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20070714

Monopolbildung Monopolzentralen tz-11

Das Ringen um die Vormacht und damit um die Bildung von Monopolzentralen über Gebiete einer noch höheren Größenordnung ist in vollem Gange.

Und wenn es auch zunächst noch in erster Linie um die Vormacht über Erdteile geht, so kündigen sich dahinter bereits recht unzweideutig die Vormachtkämpfe in einem Verflechtungssystem an, das die ganze bewohnte Erde umfasst.

Der Verflechtungsmechanismus drängt zur Veränderung der Institutionen und der gesamten, menschlichen Beziehungen.

Auch diese Erfahrungen widerlegen die Vorstellung, die nun mehr als ein Jahrhundert das Denken der Menschen beherrscht hat, die Vorstellung, dass sich ein Balancesystem frei konkurrierender Einheiten- Staaten, Konzerne, Handwerker oder was immer es sein mag- unendlich lange in diesem Zustand labilen Gleichgewichts erhalten könne.

Heute wie ehemals drängt diese Gleichgewichtslage der monopolfreien Konkurrenz über sich hinaus zu Monopolbildungen (S. 436).

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20070616

Monetarisierung Kommerzialisierung Privilegien Königsmechanismus zt-61

Der Antagonismus hat gewiss nicht die Form eines bewussten Kampfes. Was den Ausschlag gibt, was die Spannungen produziert, sind auch hier weit weniger Pläne und bewusst gesetzte Kampfziele, als anonyme Verflechtungsmechanismen.

Es sind weit mehr die Mechanismen der vordringenden Monetarisierung und Kommerzialisierung, als bewusste Anschläge bürgerlich-städtischer Kreise, die am Ausgang des Mittelalters das Gros der ritterlichen Feudalherren bergab drängen (S. 242).
(Anm: Also hier: Sein bestimmt Bewusstsein :-).

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Literatur und Quellenhinweis: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation; Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936; Francke Verlag: 1969 2. Auflage; Suhrkamp: 1976 1. Auflage; 19. Auflage 1995; Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
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Die Frage war: Wie war es möglich, dass sich eine absolutistische Zentralgewalt heran bildete, obwohl die Zentralherren nicht weniger abhängig waren von der ganzen funktionsteiligen Maschinerie, wie die Inhaber andere Stellen?

Das Schema des Königsmechanismus gibt die Antwort: Nicht mehr die militärische Stärke, nicht mehr die Größe der Besitztümer und Einnahmen allein können die gesellschaftliche Stärke des Zentralherren in dieser Phase erklären, sondern es bedarf überdies noch einer besonderen Kräfteverteilung im Inneren der Gesellschaft (S. 243).

Die gesellschaftliche Institution des Königtums erlangt ihre größte gesellschaftliche Stärke in jener Phase der Gesellschaftsgeschichte, in der ein schwächer werdender Adel mit aufsteigenden bürgerlichen Gruppen rivalisieren muss.
Die rascher fortschreitende Monetarisierung und Kommerzialisierung des 16. Jahrhunderts gibt bürgerlichen Gruppen einen mächtigen Auftrieb und drückt den Adel beträchtlich herab.
Am Ende der sozialen Kämpfe ist die Interdependenz zwischen Teilen des Adels und Teilen des Bürgerstandes beträchtlich größer geworden (S. 244).

Das Ziel des Bürgerstande war nicht die Beseitigung des Adels (wie dann 1789) als gesellschaftliche Institution, sondern es war selbst Adelstitel mit seinen Privilegien zu erlangen. Sie wollen den Adel nicht als solches beseitigen sondern bestenfalls als neuer Adel an die Stelle oder neben den alten Adel treten.
Die Spitzengruppe 'Noblesse de robe' betont während des 17. u. 18. Jahrhunderts, dass ihr Adel ein ebenso guter, wichtiger und echter Adel ist wie der des Schwertadels (S. 244).

Das Bürgertum war in jener Phase nicht die gleiche Formation wie heute, so eine Art selbstständiger Kaufleute.
Der sozial einflussreichste repräsentative Vertreter des Bürgertums im 17. u. 18. Jahrhundert war der bürgerliche Fürsten- oder Königsdiener, dessen Vorfahren gewiss Kaufleute waren, der aber selbst nun eine amtsähnliche Stellung innerhalb des Herrschaftsapparates bekleidet.

Bevor kaufmännische Schichten selbst die Spitzengruppe des Bürgertums bildeten, stehen hier zunächst an der Spitze des dritten Standes Beamte, Männer der Robe, die das Bürgertum in den Ständeversammlungen vertreten.

In Frankreich ist dieser Bürger eine Mischung von Rentier und Beamter, der seine Stelle im Staatsapparat als Besitztum gekauft oder von seinem Vater ererbt hat. Auf Grund dieser Amtsstellung genießt er eine Reihe von Privilegien z.B. Steuerfreiheit (S. 245).

Gemeinsam ist dem dritten Stand (1.= Klerus, 2. = Adel) vor allem ein Interesse: Das Interesse an der Aufrechterhaltung ihrer verschiedenen Privilegien. Denn durch Sonderrechte, durch Privilegien ist nicht nur die soziale Existenz des Adligen oder des Amtsinhabers ausgezeichnet; auf Privilegien ruht auch die Existenz des Kaufmanns in dieser Zeit ab; von Privilegien hängt der Bestand des Zunfthandwerks ab.

Bis in die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein ist das Bürgertum, wie der Adel selbst, eine ständische, durch Sonderrechte charakterisierte und aufrecht erhaltene Formation.

Hier stößt man jetzt auf jene Verflechtungsmaschinerie, kraft derer dieses Bürgertum niemals zu einem entscheidenden Schlag gegen den Adel (den Gegenspieler) ausholen kann. Es kann und will auch niemals die gesellschaftliche Institution der Privilegien selbst beseitigen, denn seine eigene soziale Existenz, an deren Erhaltung ihm alles liegt, wird ebenfalls durch Privilegien aufrecht erhalten und geschützt (S. 246).

Erst, wenn immer stärker im Zellenaufbau der Gesellschaft bürgerliche Existenzen hervortreten, deren gesellschaftliche Basis nicht mehr ständische Privilegien sind, dann erst sind die sozialen Kräfte vorhanden, die den Adel entschieden bekämpfen können, die nicht nur einzelne Adelsprivilegien sondern das gesellschaftliche Institut der Adelsprivilegien selbst beseitigen wollen (S. 246, 247).

In der Tat ist die Revolution von 1789 nicht einfach ein Kampf des Bürgertums gegen den Adel. Durch sie wird die soziale Existenz des ständischen Bürgertums, voran die der Robe, der privilegierten Amtsinhaber des dritten Standes und auch die des alten, ständischen Zunfthandwerkes ganz ebenso vernichtet, wie die des Adelsstandes.

Vorher sind im Zeitalter des Absolutismus die politisch relevanten Teile des Bürgertums bis zum Hervortreten eines neuen, nicht ständischen Bürgertums völlig an den Bestand und die spezifische Balance einer ständischen Ordnung gebunden (S. 247).

Die gewichtigste Spannungsachse zwischen Adel und Bürgertum ist noch in eine Fülle von anderen, nicht weniger ambivalenten eingebettet.

Weltliche Ämterhierarchie via kirchlicher Ämterhierarchie.

Ein multipolares Balancesystem.

Der König oder sein Stellvertreter lenkt und steuert dieses Getriebe, indem er sein Gewicht bald in der einen, bald in der anderen Richtung einsetzt (Bild des Tauziehens).

Und seine gesellschaftliche Stärke ist eben deswegen so groß, weil die strukturelle Spannung zwischen den Hauptgruppen dieses Gesellschaftsgeflechts zu stark ist, um ein zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den König zu gelangen. Alle Versuche dieser Art scheitern im 16. u. im frühen 17. Jahrhundert (S. 249).

Jede der Richtungen möchte vielmehr das Königtum zu ihren Gunsten beschränken und jede von ihnen ist gerade stark genug, um zu verhindern, dass das einer anderen gelingt.
Sie halten sich gegenseitig in Schach und finden sich dementsprechend am Ende wieder resigniert in gemeinsamer Abhängigkeit von einem starken König (S. 250).

Die Gegensätze zwischen den beiden Hauptgruppen sind zu groß, um einen entscheidenden Kompromiss zwischen ihnen wahrscheinlich zu machen. So, unfähig sich zu einigen, unfähig, sich mit voller Kraft zu bekämpfen und zu besiegen, müssen sie einem Zentralherrn alle jene Entscheidungen überlassen, die sie selbst nicht herbeiführen können (S. 250).

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20070607

Gesellschaftsvertrag Bürgergesellschaft sk-45

Dahrendorf Liberale Agenda-4
Institutionen-Bau Gesellschaftsvertrag Entfaltung der Bürgergesellschaft
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Hinweis auf Quelle bzw. verwendete Literatur:
Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf,
Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch,
Textauswahl für dieses Blog: Transitenator
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Was aber ist der Kern des neuen Gesellschaftsvertrages?

Was bedeutet Institutionen-Bauen heute?

Zwei Aspekte:

1. Es gilt jenen Grundbestand an Regeln und Normen zu identifizieren, der tunlichst den Wechselwinden der normalen Politik entzogen bleiben soll.

Der erfüllte Bürgerstatus für alle gehört dazu, weiters die Regeln der politischen Ordnung und die Grundregeln der Marktwirtschaft und der Bürgergesellschaft.

Sowie die Garantie der zumindest begrenzten Autonomie für Organisationen, die zwar staatliche Mittel in Anspruch nehmen, aber nicht eigentlich Staatseinrichtungen sind.

Hier liegt der wichtige Sinn des öffentlichen Diskurses für die Unabhängigkeit der Zentralbank oder die Autonomie von Universitäten.



2. Das alles ist nur der Rahmen für die Entfaltung der Bürgergesellschaft.
Sie ist die Lebenswelt der Freien.

Das alles sind nur Voraussetzungen für die Eigentätigkeit von Menschen in Gruppen und Verbänden, Unternehmen und Organisationen.

Manche haben einen besonderen Rang weil sie Ligaturen stiften (z.B. Kirchen, Vereine, Unternehmen). Immer jedoch gilt, dass im Rahmen von Institutionen die Assoziationen auf blühen müssen, wenn die Verfassung der Freiheit wirklich sein soll.

Das Bauen von Institutionen hat also den Zweck, den Raum für die Entstehung von Assoziationen zu schaffen. Die schlanke Verfassung, die den Respekt der Bürger genießt, macht die lebendige Vielfalt der Bürgergesellschaft möglich (S. 271).


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Institutionen Anomie Normen sk-44

Dahrendorf Liberale Agenda-3
Institutionen Anomie Normen Gesetze Lebenschancen
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Hinweis auf Quelle bzw. verwendete Literatur:
Der moderne soziale Konflikt von Ralf Dahrendorf,
Stuttgart 1992 (1), München 1994, dtv Taschenbuch,
Textauswahl für dieses Blog: Transitenator
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Diese Aufgabe trifft ins Herz der liberalen Einstellung zum Rechtsstaat und zur sozialen Ordnung. Der weiche Liberalismus beschreibt eine politische Haltung die Prinzipien bis zu dem Punkt relativiert, an dem ihr prinzipieller Charakter völlig verschwimmt und finden unakzeptable Dinge entschuldbar.

'Weiche' sind nett, 'harte' sind es nicht. Dahrendorf hat eine ausdrückliche Einstellung zu Normen, die viel zu tun haben mit 'rechts freien Räumen' der Anomie.

Die Strafrechtsreform hat humanisiert, ist aber über ihr Ziel hinausgeschossen, wo sie alles normwidrige Verhalten 'der Gesellschaft' als anonym Verantwortlichem zuschreibt, bis am Ende nicht mehr der Verbrecher, sondern das Opfer die Schuld trägt.

Manche 'rechts freie Räume' und 'Humanisierungen' haben zur Auflösung von Institutionen geführt. Analoge Entwicklungen zeichnen sich dort ab, wo Verhaltensregeln in einem Ausmaß verwässert worden sind, das es unmöglich gemacht hat die Einhaltung von Normen zu erzwingen.

Für manche ist das Wort 'liberal' zu einem Synonym für eine laxe Einstellung zu Regeln und Normen überhaupt geworden. Es kann keinen größeren Fehler im Namen der Freiheit geben. Institutionelle Laxheit funktioniert nicht.

Wer annimmt, dass wir in einer arkadischen Welt der Eintracht leben (Rousseaus Emile hat 'gehorchen' und 'befehlen' nicht im Wortschatz), der wird sich wahrscheinlich alsbald in der bösartig-brutalen Welt von Hobbes Krieg aller gegen alle finden, wo Menschen in 'ständiger Angst' leben und es selbstverständlich 'keine Gesellschaft' gibt.

Wenn wir uns nicht an Institutionen halten, werden wir schwerlich andere Quellen der Stabilität finden. Mehr noch, Institutionen sind das einzige Instrument zur Vergrößerung der Lebenschancen aller (S. 269).
Ohne die Institution des Eigentums und damit des bürgerlichen Staates (civil gouvernment), kann ein 'vorindustrielles Schlaraffenland' nicht dauern.

Ganz sicher verlangt die zivilisierende Kraft der Anrechte, dass wir Normen und Sanktionen ebenso anerkennen wie die Instanzen, die diese begründen und erhalten.
Ein institutioneller Liberalismus hat praktische Konsequenzen. Leichtfertigkeit im Umgang mit Institutionen hat einen Preis; es ist ein Preis an Freiheit.

Die laxe oder weiche Haltung ist nicht die einzige Form der Leichtfertigkeit. Es gibt auch die Gefahr, auf alles und jedes mit dem Ruf nach neuen Normen zu reagieren, also die der Übernormierung. Bürokratische moderne Gesellschaften sind nicht nur im Bereich der Sozialgesetzgebung über normiert.

Es gibt zu viele Gesetze. Kein Normen-Überfluss. Es wäre des Schweißes der Liberalen wert, ein konkretes Programm der Reduktion von gesetzlichen Regelungen neben die Politik der wirtschaftlichen Deregulierung zu stellen.

Dahinter steht der Gedanke eines normativen Optimums (S. 269).:
Es sind Gründe zu geben für Regeln, die unentbehrlich sind. Institutionen sind von ihren Zielen und Absichten her zu rekonstruieren. Gesetze sind wieder mit dem Geist der Gesetze zu verbinden.

Auch politische Ökonomen erkennen, dass es auf Institutionen ankommt: "Individuen als Bürgern, die in letzter Instanz ihre eigene soziale Ordnung kontrollieren, zu helfen bei ihrer andauernden Suche nach jenen Regeln des politischen Spiels, die am besten ihren Zwecken dienen, was immer diese sein mögen" (James Buchanan).

Dahrendorf: Wenn Angebotswissenschaftler Anrechtsfragen aufnehmen empfiehlt es sich zuzuhören. Sie neigen aber dazu ewige Spielregeln zu finden, während doch das institutionelle Optimum sich wandelt.

Nach Dahrendorfs Verständnis ist der Gesellschaftsvertrag selbst das Thema der Geschichte. Sein Gehalt ist in den entwickelten Gesellschaften des 20en Jahrhunderts nicht derselbe, wie er es für Keynes 1925 war, geschweige denn für John Locke, als dieser 1690 sein Traktat veröffentlichte.


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