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20070625

Der Staat bin ich. Werdender Absolutismus zt-66

Es ist die Stärke der Antagonismen zwischen den verschiedenen Gruppen dieser Gesellschaft, die der Zentralfunktion ihre Stärke gibt. Die bürgerliche Oberschicht steht nicht nur in einem Spannungsverhältnis zu den weltlichen und geistlichen Feudalherren, sondern auch zu den unteren, städtischen Schichten.

Hier ist es vor allem die Uneinigkeit der städtischen Schichten selbst, die den Zentralherrn begünstigt. Nicht nur die soziale sondern auch die regionale Zerspaltenheit begünstigt die Zentralfunktion. So sind die Verflechtungen zwischen den Städten noch nicht eng genug.

Gegenüber dem gesammelten Widerstand aller Bevölkerungsteile müsste das Königtum unterliegen. Jeder einzelnen Schicht, jeder einzelnen Region gegenüber ist die Zentralfunktion der stärkere Teil (S. 296).

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Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten, Gestaltung & Anmerkungen: Transitenator
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Jede Machtprobe dieser Art treibt die Verfügungsgewalt des Zentralherrn um ein weiteres Stück voran. Die Bildungsgeschichte der 'Chambre des Aides' ist voll von Erschütterungen bis schließlich eine festgefügte Institution des königlichen Herrschaftsapparates daraus wird. Die Machtproben in diesen Schwankungen geben auch ein Bild von der Soziogenese der Königsfunktion.

Es macht verständlich, wie wenig alle diese Funktionen und Gebilde aus langfristigen Plänen und als bewusste Schöpfungen Einzelner, wie sehr sie als Verflechtungserscheinungen im beständigen Ringen der gesellschaftlichen Kräfte, in tausend kleinen Schritten und Tastversuchen entstehen (S. 297).

Die einzelnen Könige selbst, sind in ihren Handlungen, in ihrer Entfaltung ihrer persönlichen Kräfte völlig abhängig von der Lage, in der sie die Königsfunktion vorfinden.

Karl VII. ist nicht persönlich stark, das Königtum wird in seiner Zeit stärker und stärker. Im Krieg haben sich die ganzen finanziellen und menschlichen Hilfsmittel in der Hand der Zentralgewalt gesammelt. Zentralisierung der Heerführung, monopolistische Verfügung über die Abgaben ist vorangekommen.

Der König hat ein Übergewicht im Inneren. Er lässt 1436 erklären, dass ihm die Stände die 'Aides' für unbegrenzte Zeit bewilligt habe. Er hat nicht einmal die Ständeversammlung einberufen. Diese Ausschaltung der Ständeversammlung ist einfach ein Ausdruck für die gesellschaftliche Stärke des Königs. Der König hält die Verständigung mit den Besteuerten für nicht notwendig. Es kommt zu Widerstandsversuchen.

Aber jede dieser Machtproben zeigt immer von neuem und immer entschiedener, wie zwingend in dieser Phase mit der fortschreitenden Differenzierung und Verflechtung der Gesellschaft auch die Stärke der Zentralfunktion wächst.

Immer wieder ist es die in der Hand der Zentrale konzentrierte Kriegsmacht, die die Verfügungsgewalt der Zentralfunktion über die Abgaben sichert und steigert, und es ist die konzentrierte Verfügung über die Steuern, die eine immer stärkere Monopolisierung der physischen Gewaltausübung, der Kriegsmacht, ermöglicht.

Schritt für Schritt schrauben sich beide Machtmittel hoch, bis sich schließlich an einem bestimmten Punkt die überlegene Stärke, die die Zentralfunktion in diesem Prozess gewinnt, vor den Augen der erstaunten und erbitterten Zeitgenossen unverhüllt zeigt. Das alles bricht als etwas Neues über die Menschen herein, sie wissen nicht wie und warum (S. 298, 299).

Es sind die Untertanen, die auf den öffentlichen Charakter der Funktion des Königs hinweisen. Ausdrücke, wie 'öffentliche Sache', 'Vaterland', 'Staat' werden zunächst meist in der Opposition zu den Fürsten und Königen gebraucht.
Die Könige verfügen über ihr Herrschaftsgebiet, wie über privates Besitztum. In diesem Sinn muss man das verstehen: "Der Staat bin ICH".

Das Erstaunen über die Entwicklungsrichtung beschränkt sich nicht auf die Franzosen. Elias zitiert venezianische Gesandtenberichte in denen auch ein gewisses Erstaunen zum Ausdruck kommt. Gerade in diesen Schilderungen stößt manfrau auf wichtige Struktureigentümlichkeiten, auf Schlüsselstellungen des Absolutismus und bis zu einem gewissen Grad, des Staates überhaupt:

Die Ausgaben haben das Primat vor den Einnahmen. Dem Einzelnen in der Gesellschaft wird es zur Gewohnheit und Notwendigkeit gemacht seine Ausgaben streng nach den Einnahmen zu richten.
Im Haushalt eines gesellschaftlichen Ganzen bilden die Ausgaben den festen Punkt; und von ihnen werden die Einnahmen abhängig gemacht, nämlich die Abgaben, die man auf Grund des Steuermonopols von den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft fordert.

Auch das ist ein Beispiel dafür, wie das Ganze, das sich aus der Verflechtung der Individuen ergibt, Aufbaueigentümlichkeiten besitzt und Gesetzlichkeiten unterliegt, die von denen des einzelnen Menschen verschieden und nicht vom Einzelnen her zu verstehen sind (S. 302).

Die einzige Grenze, die dem Geldbedarf einer solchen gesellschaftlichen Zentrale gesetzt ist, bildet die Steuerkapazität der Gesamtgesellschaft und die gesellschaftliche Stärke der einzelnen Gruppen im Verhältnis zu den verfügungsberechtigten Herren des Steuermonopols innerhalb ihrer.

Später (unter der Kontrolle bürgerlicher Schichten) trennt sich die Haushaltsführung der Gesamtgesellschaft mit aller Entschiedenheit von der Haushaltsführung der einzelnen Personen (die die zentralen Monopole als Funktionäre der Gesellschaft verwalten). Die Könige bzw. Zentralherren haben dann ihre festgelegten Bezüge und richten ihre Ausgaben nach den Einnahmen.

In der ersten Phase des vollendeten Monopols verhält es sich anders.
Königshaushalt und Gesellschaftshaushalt sind noch ungetrennt. Die Könige machen die Abgaben, die sie fordern, von den Ausgaben abhängig (Kriege, Schlösserbau, Geschenke an Günstlinge).

Die Schlüsselmonopole der Herrschaft haben hier in der Tat den Charakter von persönlichen Monopolen. Der venezianische Beobachter um 1500 sieht diese Neubildungen nicht ohne Neugierde.

"Abgesehen davon, dass der König mächtig durch seine Waffen ist, er hat auch durch den Gehorsam seines Volkes Geld... die Landbevölkerung, die den Hauptteil dieser Lasten trägt, sehr arm ist"(S. 304).

"...keines ist so geeint und gehorsam wie Frankreich ... die Ursache seines Ansehens: Einheitlichkeit und Gehorsam ... ihre Freiheit und ihren Willen vollkommen dem König übergeben ... das Ganze wird exekutiert und prompt getan, als ob sie das alle beschlossen hätten ... Belohnungen, nur für Lebenszeit zu geben ... gibt man nur für Lebenszeit, so belohnt man nur die, die es verdienen ... da es nichts als arme Fürsten gibt, so haben sie weder den Sinn noch die Möglichkeit etwas gegen den König zu versuchen ..." (S. 305, 306).

In diesen Berichten der venezianischen Gesandten bekommt manfrau einen Überblick über die entscheidenden Aufbaueigentümlichkeiten des werdenden Absolutismus:
Ein Feudalherr hat die Vormacht vor allen seinen Konkurrenten, die Oberherrschaft über alle Böden gewonnen.

Und diese Verfügung über die Böden kommerzialisiert sich oder monetarisiert sich mehr und mehr. Die Wandlung äußert sich einmal darin, dass der König ein Monopol der Abgabeneinziehung und -festsetzung über das ganze Land hin besitzt, so dass er über das bei weitem größte Einkommen des Landes verfügt. Aus dem Boden besitzenden und Boden vergebenden König wird mehr und mehr ein über Geld verfügender und Geldrenten vergebender König.

Eben damit vermag der König auch immer mehr den verhängnisvollen Zirkel der naturalwirtschaftlichen Herrscher zu durchbrechen. Er bezahlt die Dienste (militärische, höfische, verwaltende) nicht mehr durch Weggabe von Teilen seines Besitzes an Dienende (als deren erbliches Eigentum), sondern vergibt bestenfalls Böden und Geldrenten auf Lebenszeit weg und zieht sie dann wieder ein, so dass sich der Kronbesitz nicht verringert.

Der König belohnt nun hauptsächlich mit Geldgeschenken und Gehältern. (Die Eigenart des Geldes überhebt den König der Notwendigkeit mit Boden zu belohnen, sie überhebt ihn der Notwendigkeit durch ein lebenslängliches vererbliches Besitztum zu vergelten). (Das ist etwas erstaunlich Neues vor den Augen der Menschen damals, für uns heute ist das selbstverständlich).

Der König zentralisiert die Abgaben des ganzen Landes und verteilt sie wieder nach seinem Gutdünken und im Interesse seiner Herrschaft, so dass eine immer wachsende Anzahl von Menschen im ganzen Lande von der Gunst des Königs, von seinen Geldzahlungen der königlichen Finanzverwaltung abhängig sind.
Es sind die mehr oder weniger privaten Interessen der Könige und ihrer nächsten Diener, die zu einer Ausnutzung der gesellschaftlichen Chancen in dieser Richtung hin drängen; aber was sich in dem Interessenkampf der verschiedenen sozialen Funktionen herausbildet, ist jene Organisationsform der Gesellschaft, die wir 'Staat' nennen: Das Steuermonopol ist zusammen mit dem Monopol der physischen Gewalt das Rückgrad dieser Organisationsform.

Manfrau kann die Genese von 'Staaten' nicht verstehen, solange manfrau sich nicht Rechenschaft darüber gibt, wie sich eines dieser Zentralinstitute des 'Staates' im Zuge der Beziehungsdynamik, nämlich auf Grund einer ganz bestimmten Zwangsläufigkeit der Beziehungsstrukturen, der ineinander verflochtenen Interessen und Aktionen, Schritt für Schritt heranbildet (S. 307).

Erst die Monetarisierung der Gesellschaft macht stabile Zentralorgane möglich: Die Geldzahlung hält alle darauf Angewiesenen in dauernder Abhängigkeit von der Zentrale. Nun erst können die zentrifugalen Tendenzen gebrochen werden (S. 308).

Und aus diesem größeren Zusammenhang muss manfrau verstehen was dem Adel in dieser Zeit geschieht: Der König hat in der vorangehenden Zeit, als der Adel noch stärker war, seine Macht als Zentralherr zugunsten des Bürgertums eingesetzt; so ist aus seinem Herrschaftsapparat eine Bastion des Bürgertums geworden.

Nun im Zuge der Geldverflechtung und der militärischen Zentralisierung, wo die Krieger und der Adel immer mehr ins Sinken gerät, setzt der König sein Gewicht und die Chancen, die er zu verteilen hat wieder mehr zugunsten des Adels ein. Er schafft einem Teil des Adels die Möglichkeit, als eine gehobene Schicht über dem Bürgertum fortzubestehen. Nach den letzten Widerstandsversuchen (Religionskriege, Fronde) werden die Hofämter zu einem Privileg und zu einer Bastion des Adels.

Auf diese Weise schützen die Könige den Vorrang des Adels, verteilen Gunst und Geldchancen. Aber damit wird aus dem relativ freien Kriegeradel von ehemals ein Adel, der lebenslänglich in Abhängigkeit und im Dienst des Zentralherrn steht. Aus Rittern werden Höflinge (S. 309).

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20070616

Monetarisierung Kommerzialisierung Privilegien Königsmechanismus zt-61

Der Antagonismus hat gewiss nicht die Form eines bewussten Kampfes. Was den Ausschlag gibt, was die Spannungen produziert, sind auch hier weit weniger Pläne und bewusst gesetzte Kampfziele, als anonyme Verflechtungsmechanismen.

Es sind weit mehr die Mechanismen der vordringenden Monetarisierung und Kommerzialisierung, als bewusste Anschläge bürgerlich-städtischer Kreise, die am Ausgang des Mittelalters das Gros der ritterlichen Feudalherren bergab drängen (S. 242).
(Anm: Also hier: Sein bestimmt Bewusstsein :-).

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Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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Die Frage war: Wie war es möglich, dass sich eine absolutistische Zentralgewalt heran bildete, obwohl die Zentralherren nicht weniger abhängig waren von der ganzen funktionsteiligen Maschinerie, wie die Inhaber andere Stellen?

Das Schema des Königsmechanismus gibt die Antwort: Nicht mehr die militärische Stärke, nicht mehr die Größe der Besitztümer und Einnahmen allein können die gesellschaftliche Stärke des Zentralherren in dieser Phase erklären, sondern es bedarf überdies noch einer besonderen Kräfteverteilung im Inneren der Gesellschaft (S. 243).

Die gesellschaftliche Institution des Königtums erlangt ihre größte gesellschaftliche Stärke in jener Phase der Gesellschaftsgeschichte, in der ein schwächer werdender Adel mit aufsteigenden bürgerlichen Gruppen rivalisieren muss.
Die rascher fortschreitende Monetarisierung und Kommerzialisierung des 16. Jahrhunderts gibt bürgerlichen Gruppen einen mächtigen Auftrieb und drückt den Adel beträchtlich herab.
Am Ende der sozialen Kämpfe ist die Interdependenz zwischen Teilen des Adels und Teilen des Bürgerstandes beträchtlich größer geworden (S. 244).

Das Ziel des Bürgerstande war nicht die Beseitigung des Adels (wie dann 1789) als gesellschaftliche Institution, sondern es war selbst Adelstitel mit seinen Privilegien zu erlangen. Sie wollen den Adel nicht als solches beseitigen sondern bestenfalls als neuer Adel an die Stelle oder neben den alten Adel treten.
Die Spitzengruppe 'Noblesse de robe' betont während des 17. u. 18. Jahrhunderts, dass ihr Adel ein ebenso guter, wichtiger und echter Adel ist wie der des Schwertadels (S. 244).

Das Bürgertum war in jener Phase nicht die gleiche Formation wie heute, so eine Art selbstständiger Kaufleute.
Der sozial einflussreichste repräsentative Vertreter des Bürgertums im 17. u. 18. Jahrhundert war der bürgerliche Fürsten- oder Königsdiener, dessen Vorfahren gewiss Kaufleute waren, der aber selbst nun eine amtsähnliche Stellung innerhalb des Herrschaftsapparates bekleidet.

Bevor kaufmännische Schichten selbst die Spitzengruppe des Bürgertums bildeten, stehen hier zunächst an der Spitze des dritten Standes Beamte, Männer der Robe, die das Bürgertum in den Ständeversammlungen vertreten.

In Frankreich ist dieser Bürger eine Mischung von Rentier und Beamter, der seine Stelle im Staatsapparat als Besitztum gekauft oder von seinem Vater ererbt hat. Auf Grund dieser Amtsstellung genießt er eine Reihe von Privilegien z.B. Steuerfreiheit (S. 245).

Gemeinsam ist dem dritten Stand (1.= Klerus, 2. = Adel) vor allem ein Interesse: Das Interesse an der Aufrechterhaltung ihrer verschiedenen Privilegien. Denn durch Sonderrechte, durch Privilegien ist nicht nur die soziale Existenz des Adligen oder des Amtsinhabers ausgezeichnet; auf Privilegien ruht auch die Existenz des Kaufmanns in dieser Zeit ab; von Privilegien hängt der Bestand des Zunfthandwerks ab.

Bis in die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein ist das Bürgertum, wie der Adel selbst, eine ständische, durch Sonderrechte charakterisierte und aufrecht erhaltene Formation.

Hier stößt man jetzt auf jene Verflechtungsmaschinerie, kraft derer dieses Bürgertum niemals zu einem entscheidenden Schlag gegen den Adel (den Gegenspieler) ausholen kann. Es kann und will auch niemals die gesellschaftliche Institution der Privilegien selbst beseitigen, denn seine eigene soziale Existenz, an deren Erhaltung ihm alles liegt, wird ebenfalls durch Privilegien aufrecht erhalten und geschützt (S. 246).

Erst, wenn immer stärker im Zellenaufbau der Gesellschaft bürgerliche Existenzen hervortreten, deren gesellschaftliche Basis nicht mehr ständische Privilegien sind, dann erst sind die sozialen Kräfte vorhanden, die den Adel entschieden bekämpfen können, die nicht nur einzelne Adelsprivilegien sondern das gesellschaftliche Institut der Adelsprivilegien selbst beseitigen wollen (S. 246, 247).

In der Tat ist die Revolution von 1789 nicht einfach ein Kampf des Bürgertums gegen den Adel. Durch sie wird die soziale Existenz des ständischen Bürgertums, voran die der Robe, der privilegierten Amtsinhaber des dritten Standes und auch die des alten, ständischen Zunfthandwerkes ganz ebenso vernichtet, wie die des Adelsstandes.

Vorher sind im Zeitalter des Absolutismus die politisch relevanten Teile des Bürgertums bis zum Hervortreten eines neuen, nicht ständischen Bürgertums völlig an den Bestand und die spezifische Balance einer ständischen Ordnung gebunden (S. 247).

Die gewichtigste Spannungsachse zwischen Adel und Bürgertum ist noch in eine Fülle von anderen, nicht weniger ambivalenten eingebettet.

Weltliche Ämterhierarchie via kirchlicher Ämterhierarchie.

Ein multipolares Balancesystem.

Der König oder sein Stellvertreter lenkt und steuert dieses Getriebe, indem er sein Gewicht bald in der einen, bald in der anderen Richtung einsetzt (Bild des Tauziehens).

Und seine gesellschaftliche Stärke ist eben deswegen so groß, weil die strukturelle Spannung zwischen den Hauptgruppen dieses Gesellschaftsgeflechts zu stark ist, um ein zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den König zu gelangen. Alle Versuche dieser Art scheitern im 16. u. im frühen 17. Jahrhundert (S. 249).

Jede der Richtungen möchte vielmehr das Königtum zu ihren Gunsten beschränken und jede von ihnen ist gerade stark genug, um zu verhindern, dass das einer anderen gelingt.
Sie halten sich gegenseitig in Schach und finden sich dementsprechend am Ende wieder resigniert in gemeinsamer Abhängigkeit von einem starken König (S. 250).

Die Gegensätze zwischen den beiden Hauptgruppen sind zu groß, um einen entscheidenden Kompromiss zwischen ihnen wahrscheinlich zu machen. So, unfähig sich zu einigen, unfähig, sich mit voller Kraft zu bekämpfen und zu besiegen, müssen sie einem Zentralherrn alle jene Entscheidungen überlassen, die sie selbst nicht herbeiführen können (S. 250).

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