Posts mit dem Label Verhaltenswandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verhaltenswandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20070715

Angsterzeugung Verhaltensregeln tz-20

Keine Gesellschaft kann bestehen ohne eine Kanalisierung der individuellen Triebe und Affekte, ohne eine ganz bestimmte Regelung des individuellen Verhaltens.

Keine solche Regelung ist möglich, ohne dass die Menschen aufeinander Zwang ausüben und jeder Zwang setzt sich bei dem Gezwungenen in Angst der einen oder anderen Art um.

Manfrau darf sich darüber nicht täuschen:
Eine ständige Erzeugung und Wiedererzeugung von menschlichen Ängsten durch Menschen selbst ist unvermeidlich und unerlässlich, wo immer die Menschen in irgendeiner Form mit einander leben, wo immer Verlangen und Handlungen mehrerer Menschen ineinander greifen, sei es bei der Arbeit, sei es bei Geselligkeit oder Liebesspiel (S. 448).

Unsere Verhaltenstafeln sind so widerspruchsreich und so voll von Disproportionalitäten, wie die Formen unseres Zusammenlebens, wie der Bau unserer Gesellschaft.

Die Zwänge, denen heute der einzelne Mensch unterworfen ist, und die Ängste, die ihnen entsprechen, sie sind in ihrem Charakter, ihrer Stärke und Struktur entscheidend bestimmt durch die spezifischen Verflechtungszwänge unseres Gesellschaftsgebäudes, von denen oben die Rede war: durch seine Niveaudifferenzen und die gewaltigen Spannungen, die es durchziehen (S.448).

-o-o-o-

20070531

Zivilisation Globalisierung Globalisation zt-48

Ausblick: Wie sieht die Bewegungsrichtung der Zivilisation aus? (S. 118-119, siehe unten). ("Globalisierung bzw. Globalisation heute").

Erst steht Burg gegen Burg, dann Territorium gegen Territorium, dann Staat gegen Staat.
Nun (1939 ! ) erscheinen am Horizont Anzeichen und Kämpfe um eine Integration von Gebieten und Menschenmassen in einer noch höheren Größenordnung.

Wachsende Verflechtung und Zusammenwachsen zu einer 'Erdgesellschaft'?
Das Wachstum der Integrations- und Herrschaftseinheiten zu immer weiteren Größeneinheiten ist immer zugleich ein Ausdruck für strukturelle Veränderungen im Aufbau der Gesellschaft und der menschlichen Beziehungen selbst.

Jedesmal, wenn sich das Schwergewicht innerhalb einer Gesellschaft den Integrationseinheiten einer neuen Größenordnung zuneigt (z.B. zugunsten der größeren Feudalherren zuungunsten der kleineren, als 'Schub'), hängt die Wandlung damit zusammen, dass die gesellschaftlichen Funktionen sich anders und stärker differenziert haben, dass die Aktionsketten der Gesellschaftsorganisation, der militärischen, wie der wirtschaftlichen Organisation, mehr Glieder bekommen haben und länger geworden sind.

Das Geflecht der Angewiesenheiten und Abhängigkeiten, die sich im Einzelnen kreuzen werden größer und seiner Struktur nach anders.
In Korrespondenz damit verändert sich auch die Modellierung des Verhaltens und des ganzen emotionalen Lebens, die Gestalt des Seelenhaushalts.

"Der Prozess der Zivilisation ist, von der Seite des Verhaltens und des Trieblebens her gesehen, dasselbe, wie, von der Seite der menschlichen Beziehungen her gesehen, der Prozess der fortschreitenden Verflechtung, die zunehmende Differenzierung der gesellschaftlichen Funktionen und, ihr entsprechend, die Bildung immer umfassenderer Interdependenzen, immer größerer Integrationseinheiten, von deren Ergehen und Bewegungen der Einzelne abhängig ist, ob er es weiß oder nicht" (S. 119).

-o-o-o-
Literatur und Quellenhinweis:
Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation
Band 2 Erstmals veröffentlicht 1936
Francke Verlag: 1969 2. Auflage
Suhrkamp: 1976 1. Auflage
19. Auflage 1995
Ausgewählte Quoten und Gestaltung: Transitenator
-o-o-o-

20070423

Fleisch Esser, Tier-Leichen hinter die Kulisse, Hamburger, Seelen-Aufbau zt-32

Was immer wir auch an menschlichen Erscheinungen, losgelöst vom gesellschaftlichen Leben der Menschen betrachten, es ist Substanzialisierung der menschlichen Beziehungen und des menschlichen Verhaltens, es ist Gesellschafts- und Seeleninkarnat.

Das gilt von der Sprache, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik für hochrangige Erscheinungen unseres Lebens etc.

Scheinbar unbeträchtliche Erscheinungen geben über Aufbau und Entwicklung der 'Seelen' und ihrer Beziehungen oft klare und einfache Aufschlüsse. Zum Beispiel das Verhältnis der Menschen zur Fleischnahrung.

Im Mittelalter gibt es drei verschiedene Verhaltensweisen zur Fleischkost. Extreme Uneinheitlichkeiten des Verhaltens sind charakteristisch für diese Zeit.
-o-o-o
Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995 Exzerpt: transitenator.
-o-o-o
Bestimmte Verhaltensweisen in einer Schicht oft über das ganze Abendland hin, während andere Verhaltensweisen in anderer Schicht. Daher sind die Unterschiede im Verhalten zwischen verschiedenen Ständen der gleichen Region oft größer, als die zwischen regional getrennten Vertretern der gleichen Schicht. Abgeschlossenheit der Stände (S. 158).

Das Verhältnis zur Fleischnahrung zwischen den Polen des außerordentlichen Verbrauchs in der Oberschicht und des Verzichts z.B in Klöstern oder der Unterschicht. Vieh ist wertvoll und für die Herrentafel bestimmt. Arme Ritter mit ähnlichem Standard wie Bauern. Gewürze spielen eine große, Gemüse eine verhältnismäßig geringe Rolle.

Genauer belegbar ist die Art, wie das Fleisch aufgetragen wird. Die ändert sich vom Mittelalter zur Neuzeit hin beträchtlich. Im Mittelalter kommt bei der Oberschicht das tote Tier als Ganzes auf den Tisch und das Tier wird auf der Tafel zerlegt.

Das Zerlegen und das Austeilen bei Tisch ist eine besondere Ehre. Allmählich hört im 17. Jahrhundert das Zerlegen des Tieres bei der Tafel auf. Faktoren dafür die allmähliche Verkleinerung des Haushaltes, die Aussonderung von Erzeugungs- und Verarbeitungsaufgaben (Weben, Spinnen, Schlachten..) aus dem Haushalt und deren Übergang an Spezialisten (Handwerker, Kaufleute, Fabrikanten). Der Haushalt wird im wesentlichen zu einer Verbrauchseinheit.

Dem Zuge des großen Gesellschaftsprozesses entspricht auch hierin der Zug des Seelischen. Heute ist der Anblick von ganzen toten Tieren in Fleischerläden in den U.S.A. und West-Europa peinlich.

Vorschübe der Peinlichkeitsschwelle. Schübe dieser Art führten in der Vergangenheit zu Standardveränderungen.

Die Richtung ist ganz klar. Von jenem Standard des Empfindens, bei dem der Anblick der erschlagenen Tiere auf der Tafel und sein Zerlegen unmittelbar als lustvoll, jedenfalls ganz und gar nicht als unangenehm empfunden wird, führt die Entwicklung zu einem anderen Standard, bei dem manfrau die Erinnerung daran, dass das Fleischgericht etwas mit einem getöteten Tier zu tun hat, möglichst vermeidet.

Bei unseren Fleischgerichten wird durch die Kunst der Zubereitung die tierische Form verdeckt. (Chicken Mc Nuggets).

Es wird noch gezeigt werden, wie die Menschen im Laufe der Zivilisationsbewegung alles das zurück zu drängen suchen, was sie an sich selbst als 'tierische Charaktere' empfinden (S. 162).

Das stärkere Verlegen des Peinlichen aus der Sicht der Gesellschaft gilt auch für das Zerlegen des ganzen Tieres. Dieses Zerlegen gehörte im Mittelalter zum gesellschaftlichen Leben der Oberschicht.

Dann wird der Anblick mehr und mehr als peinlich empfunden. Das Peinliche wird hinter die Kulissen des gesellschaftlichen Lebens verlegt.

Charakteristisch diese Figur des Aussondern, dieses 'Hinter die Kulisse Verlegen' des peinlich Gewordenen für den ganzen Vorgang dessen, was wir 'Zivilisation' nennen.

Die Kurve: Zerlegen großer Tiere an der Tafel, Vorrücken der Peinlichkeitsschwelle gegenüber dem Anblick toter Tiere, Verlagerung des Zerlegens hinter die Kulissen in spezialisierte Enklaven ist typisch für okzidentelle Zivilisation. (In China geschah das schon viel früher).

Rationale Einsicht ist nicht Motor der Zivilisation zt-30

Die Peinlichkeitsschwelle (nicht in erster Linie die Hygiene-Einsicht) rückt sichtlich voran. Im Zusammenhang mit einer ganz bestimmten gesellschaftlichen Situation wandelt sich Empfinden und Affektlage zunächst in der Oberschicht, und der Aufbau der Gesamtgesellschaft lässt diesen veränderten Affektstandard sich langsam über die Gesellschaft hin ausbreiten.

Nichts weist auf Gründe, die wir als klare, rationale Gründe bezeichnen, aus der beweisbaren Einsicht in bestimmte Kausal-Verknüpfungen.

Ein großer Teil der Tabus hat mit 'Hygiene' nicht das mindeste zu tun, sondern vielmehr mit dem 'peinlichen Gefühl', dem Peinlichkeitsempfinden. Es ändert sich die Affektlage, die Sensibilität, die Empfindlichkeit und das Verhalten der Menschen.

Dann wird an einem bestimmten Punkt dieses Verhalten als 'hygienisch richtig' erkannt, es wird durch klarere Einsicht in die kausalen Zusammenhänge gerechtfertigt und in die gleiche Richtung vorangetrieben (S. 155).

Aber die 'rationale Einsicht' ist nicht der Motor der 'Zivilisation' des Essens oder anderer Verhaltensweisen.
-o-o-o
Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995 Exzerpt: transitenator.
-o-o-o
Gerade die Parallele zwischen der Zivilisierung des Essens und der des Sprechens ist in dieser Hinsicht recht lehrreich. Sie macht deutlich, dass die Veränderung des Verhaltens beim Essen Teil einer sehr umfassenden Wandlung der menschlichen Empfindungen und Haltungen ist.

Sie veranschaulicht zugleich, in welchem Maße die Antriebe dieser Entwicklung aus dem gesellschaftlichen Aufbau, aus der Integrations- oder Beziehungsform der Menschen kommen.

Relativ kleine Kreise bilden zunächst das Zentrum der Bewegung, dann geht der Prozess auf andere weitere Schichten über. Diese Ausbreitung hat eine bestimmte Struktur, die Gesellschaft zur Voraussetzung.

Sie hätte sich nicht vollziehen können, wenn sich nicht eine gesellschaftliche Situation hergestellt haben würde, die ein Vorrücken der Peinlichkeitsschwelle möglich und erforderlich gemacht hätte.

Der Prozess ähnelt einer Kristallisierung, aber nichts wäre falscher, als den Kristallisationskern selbst für die Ursache der Umlagerung zu halten.

Die Ausbreitung hat selbst bereits eine besondere Lage und einen besonderen Aufbau der Gesamtgesellschaft zur Voraussetzung. Der eine Kreis hat die Funktion Modelle zu schaffen, der andere sie auszubreiten (S. 157).

20070422

Kurve der Zivilisation des Essens. zt-28

Am Ende des 18. Jhs. ist jener Standard der Essgebräuche erreicht der in der ganzen 'zivilisierten' Welt als selbstverständlich gilt.

Es findet zwar eine weitere Durchdringung der Volksmassen, der Mittelschichten, der Arbeiterschaft, der Bauern mit dem uniformen Ritual der Zivilisation statt, aber der Grundstock, der Standard der Esstechnik bleibt unverändert.

Selbst die Entwicklung der Technik (Kochtechnik, neue Kraftquellen) hat die Esstechnik ziemlich unverändert gelassen. Was sich noch verändert ist also die Technik der Produktion des Essens aber die Technik der Konsumption ist besonders von gesellschaftlichen Formationen entwickelt die (in nicht mehr erreichten Ausmaßen) Konsumptionsschichten waren.

Nun verlangsamt sich das Tempo der Bewegung (S. 140). Differenzierungen der Geräte stellen genau betrachtet nicht eigentlich etwas Neues dar. Sie sind Variationen über das gleiche Thema, Differenzierungen innerhalb des gleichen Standards.

In der Zeit bis zum 15. Jh. bleibt der Standard der Esstechnik, der Grundstock des gesellschaftlich Verbotenen und Erlaubten in den wesentlichen Zügen ziemlich gleich.
------------------------------
Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995
Exzerpt: transitenator
------------------------------
Die Gestalt der Kurve ist überall die gleiche.

Erst die mittelalterliche Phase mit Höhepunkt in der ritterlich-höfischen Blütezeit, markiert durch das Essen mit den Händen. Dann eine Phase relativ rascher Bewegung und Veränderung, etwa das 16., 17. und 18. Jahrhundert umfassend, in der die Zwänge zur Durchformung des Verhaltens beim Essen dauernd in einer Richtung vorangetrieben werden.

Von da an eine Phase, die sich im Rahmen des einmal erreichten Standards hält. Das alltägliche Verhalten spielt nicht mehr die gleiche Rolle wie in der vorhergehenden Phase. Zur Grundlage der sozialen Unterschiede wird ausschließlicher als zuvor der Geldbesitz. Und die Verdinglichungen der Menschen, ihre Leistungen und Produkte werden wichtiger, als ihr Gebaren.

Weder Löffel, noch Gabel, oder Serviette werden einfach, wie ein technisches Gerät, mit klar erkennbarem Zweck und deutlicher Gebrauchsanweisung eines Tages von einem Einzelnen erfunden; sondern durch Jahrhunderte wird unmittelbar im gesellschaftlichen Verkehr und Gebrauch allmählich ihre Funktion umgrenzt, ihre Form gesucht und gefestigt.

Der höfische Kreis prägt die Modelle und zwar zunächst nur für die Bedürfnisse der eigenen gesellschaftlichen Situation und entsprechend der Seelenlage, die dieser sozialen Lage entspricht.

Weitere Schichten sind begierig die oben entwickelten Modelle anzunehmen.

Die Wanderung (Übernahme) von Modellen aus einer sozialen Einheit zur anderen gehören im Gesamtprozess der Zivilisation zu den wichtigsten Einzelbewegungen.

Nicht nur die Art des Essens, auch die Art des Denkens wird in Frankreich auf ähnliche Weise modelliert.

Die Herausbildung eines bestimmten Rituals der menschlichen Beziehungen, im Wandel der menschlichen Beziehungen, im Wandel der Gesellschafts- und Seelenlage ist nichts Isolierbares (auch wenn eine Linie verfolgt wird). Es sind umfassende Wandlungen im Verhalten der Gesellschaft (S. 145).

misterlinker

backlinksite

stats

BlogCatalog News

twittercounter

TwitterCounter for @transitenator

twitter updates

BC Neighbors

Blogger:

Mein Bild
Bad Goisern @ HallstaetterSee, Upper Austria, Austria
Austrian Blogger Stumbler Digger Social Networker Promoter etc-
Powered By Blogger

  © Blogger template Brooklyn by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP