konkurrierender Menschenverbände. Diese Staaten werden unter dem Druck der Spannungen, unter dem Zwang der Konkurrenzmechanismen stärker und stärker gegeneinander getrieben.

Wiederum sind viele, rivalisierende Herrschaftsverbände so miteinander verflochten, dass jeder Verband, der stehen bleibt, der nicht an Stärke gewinnt, in die Gefahr kommt, schwächer und von anderen Staaten abhängig zu werden.

Diese mächtigen Staatenverbände drängen einander in einer unaufhörlichen Schraubenbewegung gegenseitig zur Ausdehnung und zur Verstärkung ihrer Machtposition (S. 435).

-o-o-o-

20070625

Der Staat bin ich. Werdender Absolutismus zt-66

Es ist die Stärke der Antagonismen zwischen den verschiedenen Gruppen dieser Gesellschaft, die der Zentralfunktion ihre Stärke gibt. Die bürgerliche Oberschicht steht nicht nur in einem Spannungsverhältnis zu den weltlichen und geistlichen Feudalherren, sondern auch zu den unteren, städtischen Schichten.

Hier ist es vor allem die Uneinigkeit der städtischen Schichten selbst, die den Zentralherrn begünstigt. Nicht nur die soziale sondern auch die regionale Zerspaltenheit begünstigt die Zentralfunktion. So sind die Verflechtungen zwischen den Städten noch nicht eng genug.

Gegenüber dem gesammelten Widerstand aller Bevölkerungsteile müsste das Königtum unterliegen. Jeder einzelnen Schicht, jeder einzelnen Region gegenüber ist die Zentralfunktion der stärkere Teil (S. 296).

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten, Gestaltung & Anmerkungen: Transitenator
-o-o-o-
Jede Machtprobe dieser Art treibt die Verfügungsgewalt des Zentralherrn um ein weiteres Stück voran. Die Bildungsgeschichte der 'Chambre des Aides' ist voll von Erschütterungen bis schließlich eine festgefügte Institution des königlichen Herrschaftsapparates daraus wird. Die Machtproben in diesen Schwankungen geben auch ein Bild von der Soziogenese der Königsfunktion.

Es macht verständlich, wie wenig alle diese Funktionen und Gebilde aus langfristigen Plänen und als bewusste Schöpfungen Einzelner, wie sehr sie als Verflechtungserscheinungen im beständigen Ringen der gesellschaftlichen Kräfte, in tausend kleinen Schritten und Tastversuchen entstehen (S. 297).

Die einzelnen Könige selbst, sind in ihren Handlungen, in ihrer Entfaltung ihrer persönlichen Kräfte völlig abhängig von der Lage, in der sie die Königsfunktion vorfinden.

Karl VII. ist nicht persönlich stark, das Königtum wird in seiner Zeit stärker und stärker. Im Krieg haben sich die ganzen finanziellen und menschlichen Hilfsmittel in der Hand der Zentralgewalt gesammelt. Zentralisierung der Heerführung, monopolistische Verfügung über die Abgaben ist vorangekommen.

Der König hat ein Übergewicht im Inneren. Er lässt 1436 erklären, dass ihm die Stände die 'Aides' für unbegrenzte Zeit bewilligt habe. Er hat nicht einmal die Ständeversammlung einberufen. Diese Ausschaltung der Ständeversammlung ist einfach ein Ausdruck für die gesellschaftliche Stärke des Königs. Der König hält die Verständigung mit den Besteuerten für nicht notwendig. Es kommt zu Widerstandsversuchen.

Aber jede dieser Machtproben zeigt immer von neuem und immer entschiedener, wie zwingend in dieser Phase mit der fortschreitenden Differenzierung und Verflechtung der Gesellschaft auch die Stärke der Zentralfunktion wächst.

Immer wieder ist es die in der Hand der Zentrale konzentrierte Kriegsmacht, die die Verfügungsgewalt der Zentralfunktion über die Abgaben sichert und steigert, und es ist die konzentrierte Verfügung über die Steuern, die eine immer stärkere Monopolisierung der physischen Gewaltausübung, der Kriegsmacht, ermöglicht.

Schritt für Schritt schrauben sich beide Machtmittel hoch, bis sich schließlich an einem bestimmten Punkt die überlegene Stärke, die die Zentralfunktion in diesem Prozess gewinnt, vor den Augen der erstaunten und erbitterten Zeitgenossen unverhüllt zeigt. Das alles bricht als etwas Neues über die Menschen herein, sie wissen nicht wie und warum (S. 298, 299).

Es sind die Untertanen, die auf den öffentlichen Charakter der Funktion des Königs hinweisen. Ausdrücke, wie 'öffentliche Sache', 'Vaterland', 'Staat' werden zunächst meist in der Opposition zu den Fürsten und Königen gebraucht.
Die Könige verfügen über ihr Herrschaftsgebiet, wie über privates Besitztum. In diesem Sinn muss man das verstehen: "Der Staat bin ICH".

Das Erstaunen über die Entwicklungsrichtung beschränkt sich nicht auf die Franzosen. Elias zitiert venezianische Gesandtenberichte in denen auch ein gewisses Erstaunen zum Ausdruck kommt. Gerade in diesen Schilderungen stößt manfrau auf wichtige Struktureigentümlichkeiten, auf Schlüsselstellungen des Absolutismus und bis zu einem gewissen Grad, des Staates überhaupt:

Die Ausgaben haben das Primat vor den Einnahmen. Dem Einzelnen in der Gesellschaft wird es zur Gewohnheit und Notwendigkeit gemacht seine Ausgaben streng nach den Einnahmen zu richten.
Im Haushalt eines gesellschaftlichen Ganzen bilden die Ausgaben den festen Punkt; und von ihnen werden die Einnahmen abhängig gemacht, nämlich die Abgaben, die man auf Grund des Steuermonopols von den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft fordert.

Auch das ist ein Beispiel dafür, wie das Ganze, das sich aus der Verflechtung der Individuen ergibt, Aufbaueigentümlichkeiten besitzt und Gesetzlichkeiten unterliegt, die von denen des einzelnen Menschen verschieden und nicht vom Einzelnen her zu verstehen sind (S. 302).

Die einzige Grenze, die dem Geldbedarf einer solchen gesellschaftlichen Zentrale gesetzt ist, bildet die Steuerkapazität der Gesamtgesellschaft und die gesellschaftliche Stärke der einzelnen Gruppen im Verhältnis zu den verfügungsberechtigten Herren des Steuermonopols innerhalb ihrer.

Später (unter der Kontrolle bürgerlicher Schichten) trennt sich die Haushaltsführung der Gesamtgesellschaft mit aller Entschiedenheit von der Haushaltsführung der einzelnen Personen (die die zentralen Monopole als Funktionäre der Gesellschaft verwalten). Die Könige bzw. Zentralherren haben dann ihre festgelegten Bezüge und richten ihre Ausgaben nach den Einnahmen.

In der ersten Phase des vollendeten Monopols verhält es sich anders.
Königshaushalt und Gesellschaftshaushalt sind noch ungetrennt. Die Könige machen die Abgaben, die sie fordern, von den Ausgaben abhängig (Kriege, Schlösserbau, Geschenke an Günstlinge).

Die Schlüsselmonopole der Herrschaft haben hier in der Tat den Charakter von persönlichen Monopolen. Der venezianische Beobachter um 1500 sieht diese Neubildungen nicht ohne Neugierde.

"Abgesehen davon, dass der König mächtig durch seine Waffen ist, er hat auch durch den Gehorsam seines Volkes Geld... die Landbevölkerung, die den Hauptteil dieser Lasten trägt, sehr arm ist"(S. 304).

"...keines ist so geeint und gehorsam wie Frankreich ... die Ursache seines Ansehens: Einheitlichkeit und Gehorsam ... ihre Freiheit und ihren Willen vollkommen dem König übergeben ... das Ganze wird exekutiert und prompt getan, als ob sie das alle beschlossen hätten ... Belohnungen, nur für Lebenszeit zu geben ... gibt man nur für Lebenszeit, so belohnt man nur die, die es verdienen ... da es nichts als arme Fürsten gibt, so haben sie weder den Sinn noch die Möglichkeit etwas gegen den König zu versuchen ..." (S. 305, 306).

In diesen Berichten der venezianischen Gesandten bekommt manfrau einen Überblick über die entscheidenden Aufbaueigentümlichkeiten des werdenden Absolutismus:
Ein Feudalherr hat die Vormacht vor allen seinen Konkurrenten, die Oberherrschaft über alle Böden gewonnen.

Und diese Verfügung über die Böden kommerzialisiert sich oder monetarisiert sich mehr und mehr. Die Wandlung äußert sich einmal darin, dass der König ein Monopol der Abgabeneinziehung und -festsetzung über das ganze Land hin besitzt, so dass er über das bei weitem größte Einkommen des Landes verfügt. Aus dem Boden besitzenden und Boden vergebenden König wird mehr und mehr ein über Geld verfügender und Geldrenten vergebender König.

Eben damit vermag der König auch immer mehr den verhängnisvollen Zirkel der naturalwirtschaftlichen Herrscher zu durchbrechen. Er bezahlt die Dienste (militärische, höfische, verwaltende) nicht mehr durch Weggabe von Teilen seines Besitzes an Dienende (als deren erbliches Eigentum), sondern vergibt bestenfalls Böden und Geldrenten auf Lebenszeit weg und zieht sie dann wieder ein, so dass sich der Kronbesitz nicht verringert.

Der König belohnt nun hauptsächlich mit Geldgeschenken und Gehältern. (Die Eigenart des Geldes überhebt den König der Notwendigkeit mit Boden zu belohnen, sie überhebt ihn der Notwendigkeit durch ein lebenslängliches vererbliches Besitztum zu vergelten). (Das ist etwas erstaunlich Neues vor den Augen der Menschen damals, für uns heute ist das selbstverständlich).

Der König zentralisiert die Abgaben des ganzen Landes und verteilt sie wieder nach seinem Gutdünken und im Interesse seiner Herrschaft, so dass eine immer wachsende Anzahl von Menschen im ganzen Lande von der Gunst des Königs, von seinen Geldzahlungen der königlichen Finanzverwaltung abhängig sind.
Es sind die mehr oder weniger privaten Interessen der Könige und ihrer nächsten Diener, die zu einer Ausnutzung der gesellschaftlichen Chancen in dieser Richtung hin drängen; aber was sich in dem Interessenkampf der verschiedenen sozialen Funktionen herausbildet, ist jene Organisationsform der Gesellschaft, die wir 'Staat' nennen: Das Steuermonopol ist zusammen mit dem Monopol der physischen Gewalt das Rückgrad dieser Organisationsform.

Manfrau kann die Genese von 'Staaten' nicht verstehen, solange manfrau sich nicht Rechenschaft darüber gibt, wie sich eines dieser Zentralinstitute des 'Staates' im Zuge der Beziehungsdynamik, nämlich auf Grund einer ganz bestimmten Zwangsläufigkeit der Beziehungsstrukturen, der ineinander verflochtenen Interessen und Aktionen, Schritt für Schritt heranbildet (S. 307).

Erst die Monetarisierung der Gesellschaft macht stabile Zentralorgane möglich: Die Geldzahlung hält alle darauf Angewiesenen in dauernder Abhängigkeit von der Zentrale. Nun erst können die zentrifugalen Tendenzen gebrochen werden (S. 308).

Und aus diesem größeren Zusammenhang muss manfrau verstehen was dem Adel in dieser Zeit geschieht: Der König hat in der vorangehenden Zeit, als der Adel noch stärker war, seine Macht als Zentralherr zugunsten des Bürgertums eingesetzt; so ist aus seinem Herrschaftsapparat eine Bastion des Bürgertums geworden.

Nun im Zuge der Geldverflechtung und der militärischen Zentralisierung, wo die Krieger und der Adel immer mehr ins Sinken gerät, setzt der König sein Gewicht und die Chancen, die er zu verteilen hat wieder mehr zugunsten des Adels ein. Er schafft einem Teil des Adels die Möglichkeit, als eine gehobene Schicht über dem Bürgertum fortzubestehen. Nach den letzten Widerstandsversuchen (Religionskriege, Fronde) werden die Hofämter zu einem Privileg und zu einer Bastion des Adels.

Auf diese Weise schützen die Könige den Vorrang des Adels, verteilen Gunst und Geldchancen. Aber damit wird aus dem relativ freien Kriegeradel von ehemals ein Adel, der lebenslänglich in Abhängigkeit und im Dienst des Zentralherrn steht. Aus Rittern werden Höflinge (S. 309).

-o-o-o-

20070616

Zentralisierung Staatenbildung Absolutismus zt-57

Der Verflechtungsmechanismus bestimmt die Zentralgewalt.

Die 'Zentralisierung', die Staatenbildung ist von außerhalb betrachtet worden (Seite der 'auswärtigen Angelegenheiten'). Nun stellt sich das Komplementärproblem.

Es stellt sich nun die Aufgabe jenen Verflechtungsvorgängen nachzugehen die innerhalb einer dieser Herrschaftseinheiten, der Zentralgewalt eine besondere Stärke und Festigkeit und damit dem Ganzen die Gestalt eines 'absolutistischen Staates' geben.

In der geschichtlichen Wirklichkeit wirken diese beiden Prozessreihen (die Gewichtsverteilung und -veränderung der Schichten innerhalb einer Herrschaftseinheit und die Gewichtsverlagerungen im Spannungssystem der verschiedenen Herrschaftseinheiten) unablässig ineinander (Anm: 'Innen- u. Außenpolitik').

Im Zuge der Konkurrenzkämpfe wächst langsam ein Fürstenhaus über die anderen hinaus. Es wächst in die Funktion eines obersten Regulators, aber es hat diese Funktion nicht geschaffen.
Sie fällt ihm kraft der Größe seines in Konkurrenzkämpfen akkumulierten Besitzes und der monopolistischen Verfügungsgewalt über Kriegsinstrumente und Abgaben zu; sie selbst aber bildet sich, sie erhält ihre Gestalt und ihre jeweilige Stärke kraft der zunehmenden Differenzierung der Funktionen im Ganzen dieses Gesellschaftsverbandes (S. 229).

Am Ausgang des Mittelalter erlangt der Zentralherr eine überaus große gesellschaftliche Stärke. Gerade in dieser Zeit gewinnt der Kreislauf der funktionsteiligen Aktionsketten eine immer größere Weite und Festigkeit. Die Eigengesetzlichkeit der gesellschaftlichen Prozesse, der Funktionärscharakter der Zentralgewalt macht sich nun bereits stärker geltend als im Mittelalter.

Ohne Zweifel ist Ludwig XIV. bereits viel stärker an diesen Kreislauf, an dieses Eigengesetz der Aktionsketten gebunden, als z.B. Karl der Große.

(Frage:) Wieso hatte der Zentralherr einen so großen Entscheidungsspielraum, ein so hohes Maß an gesellschaftlicher Stärke in der Phase der Staatenbildung ('Absolutheit')?
Warum erhöht sich seine gesellschaftliche Stärke wo er doch auch mit der voranschreitenden Funktionsteilung in funktionelle Abhängigkeit von den anderen Funktionen gerät?

Auf Grund einer eigentümlichen Verflechtungskonstellation war die Angewiesenheit, gerade der Spitzenschichten auf einen obersten Koordinator und Regulator in dieser Phase so groß, dass sie den Kampf um die Kontrolle und um die Mitbestimmung bei den obersten Entscheidungen für längere Zeit aufgeben mussten (S. 230).

-o-o-o-

20070601

Hegemonie Monopol Staatenbildung zt-51

Wichtig der Unterschied zwischen den beiden Fragestellungen zu unterscheiden, einmal dem allgemeinen Problem der Monopol- und Staatenbildung und andererseits der spezielleren Frage, warum gerade ein bestimmtes Kriegerhaus die Hegemonie gewann. Dieser Unterschied ist im Auge zu behalten.

Es ist immer ein Haus, eine Familie als gesellschaftliche Einheit, die sich durchsetzt, nicht ein Einzelner. Um 1032 war das Gebiet 'Frankreichs' in größere und kleiner Territorialherrschaften aufgespalten. Aber die Chancen der kleineren Feudalhäuser sind nicht sehr groß. Das tritt im Laufe des 11. Jahrhunderts zutage.

Es gibt Kämpfe zwischen den Fürstenhäusern um die Vormacht innerhalb eines größeren Gebietes. Der Verflechtungsmechanismus des freien Konkurrenzkampfes treibt sein Spiel von nun ab innerhalb eines beschränkteren Kreises, nämlich unter denjenigen Kriegerfamilien, die zu Zentralhäusern eines Territoriums geworden sind (S. 163).

Elias beschreibt nun die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft auf den Gebieten Frankreichs und Englands. In Frankreich das Haus der Herzöge von Francien, die Kapetinger. England: Wilhelm der Eroberer,.sein Haus sind die Plantagenets. Anfangs des 12. Jahrhunderts unter Ludwig VI. Eroberungen und Gegeneroberungen.

Überall versuchen die Einheiten zweiter Stärke einen Block gegenüber jener Einheit zu bilden, die durch Zusammenschluss vieler Gebiete der Vormachtstellung am nächsten ist; eine Blockierung provoziert die andere; wie lange das Spiel auch hin und her geht, das System als Ganzes tendiert zum festeren Zusammenschluss immer größerer Gebiete um ein Zentrum zur Konzentrierung der wirklichen Entscheidungsgewalt bei immer weniger Einheiten und schließlich in einem einzigen Zentrum (S. 169).

Die einzelnen Herrschaftsgebilde hatten noch keine sehr große Festigkeit; sie waren Privatunternehmungen und wie diese unterworfen den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten des Konkurrenzkampfes.

In dieser Zeit (Ende des 12. Jahrhunderts) handelt es sich noch nicht um Kämpfe zwischen Staaten oder Nationen (es gibt unverständlich bleibende Bildungsgeschichten von 'Staaten' oder 'Nationen'). Vielmehr handelt es sich hier um einen Kampf konkurrierender oder rivalisierender Fürstenhäuser, die zunächst als kleine dann als immer größere Einheiten zur Expansion treiben (S. 172).

In diesem beständigen Ringen verschwindet ein Fürstenhaus nach dem anderen. Die Integrierung oder der Zusammenschluss von Gebieten, bedeutet in erster Linie die Besiegung eines Kriegerhauses durch ein anderes, also das Aufgehen des einen im anderen oder bestenfalls seine Unterwerfung, seine Abhängigkeit von dem Sieger (S. 178).

Am Anfang des 14. Jahrhunderts Aussterben der Kapetinger. Im 14. Jahrhundert stellen die vielen Kriegerhäuser einzeln keine Macht mehr dar die zählt. Die eigentliche Initiative liegt bei ganz wenigen Kriegerhäusern, die als vorläufige Sieger aus den bisherigen Ausscheidungskämpfen hervorgegangen sind, und die soviel Boden akkumuliert haben, dass alle andere Kriegerhäuser sich nicht mehr mit ihnen zu messen vermögen, sondern nur in Abhängigkeit von ihnen handeln können.

Dem Gros der Krieger bleibt nun der soziale Aufstieg im großen und ganzen verschlossen. Die Zahl derer, die konkurrieren können ist immer geringer geworden. Im westfränkischen Gebiet zählen neben dem Haus von Francien nur noch 4 andere Häuser und zwischen ihnen muss sich entscheiden wer über das Herrschaftsmonopol verfügen und wo das Zentrum und Grenzen des Monopolgebietes liegen wird.

Aus einer Kriegergesellschaft mit relativ freier Konkurrenz ist eine Gesellschaft mit monopolartig beschränkter Konkurrenz geworden (S. 179).

20070531

Konkurrenzdruck Monopol Staaten Bildung zt-49

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-

Die erste Station des aufsteigenden Königshauses sind Konkurrenzkämpfe und Monopolbildung im Rahmen eines Territoriums.

(Frage:) Es bleibt zu zeigen, welche gesellschaftlichen Prozesse die Ausbildung eines stabilen Herrschaftsapparates und damit zugleich die Bändigung des Einzelnen möglich machen (S. 119).

Bleibt also die Aufgabe die Grundzüge jenes Triebwerkes von Prozessen aufzuzeigen, kraft deren einem der großen Feudal- oder Territorialherrn, dem König, ein Übergewicht über die anderen gegeben wurde und die Chance, eine stabilere Herrschaftsapparatur über ein Gebiet, das viele Territorien umfasst, einen 'Staat' zu lenken.

Das ist zugleich der Weg, der vom Verhaltensstandard der 'Courtoisie' zum Standard der 'Civilité' führt.

Die Königskrone bedeutet in verschiedenen Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung etwas sehr verschiedenes.

Am Beginn des 12. Jahruhunderts ist das ehemalige westfränkische Reich in eine Reihe verschiedener Herrschaftseinheiten zerfallen.
Zunächst ist der der Träger der Königskrone nichts anderes als ein großer Feudalherr. (Ludwig VI. 1108-1137 König). Er ist im wesentlichen Großgrundbesitzer.

Schwache ökonomische Entwicklung, geringe Entwicklung der Transportwege. Verbindungsprobleme.
Die Beziehungen der großen Feudalherren zu den Trägern der Krone sind auf ein Mindestmaß beschränkt.
Später wird dann der kapetingische Domänenbesitz so groß, und kraft der wirtschaftlichen und militärischen Chancen, so dass sie dem Konkurrenzbereich der anderen Krieger entwachsen und eine Art von Monopolstellung in diesem Territorium einnahmen.

In jedem Territorium gelingt es früher oder später durch die Akkumulation von Landbesitz eine Vormachtstellung, Hegemonie oder Monopolstellung zu gewinnen, zuungunsten der vielen kleinen und mittleren Ritterfamilien.

Das Hausgut und die Herrschaft im engeren Stammesgebiet bildet bei dem Aufbau dieser Gesellschaft das wichtigste, militärische und finanzielle Fundament, auch der Königsmacht.

Ludwig VI legt den Grund für die folgende Expansion seines Hauses. Er schafft ein potentielles Kristallisationszentrum für das größere Gebiet Frankreichs.
Keine prophetischen Visionen sondern er handelt unter den unmittelbaren Zwängen seiner aktuellen Situation (S. 128).

Der Mechanismus der Vormachtbildung ist immer der gleiche. Durch Akkumulation des Besitzes, wachsen einzelne Unternehmungen aus dem Konkurrenzbereich heraus und kämpfen miteinander bis nur mehr eines oder zwei einen bestimmten Zweig der Wirtschaft kontrollieren und beherrschen.
Ist die Vorherrschaft eines Kriegerhauses in einem kleinere Gebiet gefestigt, dann tritt der Kampf um die Hegemonie in einem weiteren Gebiet in den Vordergrund.

Die Größe des 'deutschen Imperiums' gab den lokalen, zentrifugalen Tendenzen eine andere Stärke; machte die Zentralisierung schwerer.

Die Größenordnung in der sich gesellschaftliche Prozesse abspielen, bildet ein wichtiges Element ihrer Struktur.

Hier weit größere Spannungen und Interessengegensätze als im westfränkischen Gebiet. Ein Haus nach dem anderen verbrauchte hier im Kampf um die Hegemonie seinen Stammes- oder Domanialbesitz (S. 131).

Der Mechanismus der Staatenbildung ist im europäischen Raum (die naturalwirtschaftliche Phase gelangt kontinuierlich in eine geldwirtschaftliche) immer der gleiche.
In der Geschichte der europäischen Staaten gibt es immer eine frühe Phase, bei der territoriale Herrschaftseinheiten die entscheidende Rolle spielen (z.B. feudale Territorialherrschaften).
Aus den Institutionen eines feudalen Territoriums werden dann kontinuierlich Institutionen eines Staates und eines Imperiums.

Schematisch gezeichnet verläuft der Prozess zwischen den verschiedenen benachbarten Territorialherrschaften ganz analog zu jenem, der sich zuvor innerhalb eines festen Territoriums zwischen den einzelnen Gutsherren der Rittern bis zum Erwerb der Vormachtstellung, eines über die anderen, abspielt.

In der folgenden Phase konkurrieren die nächstgrößeren Herrschaftseinheiten miteinander. Es besteht die ständige Notwendigkeit zu expandieren, wenn sie nicht besiegt oder abhängig werden wollen (S. 133).

Die Konkurrenz um den Boden im Inneren verstärkt sich. Wer bei solchem Konkurrenzdruck nicht 'mehr' erwirbt, wird automatisch 'weniger'.
Ein Druck durchzieht die ganze Gesellschaft. Er treibt auch die Territorialherren gegeneinander und setzt eben damit den Monopolmechanismus in Gang.

Einige werden stärker, andere steigen aus. Der Ausscheidungsprozess wiederholt sich bis die Entscheidung schließlich nur mehr zwischen zwei Territorialherrschaften steht.
In diesen gesellschaftlichen 'Ausscheidungskämpfen', spielen sicherlich persönliche Qualifikationen Einzelner, sowie andere 'Zufälle' eine Rolle, aber der gesellschaftliche Prozess, die Tatsache, dass eine Gesellschaft mit relativ gleich großen Macht- und Besitzeinheiten bei starkem Konkurrenzdruck zur Vergrößerung einiger weniger und schließlich zu einer Monopolbildung tendiert, ist von solchen Zufällen weitgehend unabhängig.

Früher oder später kommt es zu einer solchen Monopolbildung -unter den bisherigen Aufbaubedingungen- mit einer hohen Wahrscheinlichkeit. Ist dieser einfache gesellschaftliche Mechanismus einmal in Gang gesetzt, arbeitet er weiter, wie ein Uhrwerk.

"Ein Menschengeflecht, in dem kraft der Größe ihrer Machtmittel relativ viele Einheiten miteinander konkurrieren, neigt dazu, diese Gleichgewichtslage (Balance vieler durch viele, relativ freie Konkurrenz) zu verlassen und sich einer anderen zu nähern, bei der immer weniger Einheiten miteinander konkurrieren können; sie nähert sich mit anderen Worten einer Lage, bei der eine gesellschaftliche Einheit durch Akkumulation ein Monopol über die umstrittenen Machtchancen erlangt" (S. 135).

Ein Mechanismus dieser Art ist auch bei der Staatenbildung am Werk.
Deutschland: Bei der Größe dieses Gebietes war die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung eines 'Kristallisationszentrums' geringer.
Die Ausscheidungskämpfe nahmen mehr Zeit in Anspruch. Schließlich dann doch: die Territorialmacht der Hohenzollern. Sie erlangte die Vormacht unter den deutschen Territorialherrschaften.

Dann beim nächsten Kampf (mit den Habsburgern), der die stärkere Integration einleitete, die Staatenbildung. Die Habsburger schieden aus.

Deutschland zerbröckelte, es zerfiel relativ spät und wurde immer kleiner.

In England und Frankreich ist der Trend der Bewegung annähernd umgekehrt.
Langsames Wachstum vom kleinen zum größeren hin.

In England war gerade wegen der Beschränktheit des Gebietes eine Einigung der verschiedenen Stände und vor allem der Krieger des ganzen Gebietes gegen den Zentralherren leichter möglich.

misterlinker

backlinksite

stats

BlogCatalog News

twittercounter

TwitterCounter for @transitenator

twitter updates

BC Neighbors

Blogger:

Mein Bild
Bad Goisern @ HallstaetterSee, Upper Austria, Austria
Austrian Blogger Stumbler Digger Social Networker Promoter etc-
Powered By Blogger

  © Blogger template Brooklyn by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP