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20070419

Quesnay zt-18

Grundideen Quesnays und der Physiokraten
Das Wirtschaftsleben der Gesellschaft wird als ein mehr oder weniger selbsttätiger Prozess, als ein geschlossener Kreislauf von Produktion, Zirkulation und Reproduktion der Güter dargestellt.

Die Entwicklungsgänge der Wirtschaft, der Bevölkerung, schließlich der gesamten Gesittung werden als ein großer Zusammenhang betrachtet, das alles als ein großer Kreislauf, ein ständiges Auf und Ab.

Quesnay spricht von natürlichen Gesetzen des Zusammenlebens im Einklang mit der Vernunft. Er ist dagegen, dass die Regierenden in den ökonomischen Kreislauf eingreifen. Er wünscht, dass die Regierenden dessen Gesetzlichkeit kennen, um die Prozesse zu lenken und nicht, dass sie ahnungslos nach Gutdünken Verordnungen erlassen.
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Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995
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Quesnay verlangt Freiheit des Handels, besonders des Getreidehandels, weil die selbsttätige Regulierung, das freie Spiel der Kräfte, seiner Meinung nach eine für Konsumenten und Produzenten wohl tätigere Ordnung schaffen, als die traditionellen Regulierungen von oben und die unzähligen Handelsbarrieren zwischen den Provinzen und den Ländern.

Diese selbsttätigen Prozesse sollen von einer weisen und aufgeklärten Beamtenschaft gekannt und gelenkt werden. Hier der Unterschied zu den englischen Reformern. Quesnay und die Seinen halten sich durchaus im Rahmen des bestehenden monarchischen Systems. An die Grundelemente des ancien regime wird nicht gerührt.

Am Anfang steht die Erfahrung, dass die Regierung nicht nach Belieben Anordnungen treffen könne, dass ihr anonyme gesellschaftliche Kräfte automatisch Widerstand entgegensetzen. Die Erfahrung der Hilflosigkeit auch der absolutesten Regierungen gegenüber den Dynamismen der gesellschaftlichen Entwicklung und des Unheils das durch 'naturwidrige', 'unvernünftige' Regierungsmaßnahmen gestiftet wird.

Der Kerngedanke ist einfach: Es stimmt nicht, dass die Regierenden allmächtig sind und nach Gutdünken alle menschlichen Verhältnisse regeln können.

Die Gesellschaft, die Wirtschaft hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, sie setzt den unvernünftigen Einflüssen der Regierung und der Gewalt Widerstand entgegen (physiokratische Idee, dass gesellschaftliche Vorgänge wie Naturerscheinungen in einem gesetzmäßigen Prozess ablaufen).

Deshalb muss man eine aufgeklärte, eine vernünftige Verwaltung schaffen, die entsprechend den 'Naturgesetzen' der gesellschaftlichen Prozesse, zugleich entsprechend der Vernunft verwaltet und regiert (S. 55).

Die Wehen der industriellen Revolution lehrten die Menschen ihr gesellschaftliches Dasein als Prozess zu sehen.

Physiokratismus zt-17

Physiokratismus und französische Reformbewegung.

Situation nach der Mitte des 18. Jhs.: Die gleichen Grundsätze wie zu den Zeiten Colberts. Strenger Protektionismus, Schutz der nationalen Manufaktur- und Handelstätigkeit vor ausländischer Konkurrenz hatte das Wirtschaftsleben gefördert, bzw. zur Förderung der Steuerkraft des Landes beigetragen.

Aber die Kapitalkraft war gewachsen. Das Handelsnetz war dichter, die Industrietätigkeit lebhafter, die Verkehrswege besser, die wirtschaftliche Verflechtung und Interdependenz enger geworden. ('Globalisierung'-Anmerkung).

Das traditionelle Steuer- und Zollsystem (und merkantilistische Bindungen der Getreidewirtschaft) wurde zunehmend als störend empfunden. Das freiere englische Handelssystem wurde beobachtet. Die Könige in dieser Zeit waren nicht mehr nach Gutdünken entscheidende Monarchen, sondern abhängig von Fraktionen des Hofes, die z.T. weit in mittelständische Kreise hineinreichten.
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Quelle: Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Erstmals veröffentlicht 1936, Francke Verlag: 1969 2. Auflage,Suhrkamp:1976 1. Auflage,19. Auflage 1995
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Der Physiokratismus ist einer der theoretischen Ausdrücke dieser Fraktionskämpfe. Er ist ein nicht nur ökonomisches sondern ein groß angelegtes politisches und soziales Reformsystem (Turgot). Auf der anderen Seite die Merkantilisten (Forbonnais).

In der Debatte zwischen diesen Fraktionen kommt bereits die Differenz innerhalb der modernen, industriellen Gesellschaft zu einem frühen Ausdruck, die Differenz zwischen stärker freihändlerischen und stärker protektionistischen Interessengruppen. Beide gehören zu der mittelständischen Reformbewegung.

Es war aber keineswegs so, dass das ganze Bürgertum reformwillig und die Aristokratie ausschließlich Gegner der Reform gewesen wäre. Interesse an einer Konservierung des 'ancien regime' hatten vor allem die höhere Beamtenschaft (Ämter waren Familienbesitz), das Zunfthandwerk und ein Teil der Steuerpächter.

Wichtig ist: In Frankreich spielten bürgerliche Schichten zu dieser Zeit bereits eine politische Rolle, in Deutschland nicht. Hier in Deutschland ist die Intelligenzschicht auf die Sphäre des Geistes und der Ideen beschränkt, während in Frankreich sich auch gesellschaftliche, ökonomische und administrative Fragen dem Nachdenken der Intelligenz stellen.

Die deutschen Gedankensysteme sind in ganz anderem Maße reine Forschung. Ihr sozialer Ort ist die Universität (S. 53). Der soziale Ort, aus dem der Physiokratismus hervorging ist der Hof und die höfische Gesellschaft.

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